Krefeld: Rüdiger Hoffmann - ein Westfale langweilt sich

Krefeld : Rüdiger Hoffmann - ein Westfale langweilt sich

Der Kabarettist gastierte mit seinem schon vor zwei Jahren im Siedenweberhaus vorgetragenen Programm "Aprikosenmarmelade" in der Krefelder Kulturfabrik. Das Publikum mochte es trotzdem.

Es war schon vor zwei Jahren im Seidenweberhaus weder neu noch besonders spritzig gewesen, aber Rüdiger Hoffmann probierte das Programm "Aprikosenmarmelade" mit nur wenigen Abwandlungen am Freitag in der Kufa noch einmal aus. Dass er für einen Auftritt in Krefeld glatt den Mau-Mau-Abend mit Freunden schwänzte, könne besonders sein Kumpel Gisbert gut verstehen, denn sogar dessen Freunde im fernen Australien würden von einer Europareise mit Paris, London und Krefeld träumen.

Als Nächstes kam die Geschichte vom romantischen Wellness-Weekend im Sauerland, das von Anfang an daneben ging, weil die Klangschalenmassage seine Kopfschmerzen noch verstärkt statt beseitigt und eine anschließende Anwendung mit Kerzen in den Ohren ihm Schädel und Gesicht versengt habe. Nicht besser lief ein Doppeldecker von Pärchenurlaub mit seiner Bekannten sowie Olaf und Birthe, den Hoffmann erstmals für den Weg unter die Gürtellinie nutzte. Dabei musste auch der Hund des anderen Pärchens dran glauben, obwohl er brav den Vorwand für das öffentliche und mehrfach wiederkehrende Ausleben des bekannten Hoffmann'schen Flatulenz-Verbal-Fetischismus geliefert hatte.

Ein Wüstenurlaub sei allerdings keine Alternative, denn nach der Freilassung aus der zu erwartenden Geiselhaft bei Terroristen müsse man schließlich auch noch zu Lanz. Übrigens kam Birthe infolge von Olafs Impotenz und dem dadurch erforderlichen Marsch durch die Reproduktionsmedizin auch wieder zu ihrem unverhofft dunkelhäutigen Baby.

Zurück aus der Pause spielte er nach einem Rock'n'Roll auf dem Piano mit dem Klischee von den reisenden Unterhaltungskünstlern, die nach der Show angeblich stets die Sau rauslassen. Bei den Stars der volkstümlichen Musik, witzelte Hoffmann, könne man ja verstehen, dass sie sich selbst nur angeturnt ertragen könnten, er und sein Begleitteam aber kämen aus Paderborn und seien katholisch. Und wenn Paderborner mal ein bisschen Puffatmosphäre schnuppern wollten, würden sie an der nächsten Ampel warten, bis sie auf rot umspringt. Auch sein naives und mimisch begleitetes Lied vom Sonnenblumenkern - "kann man doch mal machen" - kam wieder vor. Das meiste waren nicht nur alte Klamotten, sondern er spulte sie auch so mechanisch ab, dass man statt des gewollt drögen Westfalen eher einen von sich selbst gelangweilten Komiker erlebte. Aber manchmal funktioniert es halt wie bei Oldie-Kapellen: Das Publikum möchte gerade die alten Hits immer wieder hören, und so mangelte es Hoffmann auch diesmal nicht an Beifall.

(RP)
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