Siemens-Vorstand: Der neue ICx aus Uerdingen revolutioniert das Fahren

Krefeld : Siemens-Vorstand: Der neue ICx aus Uerdingen revolutioniert das Fahren

Siemens-Vorstand Roland Busch stellte sich gestern Abend in Uerdingen den Fragen von rund 70 Oberstufenschülern und Auszubildenden des Krefelder Werks. Der 50-Jährige verantwortet bei Siemens Nordrhein-Westfalen und Asien.

Die wohl kniffligste Frage wurde Siemens-Vorstand Roland Busch gestern Abend im Werk in Uerdingen nicht gestellt. Welche Rolle das Werk in Uerdingen, in dem rund 2500 Beschäftigte Hochgeschwindigkeitszüge und Regionalzüge entwickeln und produzieren, zukünftig im Siemens-Konzern noch spielen wird, war unter den 70 Oberstufenschülern und Siemens-Auszubildenden kein Thema. Äußerungen des Vorstandschefs Joe Kaeser hatten in der Vergangenheit für Unruhe unter den Mitarbeitern gesorgt.

Busch, der vor 50 Jahren am Siemens-Standort Erlangen geboren wurde, wich in der Reihe "Dialog mit der Jugend" des Initiativkreises Ruhr ansonsten keiner Frage aus. Mit großem Interesse wurden Buschs Einschätzungen über den Nachfolger des ICE - den ICx - vor allem unter den Krefelder Beteiligten aufgenommen. Busch zählte die Deutsche Bahn AG nicht nur zu den wichtigsten Kunden des Konzerns, sondern den neuen, in Uerdingen entstehenden ICx für eine der größten Innovationen, auf die Siemens zurecht stolz sein könne. Busch erwähnte den ICx in einer Reihe mit der Erfindung des Faxgerätes. Im Gegensatz zu diesem Telekommunikationsgerät, mit dem andere Unternehmen ein Geschäft gemacht haben, will Siemens mit dem ICx selbst eine Rendite erwirtschaften. Die Deutsche Bahn AG hat mit ihrer Bestellung für den größten Einzelauftrag in der Konzerngeschichte gesorgt. Bis 2030 soll Siemens Züge im Wert von sieben Milliarden Euro liefern. "Der ICx revolutioniert die Art des Fahrens", sagte Busch. Hinsichtlich der Flexibilität und der Energierückgewinnung setze der ICx Normen, erklärte er.

Was die Zulassung der Neuentwicklung anbetrifft, ist Busch optimistisch. Nach den unliebsamen Erfahrungen mit dem ICE, der lange Zeit nicht auf die Schiene durfte, weil das Eisenbahnbundesamt immer wieder Nachforderungen formulierte, habe man sich an einen Tisch gesetzt, um solche Schwierigkeiten zukünftig zu vermeiden. Die Bahn habe mit einigen der bestellten ICEs nach Frankreich fahren wollen. Deshalb sei auch eine Zulassung in Frankreich notwendig, berichtet Busch. Mittlerweile seien zwölf von 16 Zügen ausgeliefert und die Situation planbarer. Unter anderem deshalb, weil es jetzt einen "Normenbestandsschutz" gebe.

Von der Bestellung bis zur Auslieferung eines Zuges vergingen rund drei Jahre. In der Zwischenzeit würden sich die Anforderungen vom Eisenbahnbundesamt verändern, technische Neuerungen oder zusätzliche Sicherheitsaspekte müssten während des Herstellungsprozesses berücksichtig werden. "Das ist schwierig", sagt Busch. Heutzutage gelten die Normen zum Zeitpunkt der Bestellung.

Eine Fragestellerin aus Mülheim sprach dann die Zukunft des Werks in ihrer Heimatstadt an. Busch erklärte, dass dort von den 5000 Stellen einige wegfielen, weil der Verkauf von Dampfturbinen, die dort produziert würden, fast zum Erliegen gekommen sei. Das liege daran, dass in Deutschland keine Kohlekraftwerke mehr gebaut würden, in denen Dampfturbinen eine Verwendung finden. "Bisher findet der Stellenabbau allerdings ohne betriebsbedingten Kündigungen statt", sagt er.

(RP)