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Siemens stellt Gesamtkonzept für die Mobilität der Zukunft vor

InnoTrans 2018 in Berlin : Siemens stellt Mobilität der Zukunft vor

Krefeld ist nicht der Nabel der Welt: Aber der Ort, an dem Siemens sein Mobilitätskonzept für die Zukunft vorstellte. Züge ohne Fahrer, Stellwerke in der Cloud, digitale Zwillinge und Bahnhöhe als Knotenpunkte für innerstädtische Verkehre. Das Morgen hat heute bereits begonnen — im Zugwerk in Uerdingen an der Duisburger Straße.

Im September will Siemens sein Gesamtkonzept Mobilität der Zukunft auf der Messe InnoTrans in Berlin vorstellen. Es geht um intelligente Infrastruktur, um digitalen Service, Schienenverkehr und schlüsselfertige Projekte. Das Zugwerk in Uerdingen an der Duisburger Straße spielt für Siemens gleich doppelt eine Rolle: Die Experten im Krefelder Werk haben den „Superzug für die Welt“, so Sabrina Soussan, Chefin der Division Mobility, gebaut und auf Testfahrt geschickt (wir berichteten), und anlässlich der Vorstellung ihr Geheimnis gelüftet, was in den kommenden Jahrzehnten auf Reisende und Pendler zukommt.

 Im Zugwerk Uerdingen entstehen die ICE 4 für die Deutsche Bahn.
Im Zugwerk Uerdingen entstehen die ICE 4 für die Deutsche Bahn. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die zum Teil weit gediehenen Ideen erinnern an einen Ausflug ins Metier Science Fiction. Stellwerke und mit ihnen tausende Kilometer Kupferkabel verschwinden, stattdessen lagern die Daten zur Steuerung von Verkehrszeichen und Schranken in einer Cloud und werden zentral bearbeitet. Züge pendeln ohne Fahrer von Ort zu Ort, kennen die Stoßzeiten anhand von Online-Verbingungen zu den Ticketvorverkaufsstationen. Steuerungsprogramme wissen über Uhrzeiten und Bahnsteige Bescheid, an denen es knubbelig wird oder gähnend leer bleibt, können mit Zusatzwagen oder Zusatzzügen schnell reagieren.

 Die Innenausstattung der sieben- und zwölfteiligen Züge besteht aus Modulen.
Die Innenausstattung der sieben- und zwölfteiligen Züge besteht aus Modulen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
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Die Verfügbarkeit der Flotte soll bei 100 Prozent liegen. Störungen oder Schäden werden bereits erkannt, ehe sie passieren. Algorithmen für den Optimalfall halten als Vergleich zum Iststand jeden Zuges, der komplett sensorisch überwacht ist, her, um bei Abweichungen sofort Alarm zu schlagen, um frühzeitig eingreifen, warten und reparieren zu können.

 Der Mireo entsteht nach dem Prinzip der leeren Röhre. Sie wird nach Kundenwunsch bestückt.
Der Mireo entsteht nach dem Prinzip der leeren Röhre. Sie wird nach Kundenwunsch bestückt. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Statt Dieselkraftstoff treiben Brennstoffzellen und Energie aus Batterien die Züge der Zukunft an. Und der Einfluss und Service endet nicht mit dem Ausstieg der Fahrgäste am Bahnhof. Dort stehen punktgenau Taxen und Busse parat, um die Klientel in die Städte zum Zielort zu bringen. Im Idealfall sorgen die mit Siemens-Innovationen gesteuerten Ampelanlagen für freie Fahrt in die Einkaufsmeilen der Kommunen. „Unsere Lösungen werden das Verkehrsmittel Bahn noch effizienter, sicherer und zuverlässiger machen“, betonte Soussans Kollege Michael Peter (CEO Division Mobility).

 Zum Krefelder Portfolio zählt auch der neue Rhein-Ruhr-Express.
Zum Krefelder Portfolio zählt auch der neue Rhein-Ruhr-Express. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Digitalisierung verändere die Mobilitätsbranche fundamental: Sie verbessere die Verfügbarkeit von Fahrzeugen und Infrastrukturen, optimiere Betriebsabläufe und reduziere Aufwand sowie Kosten. Reisenden ermöglicht sie attraktive und nahtlose Mobilität von A nach B. Betreibern helfe sie, Infrastrukturen intelligenter zu machen, den Reisekomfort für Passagiere zu verbessern, Verfügbarkeit zu garantieren und nachhaltige Wertschöpfung über den gesamten Lebenszyklus zu erhöhen.

Jedes Schienenfahrzeug generiere große Datenmengen, die Auskunft über den Zustand und die Funktionsfähigkeit von Komponenten und Systemen geben. Das Gleiche gelte für Infrastrukturen. Das offene Betriebssystem MindSphere von Siemens ermögliche durch künstliche Intelligenz umfassendes Daten-Management und erschließe dadurch vollkommen neue Lösungen für die Bahnindustrie, berichtet Peter.

Das „Stellwerk in der Cloud“ wird den Fernverkehr revolutionieren. Mit ihm können in Zukunft, unabhängig von räumlichen Beschränkungen, sowohl die Stellwerks- als auch die Bedienlogik an einem Ort zentralisiert werden. Betreiber erhalten auf diese Weise eine wirtschaftliche und effiziente Lösung, ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen. Siemens arbeitet gemeinsam mit Partnern an der Umsetzung dieser Technologie.

Bahnhöfe seien Knotenpunkte für den intermodalen städtischen Verkehr. Nur wenn der Übergang zwischen den verschiedenen Transportsystemen nahtlos, bequem und zeitsparend sei, nutzten mehr Menschen den effizienten und umweltfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr, erklärte Peter.

In Kooperation mit Softwarepartnern wie Bentley Systems nutzt Siemens mit „Building Information Modeling“ einen digitalen Zwilling für Planung, Design und Bau von komplexen Bahn-Infrastrukturprojekten. Dieses computergenerierte Modell ist eine objektorientierte, parametrische und digitale 3D-Darstellung des Systems. Die Datenbasis schafft die Voraussetzung für umfassende Simulationen, um Systemkonflikte konsequent zu vermeiden, das Risiko von Verzögerungen zu reduzieren und die Installation zu beschleunigen.

Im Bereich Bahnelektrifizierung zeigt Siemens auf der InnoTrans eine weitere Neuheit: Das Unternehmen kann das elektrische Netzwerk und den Energiefluss erstmals in Echtzeit in einer datenbasierten Simulation darstellen. Auf diese Weise lassen sich Lastspitzen vorhersagen und vermeiden, kritische Netzzustände transparent machen, Zugfahrpläne entsprechend der optimalen Energienutzung anpassen. Letztlich lässt sich damit der Leistungsbezug steuerbar machen und der Energieverbrauch um bis zu 15 Prozent senken.