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Boule auf zwölf Plätzen hat bei der DJK Teutonia St. Tönis hat Tradition

Boule bei Teutonia hat Tradition : Catharinas Stimme hatte bei Pano Gewicht

Bei der DJK Teutonia St. Tönis wird auf zwölf Plätzen Boule gespielt. Mit Nizza bestehen Freundschaft und ein alljährlicher Austausch, der durch Corona gestoppt wurde.

 Wer sich auf den Weg zur Platzanlage der DJK Teutonia St. Tönis macht, landet fast wie auf Schienen geführt auf dem Parkplatz an der Gelderner Straße. Der ist eingebettet vom Aschenplatz bzw. der Sporthalle des Nachbarn Spielverein und auf Seiten der Teutonia durch eine hohe Hecke. Aber hinter dieser Hecke, direkt nach Betreten des weiträumigen Areals, verweilen viele Neugierige. Vor allen Dingen dann, wenn sie nicht unbedingt Szenekenner sind. Denn rechts vom Vereinsheim ist der Pinots Boule Club zu Hause, eine von elf Abteilungen der DJK, die dort auf zwölf Plätzen ihren für unsere Region eher ungewöhnlichen Sport betreiben. „Boule in St. Tönis?“, fragen sich da nicht allein Kiebitze. In der Tat, und das seit 1994. Da noch am Wilhelmplatz, später, seit 2005, im Gesamtverein der großen Teutonia-Familie.

Diese Abteilung hat über 60 Mitglieder, sprich Mitspieler und -spielerinnen, wobei die weiblichen etwa ein Drittel ausmachen. Von Jung bis Alt ist alles, wie bei den Trainingseinheiten montags und donnerstags zu sehen, vertreten. Insidern unvergessen bleibt eine Anekdote noch aus den Zeiten am Wilhelmplatz, wo auch der Wendekreis der Straßenbahn ist: Da boulte der Pächter Pano des griechischen Lokals Akropolis „Zum Schluff“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit kräftig mit. Wenn aber die ersten Gäste im Lokal waren, beorderte ihn seine Frau Catharina mit deutlicher Stimme zurück an seinen Arbeitsplatz.

Gespielt werden kann Boule, in Italien eher als Boccia bekannt, mit zwei, vier oder sechs Akteuren. Konrad Adenauer, der erste deutsche Bundeskanzler, frönte stets im Urlaub dieser Sportart, die sich in Frankreich größerer Bedeutung erfreut als bei uns.

Jedes Team startet mit sechs Kugeln (eine wiegt zwischen 650 und 730 Gramm), wenn die Zwölfte geworfen ist, ist das Spiel beendet. Vorab wird ein Wurfkreis von 50 Zentimetern ausgemessen und ausgelost, welches Team beginnt. Zu Spielbeginn wird dann eine sogenannte Zielkugel, von den Spielern auch liebevoll Schweinchen genannt – sie ist kleiner als die Spielkugel und farbig – geworfen, die dann der Fixpunkt ist.

Die Pinots bestreiten mit drei Teams auf Niederrheinebene ihre Meisterschaftsspiele. Die Boule-Bahnen müssen mindestens 15 Meter lang und 2,50 Meter breit sein. „Das schöne an diesem Sport ist, dass absolute Gleichberechtigung unter den Mitspielern herrscht. Ob jung oder alt bzw. männlich oder weiblich“, erklärt Abteilungsleiter Kurt Piernikarczyk.

Eine besondere Freundschaft, die ähnlich wie der Spielbetrieb wegen Corona verständlicher Weise aktuell ruht, verbindet die Tönisvorster mit einem Club in Nizza. Entstanden durch einen pensionierten Studienrat und früheres Mitglied, der sich nicht nur in der französischen Hafenstadt als Alterssitz niedergelassen hat, sondern sich dort auch einem  Boule-Club angeschlossen hat. Seit Jahren besucht man sich, meist über ein verlängertes Wochenende, einmal im Jahr hier und das nächste Jahr dort. Verbunden immer mit zwei sportlichen Vergleichen, gutem Essen, Trinken, Besichtigungen und Ausflügen. Auch ein Empfang beim Bürgermeister von Nizza war dabei. Nach der Pandemie und mit einem neuen Vereinspräsidenten wird Piernikarczyk, wenn es wieder möglich ist, einen neuen Versuch starten, die alten Kontakte wieder anzukurbeln. Übrigens: Allein in Nizza gibt es zwölf Boule-Clubs, was den Stellenwert dort nochmals deutlich unterstreicht.