Krefeld: Russische Ostern auf der Konzertbühne

Krefeld: Russische Ostern auf der Konzertbühne

Werke dreier russischer Komponisten stehen auf dem Programm des fünften Sinfoniekonzert. Am Pult der Niederrheinischen Sinfoniker steht ein Gast aus St. Petersburg: Nikolay Alexeev dirigiert. Solist ist der Cellist Norbert Anger von der Sächsischen Staatskapelle Dresden.

Nach dem gregorianischen Kalender, der in Russland gilt, ist das Osterfest gerade erst verstrichen. Da passt es, wenn die Ouvertüre "Russische Ostern" von Nikolai Rimski-Korsakow das fünfte Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker am Freitagabend um 20 Uhr im Seidenweberhaus eröffnet.

Russland, genauer: St. Petersburg ist im Programm allgegenwärtig, denn auch die Schöpfer der beiden anderen Werke sind russische Komponisten, Schostakowitsch und Tschaikowsky. Und alle wurden in der Zarenresidenzstadt uraufgeführt.

Generalmusikdirektor Mihkel Kütson hat dafür einen renommierten russischen Dirigenten aus Petersburg engagiert. Der dort geborene Nikolay Alexeev wird die Einsätze für die Niederrheinischen Sinfoniker geben.

"Das Programm habe ich mir nicht aussuchen können", gibt Alexeev zu. Aber schwergefallen sei es ihm nicht, dazu Ja zu sagen. "Obwohl - es hätte mich schon gereizt, auch ein deutsches Werk zu dirigieren", ergänzt er.

  • Krefeld : Ein kühler Gast aus Russland

Alexeev wirkt seit 18 Jahren als Vize-Chefdirigent an der Philharmonie St. Petersburg. Auch wenn der Aufführungsstil bei russischen und deutschen Orchestern Unterschiede aufweise, habe er bei den Proben mit den Niederrheinischen Sinfonikern sofort bemerkt: "Die Chemie zwischen uns stimmt!", sagt der Endfünfziger.

So dürfen die Konzertbesucher sich auf authentische Interpretationen einstellen: Das gilt für Rimski-Korsakows Ouvertüre "Russische Ostern", in welcher der Komponist Melodien der orthodoxen Liturgie verarbeitet hat, ebenso wie für Schostakowitschs 1. Cellokonzert Es-Dur. Als Solist wird hier indes kein russischer Künstler antreten, sondern Norbert Anger, Solocellist der Sächsischen Staatskapelle Dresden. "Ich kenne ihn noch nicht", sagt Nikolay Alexeev, "aber das ist bei musikalischen Kooperationen noch nie ein Problem gewesen", so der Gastdirigent.

Komponiert in der "Tauwetterperiode" nach Stalins Tod, versteckt sich hinter der vordergründigen Heiterkeit des Werks gelegentlich bittere Ironie, weiß Konzertdramaturgin Eva Ziegelhöfer. Schostakowitsch litt unter dem künstlerischen Diktat sowjetischer Zensoren, die ihm "Formalismus" vorwarfen. "Dieser Konflikt wird im Westen leider übertrieben", meint Alexeev und verweist darauf, dass Schostakowitsch "viele Stücke voll Humor und Lebensfreude geschrieben" habe.

Was ähnlich auch für seinen Landsmann Tschaikowsky gilt, dessen populäre 5. Sinfonie das Konzert beschließt. Das eröffnende düstere Schicksalsmotiv wandelt sich im Finale zu einem Triumphmarsch.

(RP)
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