Krefeld Rohrschäden — Überflutung droht

Krefeld · Zahlreiche Rohre unter Krefeld sind alt und defekt. In einer neuen Vorlage der Stadt heißt es: "Es besteht Gefahr von Überflutungen im Siedlungsbereich".

 Ein Rohr leitet das Wasser unter der Straße Fungendonk in Oppum. Die Stadt muss nun dringend alle Rohre überprüfen - sonst droht ihr, dass sie für Schäden zahlen muss.

Ein Rohr leitet das Wasser unter der Straße Fungendonk in Oppum. Die Stadt muss nun dringend alle Rohre überprüfen - sonst droht ihr, dass sie für Schäden zahlen muss.

Foto: Lammertz, Thomas

Der Krefelder Rat hat am Donnerstag 140.000 Euro Soforthilfe für die Rettung der Rohre genehmigt, die in Krefeld unter Straßen und Bauwerken liegen. So soll in einem ersten Schritt verhindert werden, dass diese Rohre zusammenbrechen, Wasser nicht mehr abfließen kann und es zu Überschwemmungen auch im Siedlungsbereichen kommt, wie es das städtische Tiefbauamt befürchtet. Sogar ganze Häuser könnten dadurch absacken.

Überall, wo in der Vergangenheit Gewässer oder Gräben überbaut wurden, verlaufen in Krefeld solche Rohrsysteme. Sind diese marode und brechen ein, können sich dort Äste und Blätter oder Erdreich sammeln. Das Wasser beginnt sich zu stauen. Es kommt zu Überflutungen. Zuletzt gab es laut Tiefbauamt derartige Probleme in Oppum und Mittelorbroich.

In Oppum droht laut Stadt weiterhin der Einbruch von Verrohrungen unterhalb stark befahrener Straßen wie Weiden und Hauptstraße. Vor wenigen Monaten war außerdem beim Weihnachtshochwasser in Linn Gefahr in Verzug — das Hochwasser drohte in die defekten Rohre des Linner Mühlenbachs zu laufen. Der Wasserspiegel hätte steigen können.

Eine Verstopfung der Rohre gab es auch in Traar zuletzt. Dort hat die Stadt kurz vor Eintritt eines größeren Schadens eingreifen können. Auch die Rohre unter dem Compo-Gelände sind nach dem Brand zerstört. Ein Statiker hat der Firma untersagt, mit Schwerlastverkehr den Bereich zu befahren, während geprüft wird.

Im gesamten Krefelder Stadtgebiet verlaufen an den zu unterhaltenden Gräben und Gewässern über sechs Kilometer sogenannte "Verrohrungen" und "Durchlässe", die zwischen 300 Millimeter und 2,50 Meter dick sein können. Sie sorgen dafür, dass das einst oberirdisch fließende Wasser unter der neuen Bebauung fließen kann.

"Es ist nicht auszuschließen, dass es Verrohrungen gibt, die so marode sind, dass dort Gefahr in Verzug besteht", heißt es in der städtischen Vorlage. Viele Rohre unterhalb Krefelds — zum Beispiel auch vom Verschubbahnhof bis zum Schönhausenpark — sind jahrelang nur unzureichend geprüft worden.

Kommt es nun zu Schäden, kann das teuer werden: Denn wenn ein Bürger nachweisen kann, dass er Schäden durch Überflutungen aufgrund von defekten Rohren hatte, könnte die Stadt in die Haftung genommen werden. "Grundsätzlich besteht die Gefahr der Amtshaftung, wenn erkennbare und gebotene Aufgaben der Vermeidung von Überflutungen bzw. Schäden nicht durchgeführt werden", heißt es in der städtischen Vorlage für die gestrige Ratssitzung.

Aktuell laufen bereits Untersuchungen — es wird geprüft, wo Rohre verlaufen und wie ihr Zustand ist. Die Stadt will aber eine grundsätzliche Prüfung: Alle Rohre sollen vermessen werden, dann soll ein Kataster erstellt werden, die Rohre sollen regelmäßig gereinigt und inspiziert werden. Anschließend soll in der Rangfolge einer Prioritätenliste je nach Zustand saniert und repariert werden.

(RP/jco)
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