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Krefeld: Siemens: Platzt das Geschäft mit Alstom?

Krefeld : Siemens: Platzt das Geschäft mit Alstom?

Laut der Agentur Reuters will der deutsche Konzern für die Energiesparte von Alstom weniger als sieben Milliarden Euro und die Mehrheit am Zuggeschäft geben. Die Beschäftigen in Uerdingen würden lieber bei Siemens bleiben.

Gebannt wird die Belegschaft des Uerdinger Siemens-Werks heute verfolgen, ob der Mutterkonzern ein Angebot zum Kauf der Energiesparte des französischen Konzerns Alstom abgeben wird. Die Zugsparte mit ihren 2600 Beschäftigten im Krefelder Werk an der Duisburger Straße soll nach bisher bekanntgewordenen Plänen gleichsam als Draufgabe an Alstom übertragen werden. Ein Platzen des Geschäfts werde von der Mehrheit der Arbeitnehmer begrüßt, bestätigen Betriebsrats- und Gewerkschaftskreise gestern.

 Etwa 1500 bis 2000 Arbeitnehmer protestierten in der vergangenen Woche vor dem Werkstor in Uerdingen gegen die Neustrukturierungspläne im Siemens-Konzern. Die Beschäftigten verlangten Standort- und Arbeitsplatzgarantien.
Etwa 1500 bis 2000 Arbeitnehmer protestierten in der vergangenen Woche vor dem Werkstor in Uerdingen gegen die Neustrukturierungspläne im Siemens-Konzern. Die Beschäftigten verlangten Standort- und Arbeitsplatzgarantien. Foto: Thomas Lammertz

Grundsätzliche Erleichterung dürfte sich aber selbst dann noch nicht breitmachen. Siemens will sein Portfolio grundsätzlich neu ordnen und dürfte auch weiterhin nach einem Interessenten für die Zugsparte suchen. Ralf Claessen von der IG Metall in Krefeld will entsprechend auch nicht in den Chor derer mit einstimmen, die sich über ein Scheitern des Alstom-Deals freuen. "In dem Geschäft liegen auch Chancen. Wenn die Details hinsichtlich Standort- und Arbeitsplatzgarantien stimmen würden, könnte ein europäischer Konzern entstehen, der gegen die Konkurrenz aus Übersee und Nahost bestehen sollte", sagt Claessen im Gespräch mit unserer Zeitung.

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Gestern verbreitete sich unter den Beschäftigten in Uerdingen allerdings die Hoffnung, dass das Geschäft platzen könnte und der amerikanische Mitbewerber General Electric (GE) den Zuschlag bekommen könnte. GE hat angeblich 12,35 Milliarden für das Hauptgeschäft der Franzosen - die Energietechnik - geboten. Das Siemens-Bargebot für die Alstom-Energiesparte dürfte Insidern zufolge niedriger ausfallen als von den Franzosen erhofft, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Demnach planen die Münchner, weniger als sieben Milliarden Euro und die Mehrheit an ihrem Zuggeschäft anzubieten, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag.

Siemens bereite womöglich schon für heute ein sehr ausgefeiltes Angebot vor, das auch einige Bereiche der bestehenden Alstom-Energietechnik ausschließe. So gelte der Hochspannungsleitungsbau der Franzosen als Verhandlungsmasse, da dort Kartellprobleme drohten. Das Bargebot werde zudem um etwa 800 Millionen Euro geschmälert, weil Alstom noch erhebliche Strafen im Zuge laufender Korruptionsermittlungen in USA, Brasilien und Großbritannien drohten. Siemens und Alstom wollten sich zu den Angaben nicht äußern.

Im Umfeld der Franzosen wurde klargemacht, dass Alstom sich angesichts des gut zwölf Milliarden Euro schweren GE-Angebots nicht unter Wert verkaufen wolle. "Wenn sie weniger Bares bieten und einen geringeren Umfang als GE, wird das nicht die Zustimmung der Gremien finden", sagte ein Insider zu Reuters. "Wenn sie Alstom nicht zusichern, die Kartellbedenken aus dem Weg zu räumen, brauchen sie erst gar kein Angebot vorzulegen." Siemens werde daher jene Bereiche mit den größten Überlappungen ausklammern. Dazu gehöre das Stromübertragungsgeschäft (T&D). Auf die Nukleartechnik und die Windenergiesparte wolle Siemens ohnehin verzichten. Hier könnte es aber Probleme geben: Einer dem französischen Lager nahestehenden Person zufolge gilt es als schwierig, das Nuklear-Turbinengeschäft vom konventionellen Stromerzeugungsgeschäft zu trennen. Das Bargebot der Münchner fällt auch geringer aus, weil sie Alstom zusätzlich zumindest die Mehrheit an ihrer Zugsparte anbieten. Offen ist noch die Zukunft der Bahnsignaltechnik, für das Geschäft komme ein Joint Venture in Frage. Auch hier könnte ein Konflikt drohen, denn Alstom dürfte an einer Mehrheitsposition in diesem Bereich interessiert sein.

(RP)