Krefeld: Sinfoniekonzert mit philosophischer Note

Krefeld: Sinfoniekonzert mit philosophischer Note

Im Seidenweberhaus überzeugten die Sinfoniker beim vierten Konzert. Alle drei Werke hatten Bezug zu Philosophen.

Das gab es vermutlich noch nicht bei einem Sinfoniekonzert, dass alle drei Werke des Abends als programmatische Klammer einen Bezug zu Philosophen haben.

Das bekannteste und zugleich gewichtigste Opus beim 4. Sinfoniekonzert im Seidenweberhaus war die Tondichtung frei nach Nietzsche op.30 "Also sprach Zarathustra" von Richard Strauss, in der der Komponist sich mit den Betrachtungen des Philosophen über den persischen Religionsgründer Zarathustra auseinandersetzt.

Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson hatte die Niederrheinischen Sinfoniker mit Aushilfen aufgestockt, damit - außer einem beachtlichen Streicherapparat - die Vorgaben des Komponisten - vierfaches Holz, sechs Hörner, zwei Tuben, Orgel und zwei Harfen - erfüllt werden konnten. Bereits der berühmte "Sonnenaufgang" zu Anfang zeigte vom fast unhörbaren Murmeln bis zum bruchlos erstrahlenden Orchestertutti die Qualität des Klangkörpers. Von Kütson sorgfältig vorbereitet und überlegen geführt, gelang es ihm - dank ausgesucht klangschöner Sololeistungen (stellvertretend seien Konzertmeister Philipp Wenger und Konrad Philipp am Solocello genannt) und dynamisch reich gestaffeltem Gesamtklang - "den Strauss'schen Klangkosmos zu sezieren", wie es der GMD angekündigt hatte.

Heiter hatte der Abend begonnen - mit der Ouvertüre zu "The Wasps= Die Wespen", einer Satire des Aristophanes (422 v.Chr.), zu der Ralph Vaughan Williams (1872-1958) die Bühnenmusik schrieb. Eingängige englische Volksweisen wurden immer wieder von surrendem Wespenbrummen der Streicher unterbrochen.

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Bereits in der vergangenen Saison begeisterte Elina Vähälä das hiesige Publikum mit dem "The red violin" -Konzert von John Coriglianos. Nun hatte die in Amerika geborene und in Finnland aufgewachsene Geigerin zu Leonard Bernsteins 100. Geburtstag dessen "Serenade" mitgebracht - auch für Vähälä eine Premiere. Der Komponist schildert in vier Sätzen Platons "Symposium" -eine kontroverse Diskussion mit seinen Philosophenkollegen über Eros, den Gott der Liebe. Bernstein wählt in seinem phasenweise bis an die Atonalität heranreichenden, insgesamt aber sehr farbigen Werk für die Begleitung des sehr anspruchsvollen Soloparts eine eigenwillige, wirkungsvolle Konstellation: Streicher, eine Harfe und Schlagwerk. Elina Vähälä konnte mit ihrem blühenden und dabei bestens geerdeten Spiel, das Musikalität und brillante Technik fast unmerklich verband, noch mehr überzeugen als im vergangenen Jahr. Ihr bestechend runder, sich wie aus dem Nichts entwickelnder Ton kaschierte sogar die harschen, dem Ohr wenig schmeichelnden Passagen. Im Finalsatz mit Jazz-Anklängen zeigte die Künstlerin darüber hinaus ihr sprühendes Temperament.

Ihr und allen Mitwirkenden galt an diesem Abend begeisterter Applaus.

Das zweite Konzert ist morgen, 27. Februar, 20 Uhr im Seidenweberhaus.

(RP)
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