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Krefeld: Schiedsämter immer gefragter

Krefeld : Schiedsämter immer gefragter

Viele Krefelder scheuen bei Streitfällen den Weg zum Anwalt – und wenden sich lieber wieder an eines der elf Schiedsämter der Stadt. 2009 ist deren Zahl der zu schlichtenden Fälle um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Streit unter Nachbarn, Beleidigung, Bedrohung oder auch Körperverletzung – immer mehr Krefelder sind im vergangenen Jahr bei Streitfällen nicht vor Gericht gezogen, sondern haben sich an eines der insgesamt elf Schiedsämter in der Stadt gewandt. Die Zahl der Streitfälle, in denen Krefelder Schiedsmänner und -frauen schlichten mussten, stieg 2009 um 21,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten die Schiedsleute in 123 Fällen helfen.

"Viele Bürger wählen den Weg zu uns, weil sie sich die Kosten nicht mehr leisten können", sagt Heinz-Günther Roeder, Pressesprecher der Krefelder Schiedsleute und Vorsitzender der Bezirksvereinigung Krefeld-Moers des "Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen". In den vergangenen Jahren seien die Zahlen immer rückläufig gewesen, Leute haben sich meist darauf verlassen, notfalls vor Gericht Recht zu bekommen, beklagt der 70-Jährige, der seit 18 Jahren ehrenamtlich als Schiedsmann im Bezirk Krefeld-West tätig ist. "Selbst wenn man aber vor Gericht Recht zugesprochen bekommt, bleibt aber zum Beispiel der Frieden unter Nachbarn auf Dauer gestört."

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Durch ein viel stärkeres Zusammenspiel mit der Polizeibehörde und der Staatsanwaltschaft konnte im Vorjahr die Arbeit der Schiedsmänner wieder stärker ins Bewusstsein der Krefelder gerückt werden. Die Statistik zeigt, dass die Arbeit fruchtet: Krefeld ist die einzige Stadt in Nordrhein-Westfalen, die 2009 einen Zuwachs an zu schlichtenden Streitfällen für die Schiedsämter verzeichnen konnte. "Immer mehr Krefelder merken, dass sie beim Schiedsamt schnell und unbürokratisch Hilfe bekommen, ohne dafür viel Geld zu bezahlen", weiß Roeder.

Erfolgreiche Schlichtung

So funktioniert eine Streitschlichtung: Der Antragssteller muss eine Vorausszahlung von rund 50 Euro aufbringen. In begründeten Einzelfällen kann die Gebühr vom Schiedsamt erlassen und von der jeweiligen Gemeinde übernommen werden. Der Schiedsmann lädt beide Parteien zu einem Gespräch zu sich ein, in dem die Betroffenen ihre Sicht der Dinge schildern können."Oft stellt man dabei fest, dass die beiden Parteien Jahre lang nicht mehr miteinander gesprochen haben und sich so viel frust angestaut hat", sagt Roeder. Der Schiedsmann, der sich regelmäßigen Schulungen unterziehen muss, beurteilt die Situation, gibt eine rechtliche Bewertung ab und macht einen Vorschlag zur Einigung.

In den meisten Fällen endet der Streit mit einem Vergleich, ohne einen gütlichen Vergleich sehen sich die Streithähne doch noch vor Gericht wieder. "Viele Bürger reizen die Grenzen bis aufs Äußerste aus, weil auch das Ergebnis ungewiss ist – das muss nicht sein", sagt der Schiedsmann. Rücksichtnahme auf andere sei vielen einfach nicht mehr wichtig. Roeder: "Es beißt sich zwar, aber ich wäre froh, wenn es in Zukunft einfach weniger Streitfälle geben würde."

(RP)