1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Sport gegen Parkinson im Krefelder Stadtwald mit dem Smovey-System

Sportevent im Krefelder Stadtwald : Mit Bewegung gegen Parkinson ankämpfen

Im Stadtwald findet am Freitag eine Veranstaltung statt, auf der ein Sportgerät ausprobiert werden kann, das auch in der Parkinson-Therapie zum Einsatz kommt. Initiator Detlev Friederiszik ist selbst Patient.

Mit nur 50 Jahren erhält Detlev Friederiszik die schockierende Diagnose: Parkinson, eine schwere degenerative Erkrankung des Nervensystems. Die Krankheit führt neben Zittern auch zu anderen neurologischen Schäden und am Ende zum Tod. Friederiszik lebt seit 16 Jahren mit der Krankheit, und lässt sich seitdem nicht unterkriegen. Unterschiedliche Verbände und Organisationen kämpfen dafür, über Parkinson zu informieren, Stigmata zu überwinden und für die gesellschaftliche Relevanz zu werben. Jetzt wurde eine Initiative ins Leben gerufen, bei der in ganz Deutschland und Europa Betroffene mit Sport und Bewegung der Krankheit entgegenwirken. Eine Veranstaltung dieser Reihe findet am Freitag, 6. Mai, im Krefelder Stadtwald statt.

Mit dabei ist auch Detlev Friederiszik. Der 66-Jährige aus Rheinberg erzählt, wie ihn die Diagnose zunächst aus der Bahn geworfen habe. „Ich war im Management bei Siemens und plötzlich war alles vorbei“, erzählt er. Aufgeben wollte er aber nicht. „Geht nicht, gibt es für mich nicht. Genauso habe ich auch die Erkrankung genommen“, erzählt er. Vor zehn Jahren sei sein Zustand schlecht gewesen. „Ich habe zunächst nur das gemacht, was die Ärzte vorgeschlagen haben. Damals erzählte man mir dann, ich sei austherapiert. Ich konnte nicht mehr laufen, es war schlimm.“ Doch er habe sich informiert und sei auf Bewegung als Mittel gekommen: Mit einer Hilfe. „In Österreich bin ich auf das System Smovey getroffen. Das ist ein Ring mit Rillen, in dem Stahlkugeln beweglich eingebracht sind. Wenn diese über die Rillen laufen, dann entsteht eine Vibration und diese Stimulation hilft“, erzählt er. Der Erfinder, selbst Parkinson-Patient, habe lange mit diesem Mittel gearbeitet.

  • Die Kirmes Sprödental. Nach der Corona-Pause
    Nach Corona-Pause : Die Kirmes kehrt zurück nach Krefeld
  • Der Auftritt des Kabarett-Trios Jochen Rüther
    Veranstaltung der Walder Theatertage : Kabarett „Storno“ wegen Corona-Erkrankung abgesagt
  • „Unsere Kolleginnen und Kollegen in den
    Aktionstag am 4. Mai in Krefeld : Verdi ruft Krefelder Kita-Personal zum Streik auf

Friederiszik übernahm das Konzept und vertreibt das Gerät heute selbst. „Allerdings nicht gewinnorientiert. Es geht mir darum, Menschen mit der Erkrankung zu helfen. Das hat nach langen Diskussionen sogar das Finanzamt anerkannt“, erzählt er. In seinen Augen ist das System, das heute beim Bewegungsevent im Stadtwald eingesetzt werden soll, ein wahres Wunderding. „Darum kann ich nur bei jedem Patienten in Krefeld werben, zu unserem Event zu kommen. Jeder kann teilnehmen“, sagt er. Die Wunderwirkung will Professor Hans-Jürgen von Giesen, der Leiter der Neurologie am Alexianer-Klinikum in Krefeld, zwar nicht ganz bestätigen, doch es gebe in der Tat Effekte. „Ich kann sagen, dass es bei uns am Klinikum in der Therapie eingesetzt wird. Einige Therapeuten schwören darauf. Andere sind nicht komplett überzeugt. Zur Wirkweise kann ich nichts definitives sagen, es scheint aber so zu sein, dass die Kombination aus ausgehendem Stimulus, dem Befehl zur Bewegung, und eingehendem Stimulus durch die Vibration tatsächlich eine Besserung bewirkt. Klar ist: Schaden kann es auf keinen Fall und Bewegung ist zur Prävention und der Behandlung degenerativer Hirnerkrankungen in jedem Falle gut“, sagt der Experte.

Auch Silke von Beuningen, die den „Smovey-Walk“, so der Titel der Veranstaltung, als Therapeutin begleiten wird, setzt das Gerät ein. „Ich habe verschiedene Übungen in Petto und werde das Programm an den Gesundheitszustand der Personen anpassen, die eben kommen“, sagt sie. Die Veranstaltung ist Teil einer ganzen Reihe, die Friederiszik am ganzen Niederrhein ausrichtet. „Wir waren bereits in Moers und Duisburg. Nach Krefeld sind wir noch in Kleve, Goch und Wesel“, erzählt er. So will er, der übrigens von der Hilde-Ulrichs-Stiftung als „Alltagsheld“ ausgezeichnet wurde, seinen Teil zu Bekämpfung der Erkrankung leisten. Mit steigender Bekanntheit und dem Bewusstsein in der Gesellschaft für das steigende Problem Parkinson hofft er, dass es irgendwann in den kommenden Jahren sogar ein Heilmittel gibt.

Die Veranstaltung „AktivZeit“ findet am 6. Mai ab 18 Uhr statt. Treffpunkt ist am Stadtwaldhaus auf der Wiese zwischen Biergarten und See. Anmeldung unter DM.Friedriszik@t-online.de erwünscht, spontanes Erscheinen aber möglich.