1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Krefelder Hafen: Schmetterling kann Ausbau gefährden

Krefelder Hafen : Schmetterling kann Ausbau gefährden

Der Ameisenbläuling, ein weltweit äußerst seltener Schmetterling, hat bereits beim Bau der Flughafenbrücke eine wichtige Rolle gespielt – jetzt macht er erneut Schlagzeilen.

Der Ameisenbläuling, ein weltweit äußerst seltener Schmetterling, hat bereits beim Bau der Flughafenbrücke eine wichtige Rolle gespielt — jetzt macht er erneut Schlagzeilen.

Dieter Porschen und der vom Aussterben bedrohte Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling sind alte Bekannte, Freunde werden sie wohl nicht mehr. Der Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat mit der raren Schmetterlingsart schon vor rund 15 Jahren Bekanntschaft gemacht. Damals hatte der Falter, der nur in Symbiose mit der Roten Knotenameise und dem Großen Wiesenknopf überlebensfähig ist, fast den Bau der A44-Flughafenbrücke gestoppt.

Porschen fürchtet aktuell, dass eine Population des Ameisenbläulings in der Spey am Rheinufer den Ausbau des Krefelder Hafens und entsprechender Erschließungsstraßen gefährden könnte. "Aus Sicht der IHK sollte daher geprüft werden, ob überhaupt ein politischer Auftrag vorliegt, der die beteiligten Stellen legitimiert, aktiv eine zusätzliche Art in dem Naturschutzgebiet ,Die Spey' anzusiedeln", schreibt er an Oberbürgermeister Gregor Kathstede. CDU-Fraktionschef Wilfrid Fabel sprang mit auf den Zug und regte schriftlich an, "die Durchführung weiterer Maßnahmen sofort zu stoppen" (wir berichteten).

Wie schon beim Bau der Flughafenbrücke mit der Autobahn 44 durch Meerbuschs größtes Naturschutzgebiet Ilvericher Rheinschlinge sind beim Hafen mit der Stadt Meerbusch, der Stadt Krefeld, der IHK und diverser Umwelt- und Naturschützer die gleichen Parteien beteiligt wie damals.

Die Historie

Auf der Autobahntrasse war seinerzeit eine Population des weltweit raren Schmetterlings entdeckt worden. In einem Gutachten zur Flora und Fauna kamen die Experten zum Ergebnis, dass der Bau der Autobahn nach den Bundesnaturschutz- und Landschaftsgesetzen nicht realisiert werden dürfe. Das Gutachten war damals allerdings unter Verschluss geblieben. Schlagzeilen schrieb der Schmetterling erst wieder, als die Bundesrepublik Deutschland in Brüssel verklagt worden war, weil sie europäisches Recht nur sehr zögerlich in nationales Recht umzusetzen bereit war. Es ging um die so genannte Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH-Gebiete). Im Anhang der Klage wurde das Autobahnprojekt durch Meerbusch explizit aufgeführt. Es war der heutige Landtagsvizepräsident Oliver Keymis (Die Grünen), der in den 90er-Jahren bis zur Eröffnung der Brücke im Juni 2002 dem Protest der Bürgergemeinschaft Stopp A44 vorstand.

Die Brücke und die Autobahn wurden bekanntlich gebaut und versucht, den Schmetterling mit einem rund 100.000 Euro teuren Programm umzusiedeln. Ohne Erfolg. Nach der Zerstörung des natürlichen Lebensraums blieben die rund 1000 Tiere unauffindbar. Jahre später entdeckten Fachleute den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling im Latumer Bruch, am Buersbach, in der Ilvericher Altrheinschlinge und in der Spey. Der seltene Falter muss also gar nicht erst angesiedelt werden. Er ist schon da. Im Zusammenhang mit der Deichsanierung dort hieß es bereits vor fünf Jahren, auf "Höhe des Naturschutzgebietes Spey bleibt der Deich zum Teil in seinem jetzigen Zustand erhalten, weil dort ein weltweit vom Aussterben bedrohter Schmetterling lebt".

Die Natura-2000-Gebiete

Porschen und Fabel dürfte klar sein, dass in der Unteren Landschaftsbehörde der Stadt Krefeld keine Eigenmächtigkeiten erfolgt sind, sondern die Umsetzung des Programms Natura 2000 unter Führung des Landesumweltministeriums realisiert wird, für das die EU nach Schätzungen jährlich 3,4 bis 5,7 Milliarden Euro aufwendet. Für die Stadt Krefeld hat das Land vier Natura-2000-Gebiete vorgeschlagen, die EU hat entsprechend neben der Spey, den Egelsberg, den Latumer Bruch mit Buersbach, Stadtgräben und Wasserwerk sowie die Rhein-Fischschutzzone ausgewiesen.

Die Spey hat die Projektnummer DE-4606-301 und umfasst ein Gebiet von 106 Hektar Größe in Krefeld und dem angrenzenden Meerbusch-Nierst. Das "reich strukturierte Gebiet liegt in der rezent überfluteten Rheinaue und ist wald- und grünlandbetont. Silberweidenwälder einschließlich ihrer Vorwaldstadien, Schlammuferfluren, ein aus einer Nassabgrabung hervorgegangenes Restgewässer im Kontakt zum Rhein, offene Sand- und Kiesflächen und feuchte Hochstaudenfluren bilden einen naturnahen Biotopkomplex im Kontakt zu Wiesen- und Weidegrünland sowie kleinflächig Acker", charakterisiert das Landesumweltministerium das Areal in Krefeld, auf dem feuchte Hochstaudenfluren, Glatthafer- und Wiesenknopf-Silgenwiesen sowie Erlen-, Eschen- und Weichholz-Auenwälder von besonderem Interesse nach der FFH-Richtlinie seien.

(anch)