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Bei Nationalhymne ein Kribbeln im Bauch

Hallen-Hockey Europameisterschaft : Bei Nationalhymne ein Kribbeln im Bauch

Der Torwart des Hockey-Bundesligisten Crefelder HTC gewann mit der DHB-Auswahl den EM-Hallen-Titel.

Luis Beckmann, Torwart des Hockey-Bundesligisten Crefelder HTC, gewann zehn Tage nach seinem 22. Geburtstag in Berlin mit der Deutschen Hockey-Nationalmannschaft den Hallen EM-Titel. Vor heimischem Publikum wurden sie den hohen Erwartungen mehr als gerecht und setzten sich mit einem Perspektivkader im Finale gegen den amtierenden Champion Österreich Zuschauern durch. Nach dem Turnier sprach RP-Mitarbeiterin Nomita Selder mit ihm.

Es war jetzt dein erstes Turnier mit dem A-Kader, wie hast du den Start erlebt?

Beckmann Es war etwas ungewohnt mit dem ganzen Drumherum, und ich war schon ein wenig nervös. Aber die meisten Spieler im Team waren aufgeregt. Aber nach kurzer Eingewöhnungszeit, wir haben im Vorfeld auch schon zwei Testspiele bestritten, herrschte große Vorfreude im ganzen Team.

Fünf Spiele in gerade einmal drei Tagen ist doch eigentlich ein Stressprogramm, auch wenn die Spiele auf 4x10 Minuten gekürzt worden sind, oder?

Beckmann Die enge Taktung war schon nicht einfach, aber wir wurden von den Trainern, Betreuern und Physios sehr gut vorbereitet, das hat gemeinsam mit den Fans schon einen wichtigen Anteil an unserer Leistung ausgemacht. Zwischen den Spielen sind wir ins Hotel gefahren, haben dort gegessen und ein wenig abgeschaltet.

In der Gruppenphase seid ihr sehr souverän mit einem 12:1 gegen Belgien und einem 12:2 gegen Tschechien gestartet. Neigt man nicht dazu, dann alles als Selbstverständlich zu nehmen?

Beckmann Das sportliche Niveau war sehr hoch, auch wenn wir zum Teil sehr deutlich gewonnen haben. Die Ergebnisse, besonders auch der Sieg gegen die Niederlande [anm. Raphael Hartkopf erzielte Sekunden vor dem Schlusspfiff den 7:6 Siegtreffer] haben natürlich schon motiviert, aber wir haben trotzdem von Spiel zu Spiel gedacht und uns immer neu fokussiert.

Wie hast du das Halbfinale gegen die Russen erlebt? Ihr habt euch zwar am Ende klar durchgesetzt, aber es gab auch zwei Siebenmeter, bei denen Anton Brinkmann für dich reingekommen ist.

Beckmann Das Halbfinale war für mich persönlich ganz besonders, da die Halle voll war und es um alles ging. Also in jeder Hinsicht nochmal eine Steigerung gegenüber den Gruppenspielen. Wir kannten Russland kaum und haben uns zu Beginn etwas schwer getan, es aber vor allem hinten raus sehr gut gemacht. Es war von vorne herein klar, dass bei Siebenmetern der jeweils andere Torhüter reinkommt, das haben wir auch schon gegen Holland gemacht, wo es dann umgekehrt war und ich den Strafstoß gehalten habe.

In Krefeld spielst du in der Regel vor ein paar hundert Leuten, von denen du viele kennst. Jetzt waren insgesamt 10 000 Leute da gewesen.

Beckmann Es war schon ein krasses Gefühl von so vielen Menschen angefeuert zu werden, die dann alle Deutschland rufen und dich unterstützen. Als dann die Nationalhymne gespielt wurde, hat sich bei mir schon ein Kribbeln im Bauch eingestellt. Samstag und Sonntag war es dann richtig voll gewesen. Es war alles sehr professionell, aber auch ungewohnt mit der Pressezone und den vielen Fans. Vor allem viele Kinder kamen für Autogramme zu uns und wir haben uns auch bewusst dafür Zeit genommen.

Hattest du auch persönlich Unterstützung vor Ort?

Beckmann Ja, mein Vater und meine beiden jüngeren Brüder (12 und 16) waren in der Halle, nach und zwischen den Spielen konnte ich mit ihnen sprechen. Die beiden spielen ebenfalls Hockey im CHTC, der ältere ist auch Torhüter, es hat mich sehr gefreut, dass sie dabei sein konnten.

Wie hast du das Endspiel gegen Österreich erlebt, die ja immerhin amtierender Welt- und Europameister in der Halle waren?

Beckmann Gegen Österreich haben wir kurz vorher in der Vorbereitung gespielt und verloren, daher waren wir gewarnt, aber hatten auch ein wenig eine Rechnung offen. Auch wenn ich im Finale nicht selbst gespielt habe, ist man natürlich fokussiert und unterstützt die Jungs. Als der 3:2-Anschlusstreffer fiel, wurde überlegt im Tor zu wechseln, um einen neuen Impuls zu setzen, aber dann haben sich die Jungs wieder gesteigert.

Ihr seid aufgrund des Terminkalenders nur mit einem relativ unerfahrenen Team angetreten, was waren die wichtigsten Faktoren, warum ihr trotzdem den Titel geholt habt?

Beckmann Insgesamt sind viele der Spieler über sich hinaus gewachsen, haben starke Leistungen gezeigt und dazu sehr sehenswerte Tore geschossen. Die Mannschaft hat in der Vorbereitung einen tollen Teamgeist entwickelt. Wir haben uns auf die Gegner eingelassen und von der tollen Stimmung tragen lassen. Zudem haben ja auch alle schon einiges an Bundesliga-Erfahrung. Es war sehr aufregendes Erlebnis für mich und ein großer Unterschied zur Jugendnationalmannschaft oder der Bundesliga.