Krefeld: Skurrile Debatte um de Greiffs Säule

Krefeld: Skurrile Debatte um de Greiffs Säule

Der Kultur- und Denkmalausschuss tritt auf der Stelle. Eine Entscheidung über den Wiederaufbau des Mals ist nicht absehbar.

Welche Kriterien ein Denkmal ausmachen, das ist klar reglementiert. Aber was macht ein Objekt zu Kunst? Die Frage bietet immer wieder Stoff für hitzige Debatten. Richtig schwierig wird die Sache, wenn es um etwas geht, das weder das Eine noch das Andere ist. In der jüngsten Sitzung des Kultur- und Denkmalausschusses entspannte sich darum eine Diskussion, die stellenweise an absurdes Theater erinnerte. Es ging um die De-Greiff-Säule.

Nach einer halbstündigen Beschäftigung mit der Frage, ob, wo und wie die Säule, die an den Seidenfabrikanten Cornelius de Greiff erinnert, der Krefeld 1863 sein Vermögen von umgerechnet 25 Millionen Euro für wohltätige Aufgaben vermacht hatte, wieder errichtet werden soll, stellten die Ausschussmitglieder fest, dass sie gar nicht zuständig seien.

Ein Vor-Ort-Termin mit dem Gremium für Kunst im öffentlichen Raum bei dem eingelagerten Säulenfragment, das noch erhalten ist, hat ergeben: "Das ist keine Kunst", teilte Eva Maria Eifert von der Unteren Denkmalbehörde (UDB) mit. Es sei aber auch kein festgestelltes Denkmal. Schließlich existiert nur noch ein Fragment einer neuen, geänderten Version des ursprünglichen Denkmals, das Krefeld seinem Wohltäter im 19. Jahrhundert errichtet hatte.

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Die städtische Denkmalpflegerin Eifert erinnerte in einem Bildvortrag noch einmal an die wechselvolle Geschichte der Säule: 1865 war sie auf dem Ostwall in der Sichtachse zum Rathaus errichtet worden als Weihesäule aus schlesischem Marmor mit einem Greif aus Bronze, dem Wappentier der de Greiffs. Nach wenigen Jahren war der weiche Marmor schon beschädigt und wurde durch härteren ersetzt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Bronze eingeschmolzen und die Säule von Bomben weitgehend zerstört. In den 60er Jahren wurde der übrig gebliebene Stumpf aufgearbeitet und sollte wieder aufgestellt werden, verschwand aber ob seiner Armseligkeit schnell wieder. In den 90ern gab es einen weiteren Reaktivierungsversuch als Brunnenplastik auf dem Dionysiusplatz, der ebenfalls unbeliebt war und scheiterte. Seitdem hat das Tiefbauamt das Säulenstück eingelagert.

Jetzt gibt es neue Ideen, die Säule wieder aufzustellen. Der Architekt Klaus Reymann plädiert für eine historische Variante, mit Greif auf dem Ostwall. Der Künstler Georg Opdenberg hat ein zur Sonnenuhr umfunktioniertes Kunstwerk für den Corneliusplatz vorgeschlagen. Die jeweiligen Bezirksvertretungen Mitte und West haben die Entscheidung an den Kunst- und Denkmalausschuss übergeben. So stand die Frage im Raum: Wer entscheidet, wenn niemand zuständig ist?

Der scheidende Kulturdezernent Gregor Micus erklärte: "Die Verwaltung hat den Sachverhalt aufgearbeitet, jetzt ist es urbürgerschaftliche, politische Entscheidung, wie man weiter vorgeht". Stefanie Neukirchner von der CDU riet zum Abwarten ("Wir haben alle Zeit der Welt"), bis die Zuständigkeit geklärt ist, und Anke Drießen-Seeger möchte für weitere Diskussionen wissen, welcher Plan die Stadt wie viel kosten würde und was der Wille der Bürger sei. Bernd Scheelen mahnte einen "erweiterten Kulturbegriff" an. Die Diskussion dürfe nicht ausgesetzt werden, weil sich niemand zuständig fühle. Nun sollen alle Gestaltungsideen dem Ausschuss in den nächsten Sitzungen vorgestellt werden.

(RP)
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