Krefeld: Sozialdienst - Hilfe für Menschen in Not

Krefeld: Sozialdienst - Hilfe für Menschen in Not

Der Sozialdienst katholischer Frauen kümmert sich in Krefeld um das Wohl in Not geratener Frauen, Kinder und Familien. Anne Schneider ist seit 111 Tagen Vorsitzende des SkF. Ihr ist deren Schutz vor Gewalt besonders wichtig.

Sozial, kreativ, flexibel - so beschreiben Mitarbeiter den Sozialdienst katholischer Frauen, kurz SkF genannt, der sich in Krefeld in diesem Monat seit 111 Jahren um das Wohl in Not geratener Frauen, Kinder und Familien kümmert. Die Schnapszahl 111 veranlasst die Helfer, einen kritischen Blick zurück zu werfen. Ist das, was wir tun, noch zeitgemäß? Ja, lautet die klare Antwort von Geschäftsführerin Tanja Himer. "Die Not ist auch heute noch groß. Zwar ist die Zahl der Gewaltdelikte kleiner geworden, dafür ist die Qualität eine andere, der Umgang miteinander ist brutaler geworden. Gewalt hat viele Gesichter. Es gibt den Schlag ins Gesicht, aber auch die ökonomische Gewalt, bei der der Mann der Frau keinen Zugang zum Konto gewährt und auch ihr Haushaltsgeld knapp hält, damit sie keine Möglichkeiten hat, sich von ihm zu trennen", erklärt die Geschäftsführerin, die seit zehn Jahren dabei ist.

Vorsitzende Anne Schneider ist erst 111 Tage im Dienst. Seit drei Jahren ist die Mutter von zwei erwachsenen Kindern Mitglied im SkF-Team. Zuvor hatte die gebürtige Solingerin zweieinhalb Jahre lang als Willkommensengel beim Kinderschutzbund junge Familien mit ihren Säuglingen unterstützt. "Es war eine sehr schöne Aufgabe, den Müttern Zeit schenken zu dürfen. Zeit, die sie ganz für sich nutzen konnten", erinnert sie sich.

Schneider ist es wichtig, den Mitmenschen respektvoll zu begegnen, egal, in welcher Situation sie sich befinden. Sie selbst ist Diabetikerin und weiß aus eigener Erfahrung bei Unterzuckerung, wie unangenehm und herabwürdigend es sein kann, wenn Helfer einen spüren lassen, wie wenig sie von dem Betroffenen halten - dabei hätten sie ihre Symptome häufig falsch gedeutet und eine psychische Erkrankung dahinter vermutet. "Beim SkF ist mir direkt aufgefallen, wie viel Mühe sich die Mitarbeiter mit den Hilfesuchenden geben, oft ist es viel mehr als berufliche Routine. Das hat mir sehr gefallen", erinnert sich die Kunsthistorikerin an die ersten Kontakte zum Sozialdienst.

Die Konfession spielt heute im täglichen Miteinander eine untergeordnete Rolle. Bei der Gründung des Vereins im Jahre 1907 war das noch anders, damals hieß der SkF "Katholischer Fürsorgeverein für Mädchen, Frauen und Kinder" und bekam 1909 vom Städtischen Waisenrat die Aufsicht über alle unehelichen katholischen Mündel übertragen. "Mündel nannte man damals junge alleinerziehende Mütter. Sie standen, ohne einen Ehemann an ihrer Seite, ganz am Rande der Gesellschaft und brauchten einen Vormund", erklärt Tanja Himer.

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Bis heute hilft der SkF jungen Alleinerziehenden und bietet ihnen unter anderem Wohnraum und Unterstützung im St. Irmgardis-Heim für Mädchen an. "Auch 2018 ist der Alltag von einer jungen Frau mit Kind nicht leicht. Sehr häufig stehen der kleinen Familie nur geringe finanzielle Mittel zur Verfügung. Und preiswerter Wohnraum ist in Krefeld auch schwer zu finden", weiß Anne Schneider. Letztendlich führe das dazu, dass die Verweildauer in den Schutzeinrichtungen des SkF, zu denen auch das Frauenhaus zählt, immer länger werde.

Positiv sei auf jeden Fall, dass viele Tabu-Themen früherer Jahre heute von der Gesellschaft akzeptiert seien, sagen die Expertinnen. Ein Beispiel dafür ist häusliche Gewalt. Meldete dem Sozialdienst 2002 meistens die Polizei solche Fälle, so kämen die Frauen inzwischen von sich aus zur Beratungsstelle. Immer häufiger seien auch Männer darunter, die sich vor zehn Jahren gar nicht getraut hätten, ihr Leid öffentlich zu machen. "Es sind aber insgesamt gesehen noch immer sehr wenige. Vielleicht zwei oder drei Prozent aller Ratsuchenden. Die Dunkelziffer düfte aber auch in diesem Bereich hoch sein", vermutet Tanja Himer.

Frauenthemen sind gesellschaftsfähig geworden. So gibt es in diesem Jahr zum ersten Mal einen offiziellen Empfang beim Oberbürgermeister zum Internationalen Frauentag am 8. März.

Es hat sich viel getan in 111 Jahren SkF. Aber die Frauen an der Spitze sind längst noch nicht zufrieden. Anne Schneider: "Wir wollen Familien in Not so früh wie möglich helfen. Dabei interessiert uns nicht die Nationalität oder Konfession. Wir wollen erreichen, dass Kinder mit ihren Sorgen von den Erwachsenen in ihrer Umgebung ernst genommen werden. Aber nur wenn alle ihre Augen und Ohren offen halten, können wir das schaffen."

(bk)