Krefeld: Schönhausen-Chor besingt tiefe Gedanken

Krefeld: Schönhausen-Chor besingt tiefe Gedanken

Wie aus fernen Zeiten und fremden Sphären klang das Programm an manchen Stellen - wundervoll.

Tief in die Seele hineinfließenden Chorklang mit Werken, die in ihrer Klanglichkeit zeitlose Modernität mit Zeitgeist und alles überspannender Emotionalität verbinden, gab es Palmsonntag in der alten Pfarrkirche in Fischeln zu erleben. Der Schönhausen-Chor, der just vor 60 Jahren zum ersten Mal öffentlich auftrat, entzückte das Publikum in St. Clemens mit stimmlicher Qualität, einer schönen Dosis Überschwang und trefflichster klanglicher Balance. Dabei gab es sowohl genügend Raum, um die neue Scholz-Orgel - gespielt von Hans-Jakob Gerlings - zu feiern, als auch zusammen mit der instrumentalen Begleitung durch das Ensemble Sonare Neuss auf den postmodern geformten Flügeln moderner Chorliteratur in interpretatorische Lüfte emporzusteigen: mit John Rutters Requiem. Ein Werk des 1945 in London geborenen Komponisten und Chorleiters, das ganz in der chorischen Tradition seines Landes wurzelt, aber das Sujet eines Requiems - wie schon große Namen zuvor, so etwa Fauré - in besonderer, neuer Perspektive deutend mehr tröstenden Zugang zu der Gattung sucht. So sind große Teile der liturgischen Vorgaben der Totenmesse durch Psalm-Texte aus dem Book of Common Prayer ergänzt und wiederum auch, von Fall zu Fall, gekürzt. Viel ästhetischer Raum, in dem auch Sopransolistin Elisa Rabanus sich in den großen Fluss dieser betörend komponierten Musik einfügen konnte.

Der Anfang des Konzertes setzte schon ein Signal; andeutend, dass der Chor, mit viel Überzeugungskraft geleitet von Joachim Neugart, in frischen Klängen auch abseits gewohnter Pfade sich richtig wohl fühlt. Mit der Weltzweitaufführung von Emil Råbergs "Dubito" - "zweifeln" oder "nachdenken" - für achtstimmigen Chor und Akkordeon. Die Tiefen wirken dunkel und schwer, und doch so leicht, wie sie nach oben drängen, sich erlösend öffnen - all das gefasst in eine Akkordeon-Begleitung, sehr schön in Szene gesetzt von Marko Kassl. Erinnerungen werden wach, vielleicht an Filmmusik, vielleicht an weit zurückliegende Ereignisse, vielleicht aus einer weit entfernten Zeit? Pulsierende Phrasen, exaltiert sich hinaufwindend, bewegen schwebende Harmonien. Diese Musik geht schnell ins Herz und lässt die Fantasie des Zuhörers weitschweifend Reisen durch die musikalische Erinnerungswelt antreten - mit einer packend interpretierten, Rückbesinnung auf Bach an der Orgel ("Aus tiefer Not schrei ich zu Dir"), als Gegenpol. Natürlich gab es reichlich Applaus.

(RP)
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