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Krefeld: Ryokan reißt Publikum von den Sitzen

Krefeld : Ryokan reißt Publikum von den Sitzen

Der elfjährige Krefelder Musiker begeisterte beim Konzert zur Deutschen Einheit mit den Sinfonikern.

Mit Franz Schuberts Ouvertüre zu "Alfonso und Estrella" eröffneten die Niederrheinischen Sinfoniker ihr Konzert zum Tag der Deutschen Einheit, das in diesem Jahr zugleich Benefiz-Veranstaltung zugunsten der Krefelder Tafel war. Die Oper, die erst lange nach Schuberts Tod uraufgeführt wurde, blieb bis heute erfolglos. Die Ouvertüre indes, die er auch für das Schauspiel "Rosamunde" nutzte, setzte sich durch und passte in ihrem Wechselbad von verspielten und energischen, von fröhlichen und tragischen, lautstarken und besinnlichen Passagen ganz ausgezeichnet zu dem facettenreichen Gedenktag. Und dem Orchester gelang es vorzüglich, diese Wechselhaftigkeit darzustellen.

Mit größter Spannung aber hatte das Publikum im ausverkauften Seidenweberhaus dem Auftritt des erst zwölfjährigen Ryokan Yamakata als Solist am Flügel entgegengefiebert, und der hatte sich für diese Gelegenheit Mozarts Klavierkonzert Nr. 23 A-Dur KV 488 erwählt. Was der Junge leistete, rechtfertigte einerseits die bewundernde Bezeichnung "Wunderkind" und strafte sie andererseits in ihrer Klischeehaftigkeit Lügen. Dem weichen und leichten Anschlag des Interpreten mag man die Kinderhand angehört haben, die Versiertheit aber, mit der er die schönsten Verzierungen in tadellosem Timing meisterte, das wache Gespür für die Führungswechsel zwischen Orchester und Solist auch im gemeinsamen Spiel und das klar zutage tretende Werkverständnis verrieten das junge Alter nicht. Er lebte das Stück mit seinem ganzen Körper, auch wenn seine Finger pausierten, und besonders im Adagio erreichte er ein geradezu zärtliches Verhältnis zum Instrument - und das alles übrigens gänzlich ohne Blatt. Stehende Ovationen waren der Lohn, dazu ein Blumengebinde aus der Hand des scheidenden OB Kathstede, und als Zugabe spielte der junge Mann mit dem Orchester sein erstes selbst komponiertes Klavierkonzert, ein kompaktes und dabei recht vielschichtiges Werk, das für die Zukunft noch Großes erwarten lässt.

Nach der Pause folgte noch Beethovens Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 "Pastorale". Diese hatte der Komponist nie als lautmalerisch die Natur darstellend verstanden wissen wollen, sondern betont, es ginge ihm vielmehr um die inneren Empfindungen des Menschen im Erlebnis der Natur. Keine sehr geschickte Ausrede, wo beide Phänomene doch so eng miteinander verwoben sind. Jedenfalls waren es in der Aufführung der Niederrheiner gerade die deskriptiven Passagen, die am mitreißendsten gelangen.

(RP)