Scheidung per Moderation: Anwälte aus Krefeld berichten

Krefeld : Im Trend: Scheidung per Mediation

Scheidungsregelungen werden komplizierter. Auch deshalb, weil Väter Kinder mehr mitbetreuen. Mediationsverfahren sind ein Weg, einvernehmliche Vereinbarungen zu finden. Sie helfen auch, das Trauma einer Trennung aufzuarbeiten.

Eigentlich ist es ein positives Phänomen in traurigen Geschichten des Scheiterns: Die Zeit der Rosenkriege neigt sich dem Ende zu. Die Zahl der Scheidungen sinkt, und auch die Art der Auseinandersetzungen verändert sich. Eheleute kümmern sich nach der Trennung zunehmend gemeinsam um die Kinder, Väter engagieren sich mehr und mehr. Damit werden auch Absprachen und Umgangsregeln komplizierter. Dies ist der Hintergrund, vor dem das Verfahren der Mediation an Gewicht gewinnt. Dabei verhandeln speziell ausgebildete Mediatoren mit den Eheleuten die Modalitäten der Trennung aus. „Die Mediation kann im Wesentlichen den Prozess vor dem Familiengericht ersetzen, so dass der Richter letztlich nur noch die Scheidung aussprechen muss“, sagt Ruth Rosendahl, die wie ihre Kollegin Ines Dönitz zu den Krefelder Anwälten mit Mediationsausbildung gehört.

Auch die Politik hat auf die veränderte Realität in den Familien reagiert. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will Väter von Trennungskindern rechtlich besserstellen. Die SPD-Politikerin kündigte Reformen beim Unterhalt an. Es gehe nicht an, „dass der Vater weiterhin den vollen Unterhalt zahlen muss, auch wenn das Kind viel Zeit bei ihm verbringt und sogar ein eigenes Zimmer bei ihm hat“. Das Recht müsse hier der gesellschaftlichen Realität angepasst werden.

Rosendahl und Dönitz sind Anwältinnen. Sie haben die „DialogwerkstattKrefeld“ gemeinsam gegründet und sich auf anwaltliche Konfliktberatung mit Mediation, Supervision, Coaching und Rechtsberatung spezialisiert. Beide haben Jura studiert und Zusatzausbildungen in Mediation absolviert.

Früher, berichten beide, sei der Standard gewesen: Kinder bei der Mutter, Vater zahlt Unterhalt, der in der Düsseldorfer Tabelle geregelt wurde. Doch die Lebensvielfalt sei größer, die Rolle der Väter anders geworden, resümiert Rosendahl. „Die starren gesetzlichen Regeln passen immer seltener. Ziel eines Mediationsverfahrens ist es, dass Eltern Regeln finden, die zu ihnen passen“, sagt Dönitz. Unter Umständen gilt es dabei sogar, die Rolle der Großeltern bei der Kinderbetreuung zu berücksichtigen. „Wer in ein Mediationsverfahren geht, geht von einer wichtigen Voraussetzung aus: Man strebt eine einvernehmliche Lösung an“, sagt Dönitz, die Gesprächssituation vor Gericht erschwere die Lage oftmals.

Dennoch: Natürlich bleibt auch in der Mediation die Trennungskrise brisant. Daher umfasst die Ausbildung zum Mediator neben rechtlichen auch psychologische Aspekte. Die Gespräche mit den Mediatoren sind immer auch ein wichtiger Teil der Trauma- und Trauer-Bewältigung einer gescheiterten Ehe. „In solchen Gesprächen wird oft die Kommunikationsfähigkeit zwischen Paaren, die irgendwann unfähig wurden, wirklich miteinander zu reden, wiederhergestellt“, berichtet Rosendahl. Darum werden von Anfang an Regeln der Kommunikation aufgestellt. „Wir übersetzen ganz viel, was ein Partner eigentlich zum Ausdruck bringen will; wir spiegeln Verhalten und formulieren um; wir helfen, in die Vogelperspektive zu gehen: Wie erleben zum Beispiel Nachbarn oder Freunde ein Paar in der Trennungsproblematik?“, berichtet Dönitz. Dieser Perspektivwechsel erleichtere oft die Suche nach Lösungen. Das alles läuft nicht immer glatt und ruhig ab. „Es gibt auch Eskalationen, die soweit gehen, dass ein Partner das Zimmer verlässt, bis man wieder reden kann“, berichtet Dönitz.

Zu den Ausnahmen gehört es, dass Paare über einen solchen Mediationsprozess wieder zueinanderfinden und die Trennung überdenken. Das ist aber kein geheimes Ziel der Mediation. „Es geht um Interessen und Interessenausgleich; es geht darum, dass Paare, deren Beziehung gescheitert ist, einen Weg finden, um gemeinsam wieder als Eltern zu funktionieren und etwa die Betreuung der Kinder gut zu regeln“, sagt Rosendahl.

Anwaltliche Mediationsverfahren sind nicht nur bei Scheidungen möglich; „es gibt sie im Strafrecht, bei Nachbarschaftsstreitigkeiten, am Arbeitsplatz oder in der Wirtschaft“, sagte Dönitz. Noch ist es so, dass die Kosten dafür die Parteien übernehmen müssen. Mit Blick auf die aktuelle Initiative der Bundesfamilienministerin hoffen Rosendahl und Dönitz, dass die Parteien künftig analog zur Prozesskostenhilfe bei Bedarf vom Staat unterstützt werden.

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