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Seifenkisten in Krefeld: Im London-Bus auf die Hülser Rennstrecke​

Heiße Kisten beim Seifenkistenrennen in Krefeld : Im London-Bus auf die Hülser Rennstrecke

Die abenteuerlichsten Gefährte waren am Sonntag auf dem Hülser Berg anzutreffen. Beim 19. Seifenkistenrennen des Jugendamtes düsten insgesamt 36 Starter in 20 unterschiedlichen Konstruktionen den Berg hinab. 

„Du musst erst die untere Schraube anziehen, sonst klappt es nicht“, gibt Frank Schlegel vor. Sein Sohn Jan wechselt den Bit auf dem Akkuschrauber und löst die kurz zuvor festgezogenen Schrauben nochmals. An der Seifenkiste mit dem Kettcar-Grundgestell und den dicken Reifen, die einst einmal einen Rasenmähertraktor getragen haben, arbeitet das Team rund um die Familie Schlegel fleißig. „Wir sind nicht durch den TÜV gekommen. Die Bremsen rutschen durch. Das müssen wir jetzt korrigieren“, erklärt der 16-Jährige. Denn bevor es am Sonntag auf die Rennstrecke beim nunmehr 19. Seifenkistenrennen des Krefelder Jugendamtes am Hülser Berg geht, ist Kontrolle durch Martin Gabriel angesagt.

 Auch die Italiener sind von der Strecke in Hüls begeistert: Ein Ferrari-Nachbau ging dort Start.
Auch die Italiener sind von der Strecke in Hüls begeistert: Ein Ferrari-Nachbau ging dort Start. Foto: Marc Mocnik/Mark Mocnik

Der Leiter des Krefelder Freizeitzentrums Süd und Mitorganisator des Rennens prüft eine Seifenkiste nach der anderen. Ohne sein o.k. läuft nichts. Auch bei der Maus wird nochmals nachgearbeitet. Das graue Gefährt mit seinem niedlichen langgezogenen Mausgesicht und den spitzen Öhrchen liegt auf der Seite. „Die Lenkung hat zu viel Spiel, da müssen wir noch mal ran“, informiert Jonas Spinnler, Leiter der Krefelder Kinder- und Jugendeinrichtung Herbertzstraße, derweil Fahrerin Emily zuschaut.

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Mit Surfbrett am Heck, Paddeln auf dem Dach, Duftbäumchen am Spiegel und Kaktus samt Getränk mit Schirmchen sowie Strohhalm auf der Ablage ist der mit bunten Blumen angemalte Flower-Power-Bus von der Krefelder Jugendfreizeiteinrichtung Together vorgerollt. Die Seifenkiste zieht sofort die Blicke der Besucher auf sich. Die vielen liebevoll gestalteten Details kommen an. Ricky und Elay vom Together greifen nochmals zu Pinsel und Farbe. „Bei der Fahrt haben einige Blumen gelitten, das muss aufgehübscht werden“, sagt Ricky. Nicht minder neugierig wird der Doppeldeckerbus vom Freizeitzentrum Süd in Krefeld beäugt. „Wir wussten, dass Kadetten aus Krefelds Partnerstadt Leicester anreisen und haben so Anfang des Jahres angefangen, einen englischen Doppeldeckerbus zu bauen“, sagt Abira Chandran. Dabei deutet die stellvertretende Einrichtungsleiterin auf die beiden detailgetreu nachgemalten Wappen von Krefeld und Leicester, die den knallroten Bus mit Bobby-Helm auf dem Dach zieren. Und weil es international zugeht, steigt auch ein Team aus beiden Städten in den Bus. Herzliche Lacher sind zu hören, als das Sandwich vom Krefelder Jugendhaus JoJo in Richtung Startrampe geschoben wird. Ein gelbes Brötchen mit Salatblättern, Gurken- sowie Tomatenscheiben ist mittels einer aufwendigen Pappmaché-Arbeit entstanden. „Das Grundgestell hatten wir. Wir mussten nur den Aufbau gestalten“, sagt Einrichtungsleiter Felix Bünzel. Gleich zwei Startnummern kleben auf dem Sandwich. Zoe fährt das Gefährt als Nummer drei und Leni geht mit der Nummer 23 auf die Rennstrecke.

 An ihrem grauen Gefährt mit Mausgesicht hat die Kinder- und Jugendeinrichtung Herbertzstraße bis kurz vorm Start geschraubt.
An ihrem grauen Gefährt mit Mausgesicht hat die Kinder- und Jugendeinrichtung Herbertzstraße bis kurz vorm Start geschraubt. Foto: Mark Mocnik

Über dem gesamten Startbereich, hoch oben am Hülser Berg, liegt eine erwartungsvolle Spannung. Die Stimmung ist bestens und ein jeder, ob Fahrer, Teammitglied oder Besucher, freut sich auf die Rennen, bei denen es um Speed- und Jux-Klassen geht. In der Lautsprecheranlage knistert es. „Herzlich willkommen zum 19. Seifenkistenrennen am Hülser Berg. Wir bitten alle Fahrer zwecks Besprechung zum Start“, ist die Stimme von Moderator Christoph Etzbach zu hören. 36 Fahrer unterschiedlichsten Alters gehen mit Etzbach die 500 Meter lange Strecke mit der berühmten und mit vielen Strohballen abgesicherten S-Kurve ab. Tipps wie Geschwindigkeit anpassen, Ideallinie finden und nach Möglichkeit nicht in die Strohballenreihen fahren, machen die Runde. Dann ist es soweit.

 Ideallinie finden und nach Möglichkeit nicht in die Strohballenreihen fahren, die Piloten in ihren rasenden Kisten gaben alles.
Ideallinie finden und nach Möglichkeit nicht in die Strohballenreihen fahren, die Piloten in ihren rasenden Kisten gaben alles. Foto: Mark Mocnik

Die erste Seifenkiste wird die sieben Meter lange und 2,50 Meter hohe Startrampe hinaufgeschoben. Die Absperrung, die ein Herunterrollen verhindert, klappt nach oben. Ein letzter Kontrollgriff an den Helm, ob alles sitzt und ein Nicken erfolgt. Mit einem Krachen schlägt die Klappe herunter und die Seifenkiste schießt los. Kaum den Startbogen durchquert, startet die Zeitmessung. Doch es ist letztendlich nicht die Zeit, die ausschlaggebend ist. Vielmehr ist es der Spaß, den alle bei dem Event haben. „Unser Seifenkistenrennen ist für die ganze Familie gedacht. Alle sollen einfach einen schönen ersten Sonntag nach den Sommerferien haben“, sagt Organisatorin Anne Caniels. Kiste nach Kiste startet. Ob Sophie, die in einem schwarzen Hightech-Rennwagen sitzt oder Pierre, der in seiner Seifenkiste auf einem echten Rennwagensitz Platz genommen hat oder Karina, die einen weißen Sportwagen Oppum Vice, angelehnt am Miami Vice steuert – ein jeder ist voller Begeisterung dabei.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Tollkühne Kids in rasenden Badewannen