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Krefeld: Rotterdam zeigt Campendonk-Nachlass

Krefeld : Rotterdam zeigt Campendonk-Nachlass

Bilder aus den Kunstmuseen und Bilder aus Penzberg, die Krefeld nicht erworben hat, begeistern die Niederländer.

Der Nachlass des Krefelder Künstlers Heinrich Campendonk sorgt in den Niederlanden für Aufsehen: Mehr als 30 Arbeiten, die das Museum in Penzberg — wie berichtet — erworben hatte, stehen im Mittelpunkt einer umfassenden Schau im Rotterdamer Chabot-Museum. Bis zum 2. März 2014 erinnert die Ausstellung an den Maler, der — von den Nationalsozialisten vertrieben — von 1935 bis zu seinem Tod 1957 in Amsterdam lebte und dort eine Professur innehatte. Nach Adolf Luther ist er der zweite Krefelder, dem posthum außerhalb seiner Heimatstadt derzeit eine internationale Wiederentdeckung widerfährt.

Die Schau in den Niederlanden zeigt die "expressionistische Verwandtschaft" Campendonks als Maler, Glasmaler und Zeichner zu dem niederländischen Bildhauer Henk Chabot 1894-1949. Die wertvollsten Exponate haben die Krefelder Kunstmuseen in die weiße Villa nach Rotterdam ausgeliehen: "Die Bayerische Landschaft" von 1913, das "Wirtshaus" (1917), "Die Armen" (1918) und "Hirte mit Verdienstkreuz (1920). Den Nachlass des am 3. November 1889 in Krefeld geborenen Künstlers hatte Krefeld bekanntlich nicht angekauft.

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"Was Krefeld besitzt, sind natürlich die Herzstücke, aber mit den Exponaten aus dem Nachlass ist es eine fundierte Werkschau", sagt Gisela Geiger, Leiterin des Stadtmuseums Penzberg. Ihr Haus ist derzeit wegen Umbaus geschlossen. Im September 2015 wird es samt Neubau wiedereröffnet. Die Baumaßnahme ist den Brandschutzbestimmungen geschuldet. Aber sie bietet für die Präsentation des Campendonk-Werks einen Gewinn: In der zweiten Etage wird es künftig eine Campendonk-Dauerausstellung geben. Im Obergeschoss des Altbaus wird es zusätzlichen Ausstellungsraum geben: "Der bietet Platz für 70 Bilder", sagt Geiger.

Stolz ist sie darauf, dass von Campendonk entworfene Fenster, die derzeit in Kirchen aufgestellt sind, ins Museum eingebaut werden. Die Penzberger wollen auch die weniger bekannten Hinterglasbilder in den Fokus nehmen. "Wir haben bereits zehn dieser Werke und werden das als Spezialität ausbauen."

Als Restaurationsexperten haben die Penzberger sich bereits einen Namen gemacht. So entsteht im Süddeutschen, wo Campendonk ab 1911 viel gearbeitet hat, ein Kompetenzzentrum für den niederrheinischen Expressionisten aus Krefeld.

Das große Interesse der Niederländer an Heinrich Campendonk wurzelt im Jahr 1937. Zur Weltausstellung in Paris hat Campendonk für den Niederländischen Pavillon ein Triptychon in Glas und Blei gestaltet. Damals hatten sich auch Fernand Léger und Pablo Picasso mit seinem imposanten "Guernica"-Bild beworben, erzählt die Chronik des Chabot-Museums. Doch Campendonk hat sich durchgesetzt. Damit gehört er zu den wichtigsten deutschen Expressionisten.

Auf den Expressionismus hat sich das Rotterdamer Haus konzentriert. Die weiße Villa liegt in der Nachbarschaft des Niederländischen Architekturinstituts und des renommierten Museum Bojimans van Beunigen und ist 1962 in der "Zeit des Neuen Bauens" entstanden. Sie stellt das Wirken des Rotterdamer Künstlers Henk Chabot in den Kontext seiner Zeitgenossen und Geistesverwandten.

Ob sich Campendonk und Chabot tatsächlich gekannt haben, ist nicht belegt. Es gibt einige Ausstellungen und Wettbewerbe, an denen beide teilgenommen haben. Der belgische Schriftsteller Paul van Ostaijen, ein enger Freund Campendonks, hat in kunstästhetischen Artikeln viele Gemeinsamkeiten in der Auffassung des Expressionismus der beiden belegt: Campendonk als Mitglied der Künstlergruppe "Blauer Reiter" wollte mit kraftvollen, aber harmonischen Farben geistige Prozesse anregen, die sich um das Naturverständnis drehten. Für das Rotterdamer Museum ist die Gegenüberstellung vor allem eine "Positionierung als Monument für den Expressionismus".

(RP)