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Blau-Weiß Timberland Finance: Kein Weltklasse-Tennis im Krefelder Stadtwald

Tennis : Kein Weltklasse-Tennis im Stadtwald

Erstmals seit 1972 fallen 2020 die Punktspiele der Tennis-Bundesliga aus. Der Krefelder Klub Blau-Weiß Timberland Finance bedauert das besonders für seine treuen Zuschauer. Der Titelsponsor verlängerte den Vertrag bis 2022.

Das gab es noch nie! Erstmals seit 55 Jahren wird es in diesem Jahr keinen Deutschen Tennis-Mannschaftsmeister der Herren geben. Der Deutsche Tennis-Bund (DTB) und die Vereine der Tennis-Bundesliga einigten sich darauf, die ab dem 5. Juli geplante Saison der 1. und 2. Tennis-Bundesliga abzusagen. Betroffen ist auch Blau-Weiß Timberland Finance Krefeld. Das Stadtwaldteam gehört seit 1972 der 1. oder 2. Bundesliga an.

Seit 1965 wird der Deutsche Tennis-Mannschaftsmeister ermittelt (zuvor bereits in den Jahren 1921 bis 1926), seit 1972 in den Spielen der Tennis-Bundesliga. 2020 wird eine Lücke in der vom LTTC Rot-Weiß Berlin mit 13 Titeln vor dem TC Blau-Weiss Neuss (10) und dem aktuellen Meister TK Grün-Weiss Mannheim (7) angeführten Liste der Titelträger klaffen. „Die Entscheidung, sämtliche Spiele der ersten und zweiten Tennis-Bundesliga abzusagen, ist uns nicht leicht gefallen. Wir haben dies in enger Abstimmung mit allen betroffenen Vereinen entschieden und sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass die Gesundheit aller Beteiligten und die weitere Eindämmung einer Ausbreitung des Covid-19-Erregers derzeit oberste Priorität haben,“ sagt DTB-Präsident Ulrich Klaus.

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Olaf Merkel begrüßt diese Entscheidung. Der Teamchef hatte sich bereits vor drei Wochen in den Gesprächen mit den Teamchefs der anderen Clubs für eine Absage ausgesprochen: „Sieben von zehn Vereine waren dafür, drei hätten für eine Austragung der zwischen 5. Juli und 16. August geplanten Meisterschaftsspiele votiert. „Spätestens, als Wimbledon abgesagt wurde und die Entscheidung fiel, die ATP-Tour bis zum 15 Juli zu stoppen, war klar, dass die Bundesliga in diesem Jahr ausfallen muss“, sagt Olaf Merkel.

Abgesagt ist nicht nur der Kampf um den Meistertitel, ohne Spiele wird es auch keinen Auf- oder Abstieg geben. Heißt: Die zehn Bundesliga-Klubs der Saison 2020 sind auch im kommenden Jahr erstklassig. „Ich hoffe, dass wir weiter auf unsere Sponsoren bauen und unsere erfolgreiche Zusammenarbeit der vergangenen Jahre fortsetzen können. Wir wollen auch 2021 wieder ein schlagkräftiges Team präsentieren“, sagt Olaf Merkel. Das erste positive Signal gab es bereits vom Hauptsponsor und Namensgeber Timberland Finance Krefeld, der seinen im Vorjahr abgeschlossenen Dreijahres-Vertrag um ein Jahr verlängert hat. Für den Teamchef ist die Absage auch persönlich ein komisches Gefühl. Denn seit 1972, als er noch für die Blau-Weißen in der Bundesliga spielte, gab es für ihn Jahr für Jahr von Juli bis August nur Tennis.

Finanzielle Nachteile gibt es für Blau-Weiß durch die Absage nicht. Denn die Spieler werden pro Einsatz bezahlt. Gleich acht Profis aus dem Corona-Hotspot Italien gehörten dieses Jahr zum Team. Besonders den Spielern, die in der Weltrangliste nicht zu den Top-100 gehören, fehlen durch die Zwangspause die Start- oder Preisgelder. Dazu kommt noch das Trainingsverbot, das nach der Absage der Olympischen Spiele verschärft wurde. Marco Cecchinato, der in Brescia (Lombardei) lebt, wo die Region besonders vom Corona-Virus betroffen ist, darf wegen der Ausgangssperre seit vier Wochen nicht mehr auf den Tennisplatz. Sein Landsmann Paolo Lorenzi hat sein Zuhause nach Sarasota (Florida) verlegt. Der Publikumsliebling im Stadtwald hält sich im eigenen Garten fit und kann auf einer privaten Tennisanlage trainieren. Der Österreicher Jürgen Melzer hat derzeit gar keine Zeit für Tennis. Da seine Frau arbeitet, kümmert er sich zu Hause in Wien um seinen kleinen Sohn. „Wenn die Krise vorbei ist, werde ich die Prüfung zur Kindergärtnerin bestehen“, berichtet der Wimbledon-Sieger im Doppel.

Olaf Merkel hofft sehr, dass es im kommenden Jahr im Stadtwald wieder Weltklasse-Tennis zu sehen gibt: „Das wünsche ich besonders unseren vielen treuen Zuschauern.“ Er selbst will die Absage nutzen, um durchzuatmen und dann hoffentlich im Herbst mit den Planungen für 2021 beginnen zu können: „Wichtig ist aber erstmal, dass wir alle gesund bleiben.“