"Schlüffken": Krefeld hat eine neue Bierspezialität

Krefeld : Schlüffken-Brauerei eröffnet

Krefeld und der Nordbahnhof sind um eine Attraktion reicher: Die Familie Furth hat gestern die Brauerei Schlüffken eröffnet. Sie liegt im Trend: Deutschlandweit sind qualitätvolle, lokale Hausbrauereien beliebt und erfolgreich.

Krefeld ist um eine Hausbrauerei und eine Bierspezialität reicher: Vor rund 300 Gästen ist gestern die neue Schlüffken-Brauerei neben dem „Nordbahnhof“ eröffnet   und das Altbier, das dort als „Schlüffken-Alt“ gebraut wird, der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Es wird auch ein Schlüffken-Pils geben, das jedoch noch einige Wochen zur Reifung braucht. Für die Familie Furth um Vater Viktor und seine Kinder Anne und Johannes  ist das Projekt beides: ein beachtliches unternehmerisches Wagnis und ein Stück Familiengeschichte.

Blick in die hohe, helle und einladende Schankhalle der Brauerei Schlüffken. An der Wand erkennbar das Logo der Brauerei. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Die Familie Furth ist überzeugt von der Zukunftsträchtigkeit ihrer Idee, obwohl der Bierkonsum aufs Ganze der letzten Jahrzehnte zurückgegangen ist. „Optimismus, Lebensfreude und Geselligkeit bleiben Merkmale des Niederrheiners“, sagte Vater Furth. Die Idee einer kleinen, handwerklich qualitätvollen, lokal angesiedelten  Hausbrauererei ist – davon sind die Furths überzeugt – erfolgversprechend: „Bier braucht Heimat“, sagte Viktor Furth in seinem Grußwort, „hier wird keine altdeutsche Gemütlichkeit gepflegt, sondern ererbte Bier- und Lebensqualität in ein Konzept der Zukunft übertragen.“

Blick auf die 1-Liter-Flaschen und das Emblem der neuen Schlüffken-Brauerei. Die Flasche kostet 2,80 Euro plus zwei Euro Pfand. Foto: Jens Voß/Voß, Jens

Die hohe, helle, in dezent warmen Farben gehaltene Halle, die der eigentlichen Brauerei vorgelagert ist, zeigt, was Furth meint: Der Stil ist modern und frisch. Die Brauerei ist in Edelstahl gehalten; die 1-Liter-Flaschen wiederum, in denen man das Bier künftig kaufen kann, strahlen mit ihrem Bügelverschluss und leichtem Retro-Look heimelige Gediegenheit aus.

„Bier braucht Heimat“, sagte Vater Viktor Furth in seinem Grußwort zur Eröffnung. Die Brauerei ist modern und in Edelstahl gehalten. Dort wird Alt und Pils gebraut. Die erste Charge Pils braucht noch ein paar Wochen. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)

Für die Familie Furth geht damit eine beeindruckende Geschichte weiter: Er habe vor knapp 30 Jahren wie seine Kinder heute in einer Zeit auf das Norbahnhof-Konzept gesetzt, als in Deutschland deutlicher Gaststättenschwund vorherrschte, berichtete Vater Viktor. „Trotzdem haben wir das Projekt Nordbahnhof gewagt“, sagte er – der Rest ist bekannt, es wurde eine Erfolgsgeschichte.

Blick auf die 1-Liter-Flaschen und das Emblem der neuen Schlüffken-Brauerei. Die Flasche kostet 2,80 Euro plus zwei Euro Pfand. Foto: Jens Voß/Voß, Jens

Die Schlüffken-Brauereigründung findet auf den ersten Blick in einem vergleichbaren Abwärtstrend statt: Der Bierkonsum der Deutschen lag 1976 bei  151 Liter pro Jahr und Kopf und liegt heute bei 101 Liter. Aber: Hausbrauereien sind auf dem Vormarsch und erfolgreich. „In den vergangenen fünf Jahren sind in Deutschland 150 kleine lokale Brauereien entstanden“, sagte Viktor Furth. Übrigens: Diesen Trend gibt es auch in den USA, berichtete Marketing-Fachmann Friedrich Berlemann, der als Vorsitzender der Zoofreunde zu den Gästen der Eröffnung gehörte. „Dort hat jede Stadt zwei, drei kleine Hausbrauereien“, sagte er  – während die Großen in der Krise seien, wachse die Zahl der „micro breweries“.

  Anne und Johannes Furth berichteten in ihren Grußworten über die gründliche, mindestens dreijährige Vorbereitung der Investition: Beide haben Betriebswirtschaft studiert; Johannes hat in Italien eine Kochausbildung gemacht, dann an einer Fachhochschule Brauereiwesen studiert, wo er in seinem Kommilitonen Mario Röhm den heutigen Braumeister der Schlüffken-Brauerei kennenlernte. Anne Furth hat unter anderem in einer Münchener Hausbrauerei gelernt und gearbeitet. „Wir schnupperten in der Bierszene an vielen Stellen der Welt“, resümierte Anne in ihrem Grußwort; die Szene sei faszinierend, auch um der „Lockerheit“ willen; so reifte der Entschluss, „Bier zeitgemäß zu interpretieren“.

Und wie schmeckt das neue Altbier nun? Das Urteil der Bierfreunde an diesem Vormittag, der musikalisch von der Schmackes Brass Band begleitet wurde, fiel einhellig aus: fabelhaft. „Es ist von einer erfreulich lockeren Süffigkeit“, sagt etwa Youssuf Birker, „die feinherbe Note kommt im Abgang wunderbar.“ „Ein sehr gelungenes Altbier“, sagte Christoph Wefers, und  Karl Müller, Bockumer und Krefelder Urgestein, meinte: „Das Bier ist so, wie sich ein Altbierfreund Altbier wünscht: hopfig, feinherb, nicht zu malzig.“

Optimistisch auch das Schlusswort von Viktor Furth: Wenn 230.000 Krefelder 101 Liter Bier pro Kopf und Jahr trinken, würden in Krefeld im Jahr gut 23 Millionen Liter Gerstensaft getrunken, rechnete er vor -  „da sollte es doch möglich sein, diese Brauerei auszulasten“.           

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