Krefeld: Schütze vom Südwall vor Gericht: "Wollte ihn nur einschüchtern"

Krefeld : Schütze vom Südwall vor Gericht: "Wollte ihn nur einschüchtern"

Im Mai wurde am Südwall ein Mann vor seinem Lokal angeschossen - der Schütze gestand am Dienstag die Tat.

Wegen versuchten Mordes muss sich seit gestern ein Kosovare vor der Schwurgerichtskammer des Krefelder Landgerichts verantworten. Im Mai hatte er einen Landsmann vor dessen Lokal auf dem Krefelder Südwall mit mehreren Schüssen schwer verletzt. Er habe geplant, ihn zu verletzen, ließ der 23-Jährige gestern durch seinen Verteidiger einräumen.

Eine Tötungsabsicht streitet der freundlich und aufgeschlossen wirkende junge Mann indes ab. Schüsse waren nicht nur vor dem Café, sondern auch bei der anschließenden Verfolgungsjagd des Angeklagten über die Luisenstraße gefallen. Zwei Autos und ein Schaufenster wurden beschädigt. Mehrere Projektile konnten sichergestellt werden. Der 28-Jährige hatte trotz eines Durchschusses durch die Hüfte die Verfolgung aufgenommen. Er entkam und wurde erst elf Tage später festgenommen. In seine Heimat hatte sich der Täter absetzen wollen.

Sowohl der Angeklagte als auch der Geschädigte machten Angaben. Bedrohungen - auch mit Waffen - habe es zuvor gegeben. Auf beiden Seiten. Und man beschuldigte sich gegenseitig. Sogar die Familien beider Seiten hatten sich eingemischt - bei einem Streit um den Verkauf eines Autos.

Nur um Kleinigkeiten soll es damals gegangen sein: Der Bruder des Angeklagten hatte vom Bruder des Gastwirts ein Auto gekauft und keine Rechnung erhalten. Da der Pkw in den Kosovo gebracht werden sollte, hatte der Bruder des Gastwirts eine Gewährleistung ausschließen wollen. Damit waren die Käufer nicht einverstanden: Sie forderten ihr Recht mit Nachdruck und Drohungen ein.

"Ich war der Meinung, dass ich ihn einschüchtern müsse, damit die Familie Ruhe gibt" sagte der 23-Jährige. Er sei ein guter Schütze, den Umgang mit Waffen habe er in seiner einjährigen Militärausbildung im Kosovo gelernt. Daher habe er absichtlich so zielen können, dass er seinen Gegner nur verletzte. Ein weiterer Grund, seinen Landsmann nicht zu töten, sei die Blutrache der Familie gewesen, die ein Mord zur Folge gehabt hätte.

Die Aussage des Opfers überraschte. Er wolle eigentlich gar nicht, dass die Justiz die Sache weiter verfolge, so das Fazit seiner Schilderungen. "Wir haben das zwischen den Familien geklärt", sagte er. Darum habe er den Namen des Angeklagten auch zunächst nicht preisgegeben. Seine Familie habe trotz des Angriffs bewusst auf Blutrache verzichtet.

Als er den Tatabend vor Gericht Revue passieren ließ, merkte man dem ruhig wirkenden Mann schließlich seine Panik an: "Ich dachte in dem Moment, es ist vorbei und bin um mein Leben gerannt." Ein Gast habe geschrien: "Geh in Deckung!", da hörte er auch schon einen Schuss. Er sei gestürzt und habe zunächst an einen Amokläufer geglaubt. Dann erkannte er den Angeklagten. Dass er von Schüssen getroffen wurde, habe er erst gar nicht gemerkt und den Mann verfolgt. Mehrere Schüsse hätten sich zum Glück nicht gelöst.

Die Staatsanwältin wirft dem 23-Jährigen versuchten Mord aus niedrigen Beweggründen und heimtückisches Vorgehen vor. Der Prozess am Krefelder Landgericht wird am 17. November fortgesetzt.

(RP)