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Siemens bekennt sich zur Zug-Sparte in Krefeld

Wirtschaft in Krefeld : Siemens bekennt sich zur Zug-Sparte

Die gut 2000 Beschäftigten von Siemens in Uerdingen wissen, was sie können. Die Konzernspitze schaffte es in der Vergangenheit dennoch, Unsicherheit in der Belegschaft zu erzeugen. Mal war die Gewinnmarge des Zugherstellers nicht hoch genug, dann sollte das Werk in einer Fusion aufgehen. Erst jetzt kommt - fast überraschend - ein Bekenntnis des Vorstands zur Zug-Sparte.

Es ist jetzt rund 15 Monate her, dass die Kartellbehörden ihr Veto gegen eine Fusion der Zug-Sparten von Siemens und des französischen Wettbewerbers Alstom eingelegt haben. Noch fünf Monate länger liegt die Ausgliederung der Siemens Mobility GmbH aus der Siemens AG zurück. Das waren zwei aufregende Jahre, in denen die gut 2000 Beschäftigten im Krefelder Werk an der Duisburger Straße und Kollegen an anderen Standorten nicht wussten, wohin der Weg für ihren Arbeitgeber führt. Ein echtes Bekenntnis der Vorstandsriege zum Hersteller von Hochgeschwindigkeitszügen und Regionalbahnen samt Infrastruktur fehlte. Stattdessen wurde die geringe Gewinnmarge kritisiert.

Der bereits benannte Nachfolger des Vorstandsvorsitzenden Joe Kaser, Roland Busch, sprach vor wenigen Tagen unerwartet Klartext: Siemens Mobility sei „integraler Bestandteil der Siemens AG“. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Mobility GmbH soll im September bekanntgegeben werden, hieß es.

Siemens-Vorstand Roland Busch lobte Siemens-Mobility. Foto: dpa/Peter Kneffel

Busch sang für einen Manager geradezu ein Loblied auf die Mobility-Gesellschaft und die Leistungen der Beschäftigten auch im Krefelder Werk. In seiner Rede heißt es: „Nun zu einem für mich sehr erfreulichen Thema: Siemens Mobility trotzt der Corona-Krise. Wir haben ein am Markt führendes, vertikal integriertes Portfolio, und Siemens Mobility ist integraler Bestandteil der Siemens AG. Wir hatten zwar angekündigt, Ihnen zum zweiten Quartal ein strategisches Update zu geben. Aufgrund der aktuellen Situation haben wir dies jedoch auf das vierte Quartal verschoben (das Siemens-Geschäftsjahr beginnt im Oktober). Hier gibt es keinen Zeitdruck. Die Konsolidierung am Markt beobachten wir sehr aufmerksam. Wir werden unser Portfolio selektiv verstärken, immer wenn sich Gelegenheiten ergeben. Das haben wir auch in der Vergangenheit sehr erfolgreich getan, etwa mit Invensys Rail oder HaCon, einem führenden Software-Anbieter für Mobilität.“

Weiter sagte er: „Siemens Mobility hatte zum Ende des zweiten Quartals 2020 einen sehr guten Auftragsbestand von 32 Milliarden Euro. In der Krise gelingt es uns, den Betrieb aufrechtzuerhalten, trotz der Beschränkungen bei Projekten und dem Zugang zu Kunden. Ich möchte hier nochmal auf die starke langfristige Performance von Siemens Mobility hinweisen: In den vergangenen fünf Jahren hatten wir ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von vier Prozent! Was mich auch sehr freut: Wir haben unsere Prozesse über Jahre enorm verbessert. Jetzt haben wir die Betriebsgenehmigung für unseren neuen Regionalzug Mireo (in Uerdingen gebaut) in der Rekordzeit von 38 Monaten bekommen – das ist ein halbes Jahr früher als branchenüblich. Er wird im Rheintal zwischen Karlsruhe und Basel von der DB Regio eingesetzt.“ Ähnlich schnell sei die Zulassung des ICE 4 in der siebenteiligen Variante erfolgt, die Siemens auch kürzlich erhalten habe, so Busch.

Gut 2000 Beschäftigte im Siemens-Werk an der Duisburger Straße in Uerdingen hörten mit Gefallen die Reden aus München. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Der Finanzvorstand Ralf P. Thomas ging weiter ins Detail. Siemens Mobility habe ihr Geschäft in diesem Quartal trotz diverser Beeinträchtigungen erfolgreich am Laufen halten können; die Ergebnisse seien dementsprechend weitgehend robust gewesen. Der beträchtliche Rückgang im Auftragseingang sei vor allem auf das außergewöhnlich hohe Niveau an Großaufträgen im Vorjahresquartal zurückzuführen.

Doch auch in diesem Quartal könne Siemens Mobility einige bemerkenswerte Erfolge feiern: Sie erhielten zum Beispiel Großaufträge für Regionalzüge in Deutschland, die auf der sehr erfolgreichen Mireo-Plattform basierten. Und sie gewannen den ersten Auftrag für batterie-elektrische Züge, die im Raum Baden-Württemberg zum Einsatz kommen würden. Siemens Mobility habe den bereits sehr gesunden Auftragsbestand in Höhe von 32 Milliarden Euro weiter gestärkt. Dank des Zuggeschäfts sei der Umsatz von Siemens Mobility mit mehr als sechs Prozent vergleichbar deutlich gestiegen. Einige große Zug- und Serviceprojekte seien erfolgreich angelaufen, so Thomas. Mit ihrer robusten Ergebnismarge von 9,3 Prozent habe Siemens Mobility erneut im Zielmargenkorridor gelegen.