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Krefeld: Siemens: 1500 Beschäftigte protestieren vor dem Werktor

Krefeld : Siemens: 1500 Beschäftigte protestieren vor dem Werktor

Die Mitarbeiter von Siemens sorgen sich um ihre Zukunft. Am Freitag protestierten rund 1500 Beschäftigte vor dem Werkstor in Uerdingen mit der Botschaft an die Konzernleitung, Menschen nicht der Marge zu opfern.

Die Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn war nach Krefeld gekommen, um die Arbeitnehmerschaft auf die Eventualitäten, die sich abzeichnen, einzustimmen. Die 54-Jährige verlangte von dem Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser ein Deutschland-Konzept mit Standort- und Arbeitsplatzgarantieen. Ständig würden die Häuptlinge nach Fehlentscheidungen und Skandalen ausgetauscht, Sparten und Unternehmen ge- und verkauft, und die Beschäftigten müssten es ausbaden. Ihre Rede richtet sich gegen ein solches Portfoliomanagement zur Hebung der Marge. Gleichwohl machte sie deutlich, dass der Wettbewerb gegen die Konkurrenz aus China immer härter werde. Das Krefelder Werk sei jedoch ein Zentrum für Hochtechnologie und in der Lage, sich dem Wettbewerb erfolgreich zu stellen. Was die Abgabe der Zugsparte von Siemens an den französischen Konzern Alstom anbetreffe, seien noch keine Entscheidungen gefallen, ja noch nicht einmal ein Angebot abgegeben worden, erklärte Birgit Steinborn. Insofern seien Proteste geeignet, um in der Vorstandsetage noch Gehör zu finden. Auch die Energiesparte berge große Risiken, sagte sie im Hinblick darauf, dass Siemens die Energiesparte von Alstom womöglich kaufen wolle und als Dreingabe offenbar bereit sei, die Zugsparte abzugeben.

Birgit Steinborn kennt den Konzern in- und auswendig. Seit 1990 ist die gelernte Industriekauffrau und Soziologin Betriebsrätin, zunächst am Standort Hamburg, wo sie sich bis 1996 zur Vorsitzenden hocharbeitete. 2008 wurde sie stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Sie erlebte auch die turbulenten Siemens-Jahre mit dem Korruptionsskandal und der anschließenden Neuausrichtung des Konzerns.

(RP)