Krefeld: Shannon Barnett - mehr als eine Jazz-Quotenfrau

Krefeld : Shannon Barnett - mehr als eine Jazz-Quotenfrau

Zum Internationalen Unesco Jazz Day glänzte die Deutsch-Australierin mit ihrem Quartett auf Burg Linn.

"Krefeld ist eine Jazzstadt", sagte erfreut Oberbürgermeister Frank Meyer beim Internationalen Unesco Jazz Day. "Hier finden jährlich rund 50 Jazzkonzerte statt, und der Jazzkeller feiert inzwischen seinen 60. Geburtstag." Nicht zuletzt schätzt Meyer am Jazz den sympathischen politischen Hintergrund. Jazz zielt auf Demokratie, Weltoffenheit, friedliches Zusammenleben, Internationalität und Integration.

Allerdings: Ein nicht unerhebliches politisches Defizit des Jazz wollte Meyer nicht verschweigen, dass nämlich die Frauenquote zu wünschen übriglässt. Nur 20 Prozent der aktiven Jazzmusiker ist weiblich. Umso mehr freue er sich, mit Shannon Barnett im ausverkauften Rittersaal Burg Linn eine Posaunistin begrüßen zu dürfen, die zugleich der Forderung nach mehr weiblichen Führungskräften gerecht werde. Die Deutsch-Australierin, jüngstes Mitglied der WDR-Bigband, ist die Chefin ihres Quartetts, mit dem sie Halbfinalist beim Neuen Deutschen Jazzpreis wurde. Außerdem ist sie die Komponistin der vorgestellten Stücke. Titel wie "Hype", "Speaking in Tongues" und "Chasing the Second" vermittelten einen Eindruck von der ersten CD der Band. Die Vorstellung der Themen erfolgte - in der Tradition des Bebop - meist unisono durch Posaune und Tenorsaxofon (Stefan Karl Schmid). In den solistischen Improvisationen wurde eine beachtliche instrumentale Virtuosität hörbar, auch bei Bass (David Helm) und Schlagzeug (Fabian Arends).

Zusammen mit Peter Popovic, dem Vorsitzenden des Krefelder Jazzklubs, freute sich das Publikum, dass es gelungen war, fürs Konzert am Internationalen Unesco-Jazz-Day zwei namhafte Ensembles zu gewinnen. Im zweiten Teil trat das um den Trompeter John-Dennis Renken zum Quartett erweiterte Trio "Three Fall" auf. Die Musik von Renken, Lutz Streun (Bass-Klarinette), Til Schneider (Posaune) und Sebastian Winne (Schlagzeug und Perkussion) unterschied sich nicht nur stilistisch deutlich von Shannon Barnett und ihren Kollegen. Nach der Pause zogen auch weitere Richtungen wie HipHop, Rock und Pop in die Musik ein.

Jetzt spielte auch die Elektronik eine wesentliche Rolle, deren Aufbau zunächst einmal eine sehr lange Pause erforderlich machte. Dann wurden auch ganz andere Klänge möglich. So konnte der Posaunist dank elektronischer Apparaturen sein Spiel so verändern, dass man glauben mochte, in einem Gebirge das Echo mehrerer Alphörner zu hören. Das war einerseits sehr interessant. Andererseits war oft nicht klar, welcher Klang von den Spielern und welcher von der Technik erzeugt wurde. Trotzdem ließ sich leicht erkennen, dass alle vier Spieler ihr Instrument souverän beherrschten.

(RP)
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