Krefeld: Seidenweberhaus-Chef alarmiert: 78 Prozent weniger Besucher erlaubt

Krefeld : Seidenweberhaus-Chef alarmiert: 78 Prozent weniger Besucher erlaubt

Früher konnten bis zu 4500 Personen im Seidenweberhaus feiern. Die Brandschutzauflagen senken die Kapazität derzeit auf nur noch 1000 Personen – und dies nur bei sieben Brandwachen vor Ort.

Früher konnten bis zu 4500 Personen im Seidenweberhaus feiern. Die Brandschutzauflagen senken die Kapazität derzeit auf nur noch 1000 Personen — und dies nur bei sieben Brandwachen vor Ort.

Das städtische Seidenweberhaus GmbH hat unter den behördlichen Brandschutz-Auflagen immer stärker zu leiden. Darauf macht Paul Keusch, Geschäftsführer der GmbH aufmerksam. "Früher konnten bis zu 4500 Leute im Seidenweberhaus feiern, zwischenzeitlich waren wir bei einer Maximalzahl von 800 angelangt", sagt Keusch. Weil die Seidenweberhaus GmbH derzeit sieben Brandwachen pro Veranstaltung garantieren kann, ist die Kapazität auf 1000 Besucher erhöht. Dies geht aus dem "Lagebericht 2012" hervor, der jetzt veröffentlicht wurde.

Die neue Kapazitätssenkung hat gravierende Konsequenzen für Krefelder Vereine, die im Seidenweberhaus feiern. Früher wurde die Halle für Altweiberpartys oder Ü30-Partys gebucht — Festivitäten in dieser Größenordnung kann es dort künftig nicht mehr geben. "Das Geld aus diesen Veranstaltungen fehlt uns", sagt Paul Keusch, der seinen Vertrag als Geschäftsführer gerade um fünf Jahre verlängert hat.

Die hohen Brandschutzauflagen werden auch in die Debatte um den Neubau einfließen: Krefeld diskutiert derzeit den möglichen Abriss der Halle, die noch aus dem Jahr 1975 stammt. Je mehr Geld jetzt in den brandschutzgerechten Ausbau investiert wird, desto mehr Argumente gibt es auch dafür, das Seidenweberhaus zu erhalten.

Die neue Zuschauerentwicklung hat auch Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Situation der Seidenweberhaus GmbH, zu der neben dem Seidenweberhaus auch der König-Palast gehört. Die GmbH hat im vergangenen Geschäftsjahr 2,9 Millionen Euro Verlust gemacht. Damit liegt das Ergebnis noch unter der ersten Kalkulation, die Keusch im April in unserer Zeitung geäußert hatte. 2012 lag der Verlust bei 2,8 Millionen Euro. Ein Großteil des Verlustes entsteht durch die zwei Millionen Euro teure Pacht des König-Palastes. Die Seidenweberhaus GmbH hat den König-Palast von der Bau GmbH angemietet. Bis 2034 muss laut Plan noch Pacht gezahlt werden.

Die fehlenden Millionen müssen aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden. Keusch rechnet damit, dass auch in den kommenden Jahren durch die Stadt Zuzahlungen erfolgen werden. "Für den Fortbestand der Gesellschaft mit der dauerhaften Verlustsituation sind die Zuzahlungen der Alleingesellschaft unverzichtbar. Das Ausbleiben dieser Mittel führt unmittelbar zur Bestandsgefährdung", heißt es im neuen Lagebericht. Der wirtschaftliche Erfolg werde maßgeblich durch das Abschneiden der Pinguine bedingt. Auch ein Prozess gegen die Krefelder Pinguine wegen des Ticket-Verkaufs (wir berichteten) könnte künftig Einfluss auf das wirtschaftliche Ergebnis haben.

Im Seidenweberhaus wurde laut Bericht das Geschäftsziel nahezu erreicht. Höhere Verluste als geplant entstanden aber im König-Palast, bedingt durch steigende Energiepreise vermehrte Veranstaltungskosten und ungeplante Personalaufwendungen. Auch in den nächsten Jahren werden dort laut Geschäftsführer Paul Keusch Verluste entstehen. "Das Jahresergebnis wird auch zukünftig wesentlich durch die Pachtaufwendungen entsprechend dem Pachtvertrag über den König-Palast bestimmt", heißt es im Bericht. Großes Risiko: Der aktuelle Mietvertrag der Pinguine mit dem König-Palast läuft nur noch bis Juni 2016.

(RP/rl)
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