Krefeld: Riesiger Sanierungsstau bei Straßen

Krefeld : Riesiger Sanierungsstau bei Straßen

Für die Erneuerung von Straßen sind im Haushalt nur 1,25 Millionen Euro vorgesehen. Rathausintern geht man aber davon aus, dass mindestens zehn Millionen Euro nötig sind, um zumindest umfassend sichtbare Verbesserungen zu erzielen.

Ein neuer Bericht der Stadtverwaltung zeigt erstmals in Gänze auf, welch eklatante Schäden es im Krefelder Straßennetz gibt. Die im Haushalt eingestellten Gelder reichen demnach bei weitem nicht aus. Intern gibt es im Krefelder Tiefbauamt Kalkulationen, wonach mindestens zehn Millionen Euro eingesetzt werden müssen, um "offensichtliche Verbesserungen im Stadtbild" festzustellen.

Damit wären allerdings die 785 Kilometer Krefelder Straßennetz mit einem Gesamtwert von 440 Millionen Euro bei weitem noch nicht saniert. Und auch personell müsste die Stadtverwaltung dann aufstocken.

Nach jedem Winter zieht die Stadtverwaltung eine Schadensbilanz und präsentiert sie der Politik. Die Krefelder SPD hatte den aktuellen Bericht von April zum Anlass genommen, vom Tiefbauamt ein Konzept für die Straßenverbesserung einzufordern. Dieses wird im nächsten Bauausschuss präsentiert.

Die Zahlen bergen politischen Zündstoff — schon nach Vorstellung der Schadensbilanz hatte SPD-Ratsherr Hans Butzen, baupolitischer Sprecher seiner Fraktion, einen größeren Etat für Straßen gefordert: "Krefelds Straßen sind in einem desolaten Zustand. Wo in anderen Kreisen und Städten die Mittel für Straßenunterhaltung massiv verstärkt werden, wird in Krefeld der Rotstift angesetzt."

Den jährlichen Wertverlust der Krefelder Straßen beziffert das Tiefbauamt auf zwölf Millionen Euro. Der jährliche Aufwand für die Straßenerhaltung liegt in Krefeld bei unter 0,50 Euro pro Quadratmeter. Die "Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen" geht von 1,30 Euro pro Quadratmeter aus, die für eine Verkehrsstraße nötig sind; für eine Anliegerstraße 1,10 Euro pro Quadratmeter, für Wirtschaftswege: 80 Cent pro Quadratmeter. Im Schnitt ergibt sich ein Finanzbedarf von rund 1,10 Euro pro Quadratmeter. Im Bundesschnitt geben die deutschen Kommunen 75 Cent pro Quadratmeter aus.

Die 1,25 Millionen Euro, die bisher in den städtischen Haushalt eingestellt sind, sind bereits voll verplant. Für großflächigere Instandsetzungsmaßnahmen mit Dünnbelägen im Kalteinbau und Pflasterumlagen sind für 2013 Mittel in Höhe von 270 000 Euro eingeplant. Die Maßnahmen sollen in den kommenden Wochen ausgeführt werden. Grob kalkuliert, kosten 100 Meter Straße von üblicher Breite und zwei Spuren Komplettsanierung 100 000 Euro.

Langfristig will die Stadt jedoch ihr Erhaltungsmanagement verbessern. Dafür müssten aber erst einmal alle Straßen erfasst werden. Wie die Qualität der Krefelder Straßen konkret ist, wurde bisher nur für die so genannten Vorbehaltsstraßen mit einer Gesamtlänge von 270 Kilometern erfasst. Die Untersuchung der weiteren 500 Straßenkilometer würde die Stadt weitere 150 000 Euro kosten. Im Haushalt 2013/2014 ist kein Geld für die Untersuchungen eingestellt. "Aufgrund der finanziellen und personellen Ressourcen ist ein umfassendes Straßenerhaltungsmanagement derzeit nicht umzusetzen. Die durch das Budget eingeschränkten Instandsetzungs- und Erneuerungsmaßnahmen reichen nicht aus, um den Straßenzustand auf dem vorhandenen Niveau zu halten bzw. dauerhaft zu verbessern", heißt es im Bericht der Stadtverwaltung.

(RP/rl)