Krefeld: Separatorenfleisch in Wurst: Krefelder Firma steht vor Gericht

Krefeld : Separatorenfleisch in Wurst: Krefelder Firma steht vor Gericht

Lebensmittelkontrolleure der Stadt haben 2013 Missstände in einer Vertriebsgesellschaft für Wurstprodukte entdeckt - in insgesamt 28 Fällen in den letzten fünf Jahren schloss die Stadt Betriebe.

Eine Krefelder Lebensmittelfirma, die Wurstprodukte herstellt, soll vom Knochen abgeschabte Fleischreste, sogenanntes Separatorenfleisch, verwendet haben, ohne dass dies auf der Verpackung auch so deklariert wurde. Städtische Lebensmittelkontrolleure hatten dies im vergangenen Jahr bei einer Routinekontrolle entdeckt und den Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Oberstaatsanwalt Axel Stahl, Sprecher der Behörde, bestätigte nun auf Anfrage, dass die Anklage an das Gericht gegangen ist und im Juni verhandelt wird. Von einer "irreführenden Bezeichnung" des Produktes gehe man aus. Bei dem Unternehmen soll es sich um eine Vertriebsgesellschaft mit Sitz in Krefeld handeln, informierte Stahl.

Die Stadt informierte über die Auffälligkeiten in dem Betrieb, nachdem unsere Zeitung im Zusammenhang der Missstände in Filialen der Kette Bur- ger King gefragt hatte. Unsere Zeitung wollte wissen, wie viele Kontrolleure in Krefeld im Einsatz sind, wie oft kontrolliert wird und wie viele Betriebe auffällig werden. In den vergangenen fünf Jahren sind laut Stadt in insgesamt 631 Fällen Sanktionen gegen Gewerbetreibende zur Ahndung lebensmittelrechtlicher Verstöße verhängt worden. Diese Maßnahmen reichten von Verwarnungen ohne und mit Verwarngeld (bis 35 Euro) bis hin zu Bußgeldbescheiden von bis zu 300 Euro. Nur in dem einen Fall des fleischverarbeitenden Betriebs sei es zu einem Strafbefehl durch die Staatsanwaltschaft gegen den Krefelder Lebensmittelbetrieb, teilte Stadtsprecher Manuel Kölker mit. Weiterhin wurden in den vergangenen fünf Jahren in 28 Fällen Betriebe aufgrund erheblicher Mängel vorübergehend zur Gefahrenabwehr geschlossen. 1400 Kontrollen wurden dabei laut Stadt in den Krefelder Lebensmittel-/Gastronomiebetrieben pro Jahr, bei insgesamt derzeit 994 Gastronomiebetrieben vorgenommen. Das Stadtgebiet Krefeld ist in drei Überwachungsbezirke aufgeteilt, in denen insgesamt acht Lebensmittelkontrolleure und ein amtlicher Kontrollassistent eingesetzt sind. Als wissenschaftlich ausgebildete Sachverständige stehen eine Lebensmittelchemikerin und ein Tierarzt zur Verfügung.

Stadtsprecher Manuel Kölker erklärte, dass in Krefeld der überwiegende Teil der Gastronomiebetriebe einmal bis zweimal im Jahr kontrolliert wird. Die Kontrollfrequenz richtet sich dabei nach der Risikobeurteilung der Betriebe: Solche Betriebe in denen Verstöße festgestellt werden, werden häufiger überprüft als Betriebe ohne Verstöße. "In die Bewertung fließt ein, welches Risiko mit der Verwendung bestimmter Lebensmittel grundsätzlich verbunden ist (z.B. Verwendung roher Eier oder Hackfleisch). Die Risikobeurteilung wird bei jeder Kontrolle und nach jedem Betreiberwechsel angepasst", teilte der Stadtsprecher mit. Hinzu kämen nach anlassbezogene Kontrollen wie zum Beispiel bei Verbraucherbeschwerden oder größeren Umbaumaßnahmen. Der Ablauf und die Inhalte der Betriebskontrolle unterliegen dabei einem festen Qualitätsmanagementsystem und orientieren sich für Gastronomiebetriebe an der "Kontrollhilfe Schank- und Speisewirtschaft" (siehe Extrakasten in diesem Artikel).

Zur Ahndung von Verstößen gegen lebensmittelrechtliche Vorschriften sind folgende Sanktionen möglich: Verwarnung mit und ohne Verwarngeld, Bußgeldverfahren durch die Lebensmittelüberwachung sowie ein Strafverfahren durch die Staatsanwaltschaft. Die Schließung eines Betriebes stellt dabei keine Sanktion im Rahmen der Ahndung von Verstößen dar, sondern soll eine Maßnahme zur Gefahrenabwehr für den Bürger sein. Insofern werden Betriebsschließungen seitens der Lebensmittelüberwachung stets nur vorübergehend verfügt, bis die festgestellten Mängel beseitigt sind und dies im Rahmen einer Nachkontrolle überprüft wurde.

(RP)
Mehr von RP ONLINE