Siemens neuer Höchstgeschwindigkeitszug Velaro Novo wird in München getestet

Velaro Novo: Siemens stellt neuen Superzug in Krefeld vor

Siemens stellte am Mittwoch im Krefelder Zugwerk den neuen Höchstgeschwindigkeitszug Velaro Novo vor. Er ist leichter, schneller und größer als seine Vorgänger. Bislang gibt es den neuen Superzug aber nur einmal.

Siemens stellte am Mittwoch in seinem Werk in Krefeld seinen neuen Höchstgeschwindigkeitszug Velaro Novo vor. „Das ist ein Zug für die Welt“, sagte Sabrina Soussan, Chefin der Division Mobility von Siemens. Er sei leichter, schneller, größer und wirtschaftlicher, und erfahre bereits vor der offiziellen Vorstellung in der Trainspotter-Szene (Zugliebhaber) schon jetzt eine riesige Beachtung. In der Automobilbranche heißen die neu entwickelten Prototypen, die sich getarnt zwar auf öffentlichen Straßen bewegen, aber noch in der Testphase befinden, Erlkönig.

Gleichsam als solcher erprobt Siemens die Innovationen seines neuen Hochgeschwindigkeitszuges seit April dieses Jahres auf dem Streckennetz in ganz Deutschland. Rein äußerlich fällt der Velaro Novo durch seine Aerodynamik auf. Stromabnehmer und Räder sind verkleidet, die Nase ist länger als bei den Vorgängern.

Der Nahverkehrszug Mireo wird in Uerdingen
Der Nahverkehrszug Mireo wird in Uerdingen gebaut. Die DB Region hat zahlreiche Exemplare geordert. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Wird die Serie in Krefeld hergestellt?

Der neue Superzug - bislang ein Unikat - sei in Krefeld produziert worden. Ob auch die komplette Serie im Uerdinger Werk hergestellt wird, sei noch fraglich, berichtete ein Sprecher. Trotz überschwänglichen Lobs für die Krefelder Belegschaft von ihrer obersten Chefin Sabrina Soussan bleibt hinsichtlich der Zukunft des Standorts einiges in der Schwebe. Fragen zu der bevorstehenden Fusion der selbstständigen Siemens Mobility Division mit dem Hersteller Alstom waren gestern nicht zugelassen. Siemens sehe sich derzeit noch als Wettbewerber der Franzosen. Die Entwicklung des neuen Höchstgeschwindigkeitszuges, der eine Geschwindigkeit von bis zu 360 Kilometer pro Stunde erreichen kann, habe bereits im Jahr 2013 begonnen. Nun sei er so ausgereift, dass er bei der weltweit größten Messe für Bahntechnik, der InnoTrans 2018 vorgestellt werden könne.

Siemens könne vor der Fusion noch nicht über das Portfolio der Zukunft sprechen, sagte Sabrina Soussan auf den französischen TGV angesprochen. Der sei im Gegensatz zum ICE ein Doppeldecker, betonte sie. Zum Portfolio dürfte auf jeden Fall ein neuer Regionalzug gehören. Der Mireo fuße auf einem modularen Konzept für den Nahverkehr und werde in Krefeld gebaut, sagte ein Sprecher. Die Deutsche Bahn Regio habe Siemens seit 20 Jahren keinen Auftrag mehr erteilt, das habe sich geändert: Die DB Regio AG habe 24 Gliederzüge der neuen Zugplattform und anschließend weitere 57 dreiteilige Mireo-Züge geordert.

Krefeld sei ein besonderer Ort, bemerkte Sabrina Soussan, mit einem großartigen Team, das seine Aufgaben mit großer Begeisterung angehe und erfülle. Die gut 2000 Beschäftigten, Gewerkschaft und Betriebsrat in Uerdingen an der Duisburger Straße dürften die Aussagen mit Interesse registriert haben.

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Besserer Fahrgastkomfort und Wirtschaftlichkeit

Am Mittwoch ging es hauptsächlich um das neue Prunkstück - den Velaro Novo. Er sei die Antwort von Siemens auf globale Anforderungen im Hochgeschwindigkeitsverkehr. Der neue Zug ermöglicht Betreibern einen verbesserten Fahrgastkomfort und Wirtschaftlichkeit über die gesamte Lebensdauer. Er sei das Ergebnis von fünf Jahren detaillierter Entwicklung: Eine Plattform mit optimiertem Energieverbrauch und Wartungsaufwand, sowie maximaler Flexibilität und Zuverlässigkeit.

Bei 300 km/h benötigt der neue Hochgeschwindigkeitszug bis zu 30 Prozent weniger Energie als bisherige Velaro-Modelle und spart damit im Durchschnitt jährlich 1.375 Tonnen CO2. Das Fahrzeuggewicht konnte dank Leichtbaukonstruktion um 15 Prozent reduziert werden. Gleichzeitig wurde der verfügbare Platz für Passagiere um zehn Prozent gesteigert. Die Wagenkästen folgen dem Prinzip der leeren Röhre. Das bedeutet, dass keine festen Einbauten vorhanden sind und sich die Innenräume nach den Vorstellungen des Kunden einrichten lassen.

Testfahrten in ganz Deutschland

Konfigurationsmöglichkeiten wie diese machen den Velaro Novo zukunftssicher und flexibel, noch nach Jahren im Betrieb kann er an neue Anforderungen der Betreiber angepasst werden. Die Kosten für die Instandhaltung verringern sich dank der Integration modernster Mess- und Sensorentechnologie. Seit April 2018 erprobt Siemens Teile des neuen Hochgeschwindigkeitszugs. Der Novo-Testwagen, integriert in den ICE S der DB Systemtechnik, absolviert derzeit Testfahrten in ganz Deutschland.

Siemens hat bereits vier Generationen des Velaro entwickelt. Die Züge sind seit dem Jahr 2000 im Einsatz und derzeit in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, der Schweiz, Spanien, Frankreich, China, Russland, UK und in der Türkei in Betrieb. Täglich legen sie mehr als eine Million Flottenkilometer zurück. In Deutschland kennt man den Velaro als ICE 3 der Deutschen Bahn AG. Vor fünf Jahren startete Siemens mit der Entwicklung der neuen Fahrzeugkonzeption. 2023 könnten erste Züge zum Einsatz kommen.