Krefeld: Russischer Honorarkonsul spricht und diskutiert über Russland-Politik

Krefeld: Russischer Honorarkonsul spricht und diskutiert über Russland-Politik

Das politisch interessierte Krefeld erwartet einen ebenso interessanten wie provokanten Gast: Auf Einladung der CDU-nahen Werte-Union Niederrhein, der Jungen Union Krefeld sowie der CDU-Mittelstandsvereinigung wird der russische Honorarkonsul Heino Wiese einen Vortrag halten und sich der Diskussion mit den Gästen stellen. Wiese gehört zum Netzwerk von Alt-Kanzler Gerhard Schröder, der bekanntlich die Sanktionspolitik gegenüber Russland ablehnt und Russlands Präsident Putin regelmäßig gegen harsche Kritik des Westens in Schutz nimmt. Als Wiese 2016 in Hannover zum Honorarkonsul ernannt wurde, schrieb die "Hannoversche Allgemeine" unumwunden, Wiese sei "Moskaus Mann in Hannover". Die Veranstaltung in Krefeld ist am 26. April, 19 Uhr, im Haus Kleinlosen in Verberg.

Wiese dürfte, was die Einschätzung der Russland-Politik Europas angeht, auf einer Linie mit Werte-Union-Sprecher Gerald Wagener liegen. Auch Wagener, der in Russland mit Sportgeschäften ein Vermögen verdient hat, lehnt die Sanktionspolitik gegenüber Russland ab und hält die Putin-Kritik des Westens für überzogen. Wagener ist wie Wiese Mitglied im Deutsch-Russischen Forum.

Wiese kommt in einer Phase, in der das Verhältnis zu Russland auf einem Tiefpunkt ist: wegen der russischen Annexion der Krim, wegen des Giftanschlags auf den russischen Ex-Doppelagenten Skripal und seine Tochter und wegen der Meldungen über Giftgasangriffe im Syrien-Krieg, die dem syrischen Staatschef Assad zugeschrieben werden. Putin wäre - sollte Assad der Urheber sein - mitverantwortlich, weil er Assad gewähren lässt.

Wiese ist SPD-Mitglied und ein enger Weggefährte von Gerhard Schröder. Von 1998 bis 2002 war Wiese Bundestagsabgeordneter, danach Spitzenmanager beim Modeunternehmen s.Oliver, später Unternehmensberater. Er soll den Einstieg des russischen Unternehmers Alexei Mordaschow als Hauptgesellschafter beim Touristikkonzern TUI eingefädelt haben.

In Deutschland gibt es nach Auskunft des Auswärtigen Amtes 453 Honorarkonsularische Vertretungen. Honorarkonsul wird man auf Betreiben des Landes, für das man Konsul wird, und mit Genehmigung der deutschen Regierung. Es ist ein Ehrenamt. Der Begriff hat nichts mit Honoraren zu tun, sondern geht auf lateinisch honor, Ehre, zurück. Als Wiese in Hannover zum Honorarkonsul ernannt wurde, würdigte ihn der russische Botschafter "als wahren und treuen Freund Russlands", berichtete die Hannoversche Allgemeine. Auch der niedersächsische SPD-Ministerpräsident Stephan Weil hatte bei diesem Anlass gefordert, Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu stoppen und die Beziehungen zu Russland zu verbessern.

26. April, 19 Uhr, Haus Kleinlosen, Zwingenbergstr. 116; Eintritt frei; Anmeldung zwingend per Mail an wuniederrhein@t-online.de

(RP)