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Rhine-Side-Gallery in Krefeld: Amnesty erinnert an Nelkenrevolution

Rhine-Side-Gallery in Krefeld : Amnesty erinnert an „Nelkenrevolution“

An der Rhine-Side-Gallery hat die Krefelder Ortsgruppe von Amnesty International einen Kübel mit Nelken bepflanzt. Denn vor 60 Jahren wurde die Organisation gegründet. Anlass war die Demokratiebewegung in Portugal.

Ein großer Pflanzkübel mit Nelken an der Rhine-Side-Gallery mit einem Hinweisschild auf Amnesty International und einigen Worten dazu – das ist alles, was die Krefelder zu sehen bekommen. Die inhaltliche Bedeutung aber erschließt sich erst bei genauerer Betrachtung: Der Kübel symbolisiert den 60. Geburtstag der Menschenrechtsorganisation.

„Am 28. Mai 1961 erschien im Londoner Observer ein Artikel über die „vergessenen Gefangenen“ der Diktatur in Portugal. Darin forderte der Anwalt Peter Benenson einen „Appeal for amnesty“, also eine Amnestie für die Gefangenen. Daraus entwickelte sich die Organisation Amnesty International. Am Ende geht sie zurück auf die Demokratiebewegung in Portugal. Es war die sogenannte „Nelkenrevolution“, weil die Demonstranten Nelken in die Gewehre der Polizisten und Soldaten steckten“, erläutert Peter-Michael Friedrichs. „Leider lassen die Regeln der Rhine-Side-Gallery nicht zu, längere und ausführlichere Hinweistafeln anzubringen.“

Friedrichs selbst trat Amnesty rund zehn Jahre später, unmittelbar nach Gründung der Ortsgruppe in Krefeld, bei. „Ich war tatsächlich einer der ersten. Gemeinsam mit Monika Kühn, Jutta Koebernick oder Hans Eiserfey waren wir damals junge Studenten, die etwas verändern wollten. Wir sind alle auch heute noch dabei“, berichtet er.

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In den Anfängen der Organisation sei es stets um ganz konkrete Fälle von Gefangenen gegangen. Später seien Kampagnen für ganze Gruppen oder Themen wie Folter oder Todesstrafe dazu gekommen. „Um unsere politische Neutralität zu wahren und nirgendwo Verbündeter des jeweiligen Feindes angesehen zu werden, hatte jede Gruppe immer drei Fälle gleichzeitig: Einen aus dem Ostblock, einen aus dem Westen und einen aus der dritten Welt“, erzählt er. „Unser erster Fall in Krefeld war ein Gefangener aus Griechenland, damals eine Militärdiktatur, dessen Freilassung wir nach drei Jahren erwirkten. Später gab es noch drei weitere. Einer davon kam uns sogar hier besuchen“, erinnert sich Friedrichs, der später sogar im Bundesvorstand der Gefangenen-Hilfsorganisation stand. Vier Bereiche hat sich Amnesty seit damals auf die Fahnen geschrieben: Folter, Todesstrafe, „Verschwindenlassen“ und Politischer Mord. „Das ist eigentlich eine deutsche Erfindung. Erstmals haben die Nazis das im großen Maßstab gemacht und die SED hat es übernommen. Da wurde es dann aber schon überall auf der Welt kopiert“, sagt der Krefelder.

Für die Zukunft stehe aber gerade Amnesty vor großen Herausforderungen. „Wir haben ein großes Nachwuchsproblem. Schaut man unsere Gruppe an, dann sind immer noch dieselben Menschen aktiv, die in den frühen 70ern als junge Studenten angefangen haben. Wir sind deshalb jetzt vermehrt in Schulen und sogar Kindergärten aktiv, um jungen Menschen politische Aktivität nahe zu bringen und sie dahin zu bringen, sich für Menschenrechte einzusetzen“, sagt der zweifache Buchautor. In seinen Sachbüchern bringt er die Menschenrechtserziehung in der Schule näher.

Geschichten hat er in seinen vielen Jahren genug erlebt. „Ich hatte eine Zeit, in der ich einfach keine Folterberichte mehr lesen konnte. Ich denke aber, dass wir über die vielen Jahre auch viel erreicht haben.“ Das Jubiläum der Organisation bedeutet ihm nur bedingt etwas. „An sich spielt es keine so große Rolle. Aber große Jubiläen bedeuten Aufmerksamkeit, die sich auf unsere Projekte lenken lässt“, sagt er. Für diese sorgt auch immer wieder Kabarettist Christian Ehring (Extra3), der seit Jugendtagen Mitglied der Krefelder Gruppe ist und noch heute viele Petitionen unterschreibt und die Arbeit hin und wieder unterstützt. „Davon bräuchten wir viel mehr Menschen“, sagt Friedrichs. Auch daran sollen die Nelken an der Rine-Side erinnern.