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Krefeld: Rheinmetall fürchtet um seinen Standort

Krefeld : Rheinmetall fürchtet um seinen Standort

In einem Brandbrief an Oberbürgermeister Frank Meyer und die Vertreter der Ratsfraktionen hat die Rheinmetall Ballistic Protection GmbH ihre Sorge um den Fortbestand des Unternehmens am Standort Krefeld mitgeteilt.

Zu den Plänen der Stadt und der Firma Kleinewefers, auf den rund 25.000 Quadratmetern in direkter Nachbarschaft auch Wohnen zu erlauben, seien sie über Jahre nicht gehört worden.

 Die Fläche am Nordbahnhof soll überplant werden. Dabei müssen die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut gebracht werden.
Die Fläche am Nordbahnhof soll überplant werden. Dabei müssen die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut gebracht werden. Foto: Lammertz Thomas

Die Firma Rheinmetall Ballistic Protection am Neuer Weg bietet 120 qualifizierten Fachkräften Arbeit. Das Unternehmen steht in Tradition und in direkter Nachfolge zu der Vereinigte Seidenwebereien AG. Die Verseidag ist Synonym für die Blütezeit und den Wohlstand Krefelds und gleichzeitig auch für den Niedergang der Textilindustrie und den Strukturwandel, mit dem die Seidenstadt heute noch zu kämpfen hat.

Bei Rheinmetall laufen die Geschäfte gut. Die Gesellschaft ist hoch spezialisiert und produziert und testet schusssichere Stoffe für Personen und Fahrzeuge. Das Unternehmen hat kräftig in den Standort investiert und die Verwaltung nach Krefeld gezogen. "Wir fühlen uns dem Standort verbunden. Er passt 100-prozentig zu unserem Bedarf und wurde durch nachhaltiges Invest gestärkt. Von 2005 bis heute verzeichnen wir ein kontinuierliches Wachstum in Umsatz und der Mitarbeiterzahl", erklärte Unternehmenssprecher Oliver Hoffmann auf Anfrage unserer Redaktion. Er bestätigte, dass die Krefelder Geschäftsleitung sich mit ihren Bedenken zu einer Nutzungsänderung der Flächen in der Nachbarschaft an den Oberbürgermeister gewandt habe.

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Das Wohnen und Gewerbe in direkter Nachbarschaft Stoff für Konflikte liefern kann, erkannte auch Viktor Furth, Inhaber des Nordbahnhofs. Nicht zuletzt sein Widerstand gegen die Überplanung des benachbarten 25.000 Quadratmeter großen Areals von Kleinewefers machte ein Mediationsverfahren nötig. Im März des vergangenen Jahres gingen die Parteien an die Öffentlichkeit und verkündeten einen Kompromiss, mit denen die Gesprächspartner offenbar zukünftig leben könnten und wollen.

Für die Industriebrache zwischen Geldernscher Straße, Neuer Weg und Oranierring wurde ein einleitender Beschluss zur Aufstellung eines Bebauungsplans auf den Weg gebracht. Dort soll ein Mischgebiet mit neuer Wohnbebauung und Bürobestand entstehen, teilte Erich Bröker, Geschäftsführer der Kleinewefers GmbH, seinerzeit auf Anfrage mit. Das Areal gehört der Kleinewefers GmbH. Auf wenig Gegenliebe stießen die Pläne vor rund 15 Monaten bei den Gewerkschaften. DGB-Chef Ralf Köpke sorgte sich um die Zukunft des Rheinmetall-Standorts am Neuer Weg. "Mit der Wohnbebauung könnten die Entwicklungsmöglichkeiten des Unternehmens an dem Standort gefährdet sein. 2020 läuft unseres Wissens ein Mietvertrag aus. Wenn das Unternehmen sich entscheidet wegzuziehen, wäre das ein herber Schlag für Krefeld."

Rheinmetall hat damals auf eine Anfrage nicht reagiert. Das ist jetzt anders. Das Unternehmen bestätigt die Problematik. In dem Schreiben an die Politik ist unter anderem davon die Rede, dass eine Verlagerung des Standorts "nicht geplant, aber erforderlich" sei, falls die Firmeninteressen in einem Bebauungsplan nicht ausreichend berücksichtigt würden. Auf dem 24.510 Quadratmeter großen Areal soll vor allem neuer Wohnraum entstehen, berichtete Bröker seinerzeit. "Denkbar sind Einfamilienhäuser, Doppelhaushälften und seniorengerechte Wohnungen. Da es dafür in Krefeld einen großen Bedarf gibt, wird das eine wichtige Rolle spielen", sagte er im März 2017. Details werden im B-Plan-Verfahren entwickelt.

Während die Grünen die Entwicklung der Innenstadtbrache zur Wohnzwecken begrüßten, zweifeln die Freien Demokraten an der Vereinbarkeit von Wohnen und Gewerbe. "Die Krücke, Fenster nicht zu öffnen, stellt keine wirksame Hilfe gegen Lärm dar", sagte FDP-Fraktionschef Joachim C. Heitmann gestern. Dieses untaugliche Mittel versuche die Stadt bereits in Uerdingen beim Projekt Rheinblick und in Fischeln beim Bunker am Marienplatz anzuwenden.

Bröker hält das Vorgehen und den Brief von Rheinmetall für eine "reine Vorsichtsmaßnahme". Der Betrieb sei kein "störendes Gewerbe" und Lösungen für eine weitere Geschäftstätigkeit am Standort vorhanden. "Die werden wir in den politischen Gremien vorstellen", erklärte Bröker gestern.

(sti)