Krefeld: Selbsttest: Elektroschocks für die Muskeln

Krefeld : Selbsttest: Elektroschocks für die Muskeln

Mit elektronischer Muskelstimulation halten sich Sportler wie Ailton oder die SVK-Wasserballer fit. RP-Mitarbeiter Markus Wasch hat eine Trainingseinheit mit Personal Trainer Jörg Bednarzyk getestet – und ist ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Mit elektronischer Muskelstimulation halten sich Sportler wie Ailton oder die SVK-Wasserballer fit. RP-Mitarbeiter Markus Wasch hat eine Trainingseinheit mit Personal Trainer Jörg Bednarzyk getestet — und ist ordentlich ins Schwitzen gekommen.

Eigentlich dachte ich, dass ich es mir auf einer Couch gemütlich mache, während die moderne Technik meinen schlemmer-verwöhnten Körper auf Trab bringt. Stattdessen läuft mir der Schweiß von der Stirn, die Haare sind nass, die ersten feuchten Flecken zeigen sich auf dem engen, schwarzen Stoff.

Ich bin an zahlreiche Drähte angeschlossen, überall gucken bunte Kabel aus der schwarzen Weste heraus. "Und wieder anspannen", sagt Jörg Bednarzyk, von Beruf Personal Trainer, während ich es kaum fassen kann, dass die vier Sekunden schon wieder um sind. Denn genau so lange haben meine Muskeln Zeit, sich zu erholen, danach beginnt wieder das schweißtreibende Prickeln.

Wo die Pfunde purzeln

EMS-Training heißt die neue Erfindung, die nicht nur zum Fithalten gedacht ist. Auch beim Abnehmen und gezielten Muskelaufbau soll die Elektro-Muskel-Stimulation helfen. Die gezielten Stromstöße erzeugen das Prickeln, das nun in meinem Körper immer mehr zunimmt. Mit leicht gebeugten Beinen und angewinkelten Armen spüre ich, wie ungezählte kleine, aber nicht schmerzhafte Stiche meine Muskeln belasten. Wieder fließen zahlreiche Schweißtropfen aus meinem Körper, während ich hoch konzentriert die Anspannung halte.

KFC-Fußballer Ailton, die Wasserballer der SV Krefeld 72, aber auch Hausfrauen nutzen das Angebot von Fitnesscoach Jörg Bednarzyk. Leistungssportler lassen sich allerdings nur zur Wettkampfvorbereitung von den Stromstößen bearbeiten, "denn danach braucht man zwei bis drei Tage Zeit, um sich zu erholen", sagt Bednarzyk. Auch zum verbesserten Stoffwechsel trägt das Gerät nach Meinung des Fitness-Trainers bei, "weshalb es auch oft zum Abnehmen genutzt wird". Auch Geschäftsleute lassen Bednarzyk mit seinem silbernen Koffer immer öfter zu sich ins Büro kommen, damit er ihnen die Elektro-Weste umschnallt. 30 Minuten Training kosten 50 Euro.

Ich bin auf dem Crosstrainer angekommen. Hier sollen die Pfunde purzeln. 15 Minuten dürften kein Problem sein, die traue ich meinem schon arg aus der Puste geratenen Körper noch zu. Dann dreht Personal-Trainer Bednarzyk allerdings an den Reglern der Schalttafel, Strom schießt in die Metallplatten, die in der Weste eingenäht sind. Schon spannen sich meine Muskeln wieder an, das Laufen wird zur Nebensache. In kurzen Abständen werden die Muskeln unter Strom gesetzt, jetzt sucht sich auch noch das letzte Tröpfchen Wasser in meinem Körper einen Weg nach draußen.

Als Bednarzyk das EMS-Training bei den Spielern des FC Bayern München sah, wollte er die neue Technik unbedingt testen. Zwar schreckten ihn die Kosten von 13 000 Euro für das Gerät anfangs ab, aber seitdem er die in sechs verschiedenen Größen vorhandenen Westen sein Eigen nennt, benutzt er sie selbst auch sehr gerne. Er setzt das Gerät aber auch immer häufiger bei Kunden nach Operationen ein. Denn durch die genau dosierbaren Elektro-Stöße kann Bednarzyk den Muskelaufbau gezielt fördern. Dafür muss sich der Patient nicht sonderlich bewegen, kann aber trotzdem für eine schnellere Muskelgenesung sorgen.

Training für den Ringer

Die Wolken ziehen vorbei, der Himmel ist tief blau. Nur noch einzeln fließt ein Tröpfchen von meiner Stirn, mein Brustkorb hebt und senkt sich merklich langsamer. Auf der Gummimatte liegend genieße ich fünf Minuten Entspannung, nachdem mein Körper in der halben Stunde zuvor an seine Grenzen gelangt ist. Jetzt kommen die Stromwellen nur noch ganz leicht, wie eine Massage entspannen sie den Körper. Vögel fliegen am Dachfenster vorbei. Ich merke, wie meine Augen schwer werden.

Bevor ich jedoch in meinen wohlverdienten Schlaf falle, höre ich ein leichtes Räuspern hinter mir. Fitness-Trainer Jörg Bednarzyk steht dort schon mit seinem nächsten Kunden. Noch leicht schläfrig mache ich Platz für den KSV Germania-Ringer Christian Fonger, der sich mit dem Training auf seinen Einsatz in der zweiten Bundesliga vorbereitet.

(RP)