Krefeld: So funktionieren die Pinguine

Krefeld: So funktionieren die Pinguine

Seit 1995 besteht die KEV Pinguine GmbH. Um Eishockey in Deutschlands höchster Spielklasse zu zeigen, bedarf es eines gehörigen Funktionsapparates. Die RP erläutert, wie sich dieser zusammensetzt und arbeitet.

Was ist die GmbH?

Die KEV Pinguine GmbH wurde 1995 gegründet. Seinerzeit gehörten ihr 15 Gesellschafter an (mittlerweile sind es nur noch acht). Wilfrid Fabel fungierte damals als Geschäftsführer, später wurde er dann Generalbevollmächtigter. Der Gesellschafteranteil liegt bei einem Pflichtsatz in Höhe von 5000 Euro. Hinzu kommen Darlehen auf freiwilliger Basis, die aber nicht alle auch zurückgezahlt werden müssen, sondern vielmehr ähnlich wie eine Spende gehandhabt werden.

Entscheidungen innerhalb der Gesellschafter werden mehrheitlich getroffen; da derzeit eine gerade Anzahl von Gesellschaftern vorhanden ist, kann es zu Patt-Situationen kommen.

Welche Aufgaben haben die Gesellschafter?

Die Gesellschafter sind letztlich die höchste Macht in der GmbH. Sie bestellen einen Aufsichtsrat zum Teil aus eigenen Reihen, zum Teil auch durch "Fremde". Und sie sind die Hauptgeldgeber der Pinguine. Nicht alle Gesellschafter sind auch Sponsoren. Als Sponsoren treten Helmut Borgmann und Bernd Schoenmackers auf, indirekt auch der zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Schulz, der zwar Geldgeber ist, aber dessen Sohn Luca der eigentliche Gesellschafter ist.

Welche Aufgaben hat der Aufsichtsrat?

Er dient als Kontrollorgan im Verein, kann Mitarbeiter einstellen und entlassen. In allen finanziellen Dingen ab einer bestimmten Größenordnung, wie etwa bei der Verpflichtung von Spielern, Trainern oder weiterem Personal, hat der Aufsichtsrat das letzte Wort. Gleiches gilt auch bei Entlassungen. Der Sportliche Leiter als ausführendes Organ muss sich daher stets Rückendeckung vom Aufsichtsrat holen, bevor er einen Spieler verpflichtet.

Wer ist der starke Mann bei den Pinguinen?

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Ganz klar: Wilfrid Fabel. "Wir anderen waren die Erfüllungsgehilfen", sagt der zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Schulz. Dabei tritt Fabel innerhalb der GmbH nicht mehr in einer offiziellen Funktion auf. Er ist als Berater des Aufsichtsrates tätig und vertritt die Belange der Pinguine bei der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), wo er auch Mitglied des Aufsichtsrates ist.

Woher kommt der Fehlbetrag von 500 000 Euro?

1. Zuschauerzahlen: In der Saison 2008/09 besuchten im Schnitt 4500 Zuschauer die Heimspiele, kalkuliert waren 3700. Aus beiden Zahlen bildeten die Pinguine in ihrer Etatrechnung etwa den Mittelwert und planten somit mit 4200 Zuschauern pro Heimspiel in dieser Eiszeit. Gekommen sind aber nur 3439 im Schnitt — der drittschlechteste Wert der Liga. Geht man davon aus, dass ein Zuschauer für seine Karte zwölf Euro zahlt, fehlen dadurch rund 255 000 Euro.

2. Neuverpflichtungen: Durch das große Verletzungspech haben die Pinguine während der Saison unplanmäßig vier Spieler geholt: David Cespiva, Michail Kozhevnikov, Janne Grönvall und Rob Globke.

3. Trainerwechsel: Anfang Dezember entließen die Pinguine Trainer Martin Jiranek und holten für ihn Rick Adduono. Dadurch standen zwei Cheftrainer auf dem Gehaltszettel. Nachdem Jiranek im Januar in Mannheim anheuerte, fiel dessen Gehalt weg. Zudem stand der Ende Oktober entlassene Manager Jiri Ehrenberger noch in Lohn und Brot, dessen Gehalt aber im ursprünglichen Etat enthalten ist und daher nicht zur Debatte steht.

Was passiert, wenn bis zum 30. April die 500 000 Euro fehlen?

Dann wird es kein DEL-Eishockey mehr in Krefeld geben. Die Liga duldet es nicht, dass ein Verein sozusagen Altlasten aus einer vorherigen Saison mit in die neue nimmt.

Das bedeutet, dass die GmbH ihre DEL-Lizenz verkaufen müsste. Dadurch kämen 400 000 Euro in die Kasse.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das KEV-Gefühl: Die Rituale der Fans

(RP)