Krefeld: Siemens: Betriebsrat sorgt sich um den Zeitplan für den neuen ICE4

Krefeld: Siemens: Betriebsrat sorgt sich um den Zeitplan für den neuen ICE4

Siemens hat einen Ruf zu verlieren: Die Deutsche Bahn AG hat den größten Auftrag der Konzerngeschichte erteilt. Für 5,3 Milliarden Euro soll Siemens 119 Hochgeschwindigkeitszüge der neuesten Generation liefern. Nun scheint der Zeitplan in Gefahr. Der Betriebsrat im Uerdinger Werk äußert sich besorgt.

Die Blamage von Siemens mit dem ICE 3 vor Augen, mehren sich die Sorgen der Belegschaft im Werk Uerdingen. Schließlich gilt es mit dem ICE 4 auch international verspieltes Renommee zurückzugewinnen. Im Vordergrund steht aber die Zufriedenheit des Kunden Deutsche Bahn AG, die mit der Bestellung von 119 Zügen dem Konzern den größten Auftrag der Geschichte beschert hat. 5,3 Milliarden Euro will die Bahn für 1335 Wagen der neuesten Generation ausgeben, die aus sieben beziehungsweise zwölf Elementen zu jeweils einem Zug zusammengestellt werden.

Beim ICE 3 hat die Deutsche Bahn jahrelang auf die Zulassung der Züge durch das Eisenbahnbundesamt warten müssen. Mit dem ICE 4 soll diesmal alles auf den Punkt stimmen. Weil Siemens den Auftrag jedoch nicht allein abwickelt, sondern mit Bombardier noch einen Partner im Boot hat, der für ein Drittel des Auftragsvolumens steht, ergeben sich offenbar Probleme. Bereits damals habe es erste kritische Stimmen zur Lieferfähigkeit von Bombardier gegeben, nachdem die Kanadier zunächst öffentlich erklärt hatten, ihre Bahn-Fertigung komplett aus Deutschland zu verlagern, berichtet der Krefelder Betriebsrat in seiner Mitarbeiterzeitung "Vier gewinnt".

Nachdem der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sich eingeschaltet habe, sei von Bombardier Gesprächsbereitschaft signalisiert worden. Der angekündigte Stellenabbau sei damit allerdings nicht vom Tisch gewesen. "Seitdem kämpfen die Kolleginnen und Kollegen in Henningsdorf, Görlitz und Bautzen, mit Unterstützung der IG Metall und der Politik, um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Zuletzt ließ Bombardier in den Medien verlauten, man wolle bis Juli ein Konzept für die deutschen Standorte vorlegen", berichten die Krefelder Arbeitnehmervertreter. Dass diese Auseinandersetzung keine Auswirkung auf das Projekt ICE4 haben werde, davon solle niemand ernsthaft ausgehen, unterstreichen sie die Bedeutung der Ereignisse in Ostdeutschland für den Auftrag der Bahn AG und letztlich auch für den Standort Krefeld. Aktuell habe Bombardier mitgeteilt, am Standort Görlitz zukünftig nur noch Aluminiumfahrzeuge zu fertigen. Von dort seien zuletzt die Rohbauten für den ICE4 an Krefeld geliefert worden. Die nächsten Wochen und Monate werden allen Projektbeteiligten zeigen, ob die Lage nur angespannt sei oder ob es zu ernsthaften Störungen im Gesamtprojekt kommen werde. Der Betriebsrat in Krefeld habe auf Anfragen an das Management zur Lieferfähigkeit des Kooperationspartners nur ausweichende Antworten erhalten. Gegenüber unserer Redaktion erklärte Sabrina Soussan, Chief Exekutive Officer der Siemens Business Unit Mainline Transport: "Die Serienfertigung des ICE 4 ist planmäßig angelaufen. Die Produktion liegt im vorgesehenen Zeitplan. Bombardier Transportation setzt alles daran, dass die Neuausrichtung des Unternehmens keine Auswirkung auf das Projekt hat. Bombardier, Siemens und die Deutsche Bahn stehen dazu im engen Informationsaustausch."

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Inoffiziell war zu erfahren, dass in dem umfangreichen Vertragswerk entsprechende Klauseln für den Fall vorgesehen sind, dass einer der Partner seinen Verpflichtungen nicht nachkommt. Die vorgesehenen Vertragsstrafen dürften bei dem vorhandenen Auftragsvolumen von 5,3 Milliarden Euro erheblich sein. Laut Siemens gebe es bislang keinen Grund zur Besorgnis. Alle Termine seien wie vorgesehen eingehalten worden. Ein Vorserie aus sieben Zügen sei bereits fertig. Zwei davon befänden sich mit vier Fahrten täglich im Probebetrieb auf der Strecke von Hamburg nach München.

Die Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt sei schon erteilt. Bis ins Jahr 2023 soll das Komplettpaket abgearbeitet sein. Zwei Drittel des Auftrags liegen in der Verantwortung von Siemens. Das Werk in Uerdingen nimmt dabei die wesentliche Rolle ein.

Die Antriebsdrehgestellte liefert das Siemenswerk im österreichischen Graz. Die Laufdrehgestelle kommen von Bombardier. Auf den Prüfstand kommen die neuen ICE 4 auf der Siemensteststrecke in Wegberg-Wildenrath.

(sti)
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