Krefeld: Sperrbezirk: Wirbel um Rechtslage

Krefeld : Sperrbezirk: Wirbel um Rechtslage

Gefährdung des öffentlichen Anstandes ist für Bezirksregierung ein Kriterium für Ausweitung des Sperrbezirks. Politik bietet Anwohnern nur Gespräche an.

In der Sitzung des Ausschusses für Ordnung, Sicherheit und Verkehr vermittelte die Verwaltung den Politikern den Eindruck, der Sperrbezirk könne nicht ausgeweitet werden, weil beim "Straßenstrich" an der Neuen Ritterstraße das Jugendwohl nicht gefährdet sei.

Foto: bkö

Die Bezirksregierung, die über den Sperrbezirk nach einem Ratsbeschluss entscheidet, hat gegenüber der RP eine andere Antwort gegeben: "Das Verbot in festgelegten Gemeindeteilen ist dann möglich, wenn der Schutz der Jugend oder des öffentlichen Anstandes gefährdet wird. Hierbei kommt es nicht darauf an, ob eine konkrete Gefahr besteht. Der öffentliche Anstand ist auch dann gefährdet, wenn durch die Ausübung der Prostitution oder durch damit verbundene Handlungen (z. B. Anbahnungsgeschäfte etc.) eine Gefährdung der Allgemeinheit möglich ist und gleichzeitig eine Beeinträchtigung der öffentlichen Ordnung vorliegt."

Nach dem, was Anwohner der Neuen Ritterstraße über die Situation auf dem Straßenstrich berichtet haben, wäre das der Fall. Doch die Verwaltung scheint eine Verlagerung in andere Bereiche zu fürchten. Nach Angaben der Polizei habe sich der "Straßenstrich" von der Oppumer Straße bereits vor Jahren auf die Neue Ritterstraße verlagert. Georg Lieser, Leiter des Fachbereichs Ordnung, erinnerte daran, dass es an der Brachfläche am Güterbahnhof immer schon Prostituierte gegeben habe, aber nicht mehr als eine Handvoll. Jetzt aber böten bis zu zehn Osteuropäerinnen dort ihre Dienste an. Der kommunale Ordnungsdienst versuche mit vermehrten Kontrollen, das Geschäft zu stören. An zwei Tagen werde bis Mitternacht kontrolliert.

Die Polizei hat an der Neuen Ritterstraße seit einem Dreivierteljahr eine Zunahme der jungen Frauen registriert. Mittlerweile seien dort rund zehn Frauen, alle zwischen 19 und 22 Jahren, zeitgleich präsent. Die Personalien der Frauen aus Rumänien, aber auch der wahrscheinlichen Zuhälter, die "70 000-Euro-Autos fahren", seien der Polizei bekannt. Für die Polizei handele es sich um Armutsprostitution, wahrscheinlich sogar Zwangsprostitution. Der Ausschuss will im Januar einen kleinen Runden Tisch veranstalten und dabei das Gespräch mit den Anwohnern suchen. Die Frage aus dem Ausschuss — "was sagen wir denn den Bürgern?" — blieb dabei unbeantwortet.

(RP)