Krefeld: Seidenweberhaus vor Abriss

Krefeld : Seidenweberhaus vor Abriss

Wegen Brandschutzmängeln und schlecht isolierter 10 000-Volt-Stromkabel muss das Haus dringend saniert werden. Mindestens 10 Millionen Euro kostet das langfristig. Seit gestern fordert die Politik kollektiv den Abriss.

Die städtische Veranstaltungshalle Seidenweberhaus entspricht nicht mehr den Sicherheitsanforderungen. Dies geht aus einem Kurzbericht der Stadtverwaltung hervor, den die Politik gestern im Finanzausschuss diskutiert hat. Rettungswege und Feuerleitern genügen nicht den Brandschutzbestimmungen — kurzfristiger Investitionsbedarf: 1,2 Millionen Euro. Gefahr geht auch von 10 000-Volt-Stromkabeln aus, deren Isolierung laut Verwaltung "völlig veraltet" ist.

Zusätzlich kann Wasser in die Technik-Räume eindringen und TÜV-Mängel der elektrischen Anlage und Sicherheitslichtanlage müssen behoben werden. SPD-Fraktionschef Ulrich Hahnen warnte, dass bei Personenschäden dort auch die Krefelder Stadtverwaltung ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten könnte.

"Man muss als Verwaltung besonders nach der Sicherheitsdiskussion bei der Love Parade besonders achtsam sein." CDU-Fraktionschef Fabel sagte: "Wo Sicherheitsmängel bestehen, muss gehandelt oder dichtgemacht werden."

Oberbürgermeister Gregor Kathstede räumte ein: "Wir machen uns seit längerem Gedanken um das Seidenweberhaus, es ist keine Dauerlösung mehr." Er habe bereits Gespräche mit Investoren geführt, die ein neues Seidenweberhaus bauen wollen, laut Kathstede "mit Hotel auf dem Dach" — Walter Hellmich von der Hellmich GmbH hatte zuletzt gegenüber unserer Zeitung bestätigt, dass er parallel zum Neubau für das Stadthaus auch ein größeres Projekt mit dem Seidenweberhaus realisieren würde. Kathstede hat auch schon Gespräche mit SWK-Chef Carsten Liedtke geführt: Die Verwaltung möchte eine SWK-Halle als Ausweichspielstätte für das Seidenweberhaus nutzen, wie zuletzt beim "Theater auf Zeit."

Der Tagesordnungspunkt "Seidenweberhaus" sollte eigentlich im "nichtöffentlichen Teil" der Sitzung erläutert werden — ohne Beisein von Presse und Bürgern. FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann forderte Öffentlichkeit für das Thema. Die Politik muss jetzt entscheiden, ob sie im ersten Schritt die von der Verwaltung veranschlagten 310 000 Euro bewilligen will; das Geld ist im Haushalt nicht eingestellt. Rasant nahmen angesichts der mehr als 10 Millionen Euro, die darüber hinaus langfristig investiert werden müssen, die Politiker Abschied vom Seidenweberhaus.

CDU-Fraktionschef Fabel sagte: "Die Sanierung wird so teuer, dass es keine politische Mehrheit geben wird. Wir müssen eine Entscheidung rechtzeitig treffen, bevor das Haus Denkmal ist." Grünen-Fraktionschefin Stefani Mälzer: "Das Haus ist nicht mehr zu halten." UWG-Fraktionschef Ralf Krings: "Das Haus gehört abgerissen." FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann trat auf die Bremse. "Das ist ein klassisches Thema des Gebäudemanagements." Jetzt soll der Bauausschuss weiter entscheiden.

Soll das Seidenweberhaus abgerissen werden? Schreiben Sie uns hier Ihre Meinung.

(RP/rl)
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