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„Sie waren Abenteurer“ – Dank an die  türkischen Großeltern von Krefeld

Deutsch-türkisches Anwerbeabkommen : „Sie waren Abenteurer“ – Dank an die türkischen Großeltern

Mit einem Festakt erinnerte die Türkische Union an das vor 60 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei. Ein Höhepunkt war ein Dokumentationsfilm über die ersten Einwanderer.

Mit einer sehr persönlich gehaltenen Ansprache hat der Vorsitzende der Türkischen Union, SalihTufan Ünal,  an das Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei aus dem Jahr 1961 erinnert. Bei einem Festakt mit rund 120 Gästen, an dem auch Vertreter aus Politik, Kirchen und Behörden teilgenommen haben, würdigte Ünal die Leistung der Generation der Großeltern, die sich auf das Wagnis Auswanderung in ein fremdes Land eingelassen hätten. „Irgendwann habe ich meinen Großvater gefragt: Warum habt ihr das auf euch genommen, in ein fremdes Land zu gehen, dessen Sprache ihr nicht sprecht, lange getrennt von der Familie? Seine Antwort war: Wir haben es für euch getan, damit es euch einmal besser geht.“ Heute, sagte Ünal unter Applaus, sei er stolz darauf, Sohn und Enkel eines Gastarbeiters zu sein. Und er schloss, wieder unter Applaus: „Mein Großvater kam als Gastarbeiter, ich bin Krefelder, und ich bin stolz darauf.“ Ünal ist in Krefeld geboren.

Auch Oberbürgermeister Frank Meyer würdigte in seinem Grußwort die „beeindruckende Lebensleistung“ der türkischen Einwanderer, die sich in Deutschland etwas aufgebaut und ihren Beitrag zum  deutschen Wirtschaftswunder geleistet hätten. Er gehöre, 1974 geboren, zu einer Generation, für die es  normal gewesen sei, Tür an Tür zu leben mit Menschen, die  türkisch-stämmig seien. Die, die als Gäste  gekommen seien, seien Kollegen, Nachbarn, Freunde geworden.

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Er ging darauf ein, dass es auch kritische Stimmen gebe, dass nun zwei benachbarte türkische Gemeinden gleich zwei Moscheen bauen.  Meyer betonte dazu: „Wenn Menschen  im Rahmen unseres Baurechts ein Gotteshaus bauen wollen, dann sollen sie es tun“, diese Bauprojekte seien auch Bekenntnisse, dass sie sich hier zu Hause fühlten; „da, wo man sich ein Gotteshaus baut, ist Heimat“.

Meyer ermutigte die türkischstämmigen Krefelder auch, heimatliche Gefühlen für die Türkei zu leben. „Es ist in Ordnung, eine zweite Heimat zu haben“, betonte er; wenn Großeltern und ein Teil der Familie in der Türkei lebe, von dort komme, sei es normal, dieses Land auch als Heimat anzusehen.

Ein Höhepunkt des Abends war ein Dokumentarfilm über die  erste Einwanderer-Generation und das Anwerbeabkommen, das das Tor nach Deutschland öffnete. Mehmet Bolat, der den Film zusammen mit Ömer Hökelekli gemacht hat, sagte bei der Vorstellung des Projekt einen schönen Satz: „Wir haben realisiert, dass es sich bei unseren Großvätern eigentlich um Abenteurer handelte.“ Ziel des Films sei es, die dritte Genration dafür zu sensibilisieren, „was unsere Omas und Opas für uns getan haben“ – nämlich die Ungewissheit und Härten der Einwanderung in ein fremdes Land auf sich zu nehmen. Der Film montierte geschickt historisches Material mit Erzählpassagen von Vertretern der heute in Krefeld lebenden Großelterngeneration. Das Leben in Deutschland – das wurde deutlich – bedeutete für alle lange zunächst eines: harte Arbeit.