Krefeld: Siempelkamp rüstet um für Energiewende

Krefeld: Siempelkamp rüstet um für Energiewende

Die Energiewende zwingt Siempelkamp dazu, den Geschäftsbereich Nukleartechnik umzustrukturieren. Eine Konsequenz: Krefeld verliert 34 Stellen. Siempelkamp konzentriert sich auf die Bereiche, in denen es wächst.

Der Krefelder Maschinenbauer Siempelkamp zieht die Konsequenz aus der Energiewende: Die "Siempelkamp Nukleartechnik GmbH" wird umstrukturiert, das gesamte Nukleargeschäft zusammengestrichen und auf die Begleitung des Ausstiegs aus der Kernenergie beschränkt. Die Büros in den USA, Frankreich und Großbritannien werden geschlossen. "Wir konzentrieren uns auf das, was zur Begleitung des Atomausstiegs in Deutschland notwendig ist", sagte Hans Fechner, Sprecher der Geschäftsführung der Siempelkamp GmbH gestern. Eine Folge für Krefeld: Am Standort werden 34 von 72 Stellen bei der Nukleartechnik abgebaut.

Siempelkamp wird sich künftig darauf beschränken, Castoren zu bauen und Ingenieur-Dienstleistungen zur Begleitung des Atomausstiegs anzubieten. Die Siempelkamp-Gruppe umfasst zurzeit noch die Bereiche Maschinen- und Anlagenbau, Gusstechnik und Nukleartechnik.

Die Castoren werden weiter am Standort Mülheim gebaut, wo es zurzeit 166 Stellen gibt und im Zuge der Neustrukturierung zum 1. Januar die "Siempelkamp Behältertechnik GmbH" (SBT) gegründet wurde. Fechner schätzt, dass die Castoren dort noch fünf bis zehn Jahre gebaut werden. Danach wird der - nur angemietete - Standort nach heutigem Stand auslaufen. "Wir stellen dort keine neuen Leute mehr ein und bilden auch nicht mehr aus", sagte Fechner. Die Ingenieur-Dienstleistungen werden im Rahmen der "Siempelkamp NIS Ingenieurgesellschaft GmbH" (NIS) angeboten. Fechner betont, dass das Nuklearthema nur einen kleinen Teil der angebotenen Dienstleistungen ausmachen wird - angeboten werden von Softwarelösungen über Emissionsüberwachung bis zu physikalischen Simulationsverfahren alle möglichen Bereiche, in denen Ingenieur-Kompetenz gefragt ist. Beide Gesellschaften - also die für die Castoren zuständige SBT und der Dienstleiter NIS - firmieren als Töchter der neu aufgestellten "Siempelkamp Ingenieur- und Servicegesellschaft GmbH". Die Nukleartechnik GmbH, die gestern noch auf der Internetseite von Siempelkamp aufgeführt war, wird verschwinden. Was neben den 38 Stellen, die von der Nukleartechnik GmbH übrigbleiben, weiter bestehen wird, ist die Anlage, mit der schwach radioaktives Material eingeschmolzen und dekontaminiert wird - abgekürzt "CARLA". Fechner betont, dass der Nuklearbereich zuletzt international ökonomisch wie politisch voller Risiken war. "Wir wachsen in ganz anderen Bereichen", betonte er.

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Siempelkamp ist Weltmarktführer im Pressmaschinenbau. Fechner sieht Siempelkamp durch die strategische Neuausrichtung gestärkt: Das Unternehmen trennt sich von einer kostenintensiven, wirtschaftlich risikoreichen, politisch kaum zukunftsfähigen Sparte und konzentriert sich auf ihr Kerngeschäft.

Es hat innerhalb des Unternehmens offenbar Auseinandersetzungen um den neuen Kurs gegeben. Im Dezember 2014 hatte Michael Szukala als verantwortlicher Geschäftsführer der Nukleartechnik das Unternehmen "in gegenseitigem Einvernehmen" verlassen, wie das Unternehmen mitgeteilt hatte. Seine Aufgabe hatte Fechner übernommen.

(RP)
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