Olympische Winterspiele: Christian Breuer — ein Krefelder in Sotschi

Olympische Winterspiele: Christian Breuer — ein Krefelder in Sotschi

Der gebürtige Krefelder Christian Breuer ist Präsidiumsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der ehemalige Eisschnellläufer beim EC Grefrath fliegt am Montag zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi.

Die Koffer stehen noch parat, sind aber soeben erst leer geräumt worden, bevor sie wieder gefüllt werden. Christian Breuer ist in diesen Tagen ziemlich viel unterwegs. Der gebürtige Krefelder ist soeben erst von einer Geschäftsreise aus Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgekehrt, am kommenden Montag steht die nächste Reise an. Sie führt den 37-Jährigen ans Schwarze Meer, an die russische Riviera.

Dort beginnen am Freitag bekanntlich in Sotschi die 22. Olympischen Winterspiele, und Christian Breuer ist in offizieller Mission vor Ort in Russland: Der ehemalige Eisschnellläufer aus den Reihen des EC Grefrath ist seit Ende des vergangenen Jahres Präsident der "German Olympians", der Gemeinschaft Deutscher Olympiateilnehmer, Vorsitzender der Athletenkommission und Mitglied im Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und somit einer der hochrangigen Sportfunktionäre, die in Sotschi die Belange der deutschen Athleten vertreten.

"Innerhalb der deutschen Delegation fällt in meine Zuständigkeit, die Interessen der Athleten zu vertreten und sie wenn nötig zu unterstützen", sagt Breuer, der mit seinen beiden Töchtern, seiner Frau und dem Hund in Niederkrüchten wohnt. Seit dem Jahr 2006 übt er diese Funktion aus, zunächst nur für die Eisschnellläufer, ein Jahr später dann wurde er zum Vorsitzenden gewählt und ist somit seither Kraft seines Amtes Mitglied im Präsidium. In Sotschi wohnt er deshalb auch nicht im Olympischen Dorf, sondern ist in jenem Hotel, wo auch Präsidiumskollegen untergebracht sind.

"Ich freue mich für jeden unserer Starter"

"Das Olympische Dorf ist nur für die Sportler, deren Trainer und Betreuer. Das ist auch ganz gut so, dass die Funktionäre nicht auch noch dort Platz weg nehmen", sagt Breuer, der selbst als Aktiver an drei Olympischen Spielen teilgenommen hat: 1998 in Nagano, 2002 in Salt Lake City und 2006 in Turin. "Allerdings bin ich zwar nach Turin angereist, aber gestartet bin ich nicht, weil ich mich kurz vor dem Start am Rücken verletzt hatte", erinnert sich der 37-Jährige, dem eine Olympiamedaille verwehrt blieb. In Nagano belegte er über die 1500-Meter-Distanz den neunten Platz, in Salt Lake City stürzte er in guter Aussicht auf eine vordere Platzierung auf seiner Paradestrecke, den 1500 Metern. "Ich freue mich für jeden unserer Starter, der eine persönliche Bestzeit läuft, sein allerbestes gibt, selbst wenn er nur am Ende den zwölften Platz belegt", sagt er.

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Mit 153 Startern ist Deutschland bei den Olympischen Spielen vertreten, deren eigentlich Intention, nämlich das sportliche Miteinander der besten Athleten der Welt, immer mehr in den Hintergrund geraten ist, weil die Politik oder die Umstände rund um die "Putin-Spiele" immer mehr in den Vordergrund drängte.

"Ich muss ehrlich gestehen, dass selbst ich bei aller Wichtigkeit und Notwendigkeit dieser Debatten irgendwann genervt davon bin, dass die Sportseiten voll von Politik sind, statt über unsere Sportler zu schreiben. Dafür gibt es nunmal Spezialisierungen, auch in den Medien.Die Athleten können nichts dazu, dass die Spiele in Russland ausgetragen werden, das ist vor sieben Jahren entschieden worden. Sie arbeiten zum Teil seit Jahren auf diesen Höhepunkt ihrer Karriere hin und sollten jetzt auch entsprechend gewürdigt werden. Natürlich bin auch ich nicht mit allem einverstanden, was da in Russland läuft, aber wir hätten ja beweisen können, dass wir es besser machen können als die Russen. Das ist wiederum abgelehnt worden", sagt Breuer im Hinblick auf die abgeblockte Deutsche Bewerbung für 2022 in und um München.

Auch die Kritik, dass rund um die Spiele viele Hotels nicht fertig seien, ficht Breuer nicht sonderlich an. "Man muss ja mal sehen, dass von einem Tag auf den anderen eigentlich komplette Stadtteile in Betrieb genommen wird. Da sollten auch wir reflektiert mit Kritik haushalten, in einem Land, wo Personen trotz gestiegener Kosten in Milliardenhöhe beim Bau eines Flughafens all ihre politischen Ämter behalten. Es ist normal, dass vielleicht noch nicht alles in Ordnung ist, wenn es los geht. Bei keinen Spielen, bei denen ich war, war mit der Eröffnung alles perfekt, sondern da ist immer noch nachgebessert worden. Das gehört schon fast mit dazu", sagt Breuer und ergänzt augenzwinkernd: "Ich werde mal ein paar Schraubenzieher einpacken."

Gut, dass da seine Koffer noch leer sind.

(RP)
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