Krefeld: Restaurator bewertet private Schätzchen

Krefeld : Restaurator bewertet private Schätzchen

Seit 25 Jahren restauriert Christoph Tölke in seiner Werkstatt antike Möbel, Skulpturen und Kunstwerke - ohne, dass sie ihren Charme verlieren. Am Wochenende feiert er das Jubiläum mit einem Schätz-Tag. Mit dabei: Fernsehprominenz.

Christoph Tölke hat es heute eilig. Die letzten Vorbereitungen laufen, das Telefon klingelt im Minutentakt. Schon wieder ein Gespräch. "Können wir am Samstag den Innenhof benutzen?" Tölke wartet auf eine Antwort. Dann nickt er zufrieden.

Zur Restaurierung verwenden Christoph Tölke und sein Team die verschiedensten Materialien. Foto: Lammertz

In der Werkstatt an der Roßstraße ist es kalt. Es riecht nach einer Mischung aus Eiche rustikal und frischem Holz. An den Arbeitstischen liegen die Klemmbretter mit den Auftragsschreiben fein säuberlich sortiert. Mit dem Handy am Ohr und seiner braunen Aktentasche in der Hand, sprintet Tölke die Treppe hoch in sein Büro. Der 55-Jährige ist staatlich geprüfter Restaurator für Möbel und Holzobjekte, "wahrscheinlich eine der längsten Berufsbezeichnungen im Land", wie er sagt. Ist ein Gegenstand alt und aus Holz, beginnt seine Arbeit, die so wenig wie möglich auffallen soll. "Den Möbeln die Haut abziehen - das machen wir hier nicht", sagt Tölke. Kratzer und Gebrauchsspuren gehörten zu einem antiken Stück nun mal einfach dazu.

Diese Figur, die den Tod mit Stundenglas darstellt, gehört zud en "Patienten" von Restaurator Toelke. Foto: Lammertz Thomas

Am Samstag feiert der Krefelder mit seiner Restaurierungswerkstatt großes Jubiläum - und lädt Interessierte ein, alte Erb- und Sammlerstücke schätzen zu lassen. Mit dabei ist unter anderem Anne-Kathrin Hoffmann, Expertin für Schmuck und bekannt aus der ZDF-Sendung "Bares für Rares". Über den prominenten Besuch freut sich Tölke. "Wir haben recht früh angefragt und sind froh, Frau Hoffmann mit an Bord zu haben", sagt er. Bis zu fünf Objekte können mitgebracht werden, die Schätzung ist kostenfrei.

Seit 25 Jahren konserviert und restauriert Tölke mit seinem Team, das mittlerweile aus sieben Mitarbeitern besteht, alles von mittelalterlichen Skulpturen über Biedermeier-Möbel bis hin zu kompletten Gebäuden, die heute unter Denkmalschutz stehen - unter anderem die Villa Hügel in Essen und das Kloster in Hüls. Wichtig ist nur: Holz muss drin sein. "Man kann heute vieles wieder in Ordnung bringen. Den Großteil machen wir in Handarbeit", sagt Tölke.

Kommt ein neuer Auftrag rein, fährt der 55-Jährige selbst raus, sichtet die Möbel, macht Fotos. "Es geht dann erst mal um eine Bestandsaufnahme der Objekte. Ich überlege, was kann wie im Detail gemacht werden." Erst im Gespräch mit dem Kunden entscheidet er, ob der Auftrag für ihn in Frage kommt. In 25 Jahren hielt er schon Möbel in den Händen, die einst bei der preußischen Königin Luise und deren Gemahl Friedrich Wilhelm III. in Schloss Paretz standen. "In diesem Job kommt man an Orte, die man sonst vielleicht nicht sieht", sagt er. Vor einigen Jahren restaurierte Tölke die Fenster der Höhenburg Drachenfels und Teile des Schlosses in Königswinter.

Im Büro stapelt sich Fachliteratur in sechs Regalreihen. Tölke hat sie über viele Jahre zusammengetragen. Möbel des Neoklassizismus. Taschenbuch für Farben und Lackindustrie. Die Kunst des deutschen Möbels. Eigentlich hatte der junge Tölke - der Großvater war Jäger - nach der Schule andere Pläne. "Ursprünglich wollte ich mal Forstwirt werden", sagt er. "Aber das war mir dann zu theoretisch, man war zu wenig draußen in der Natur." Nach einem Praktikum in einem Krefelder Antiquitäten-Geschäft machte Tölke eine Ausbildung zum Tischler, besuchte die Meisterschule in Düsseldorf und lernte, wie man französischen Nussbaum von europäischer Eiche unterscheidet. Im Münchener Stadtteil Schwabing ließ er sich dann drei Jahre zum Restaurator weiterbilden. "Nicht der klassische Weg, um später sein eigenes Unternehmen aufzubauen", sagt er. In viele betriebswirtschaftliche Aufgaben habe Tölke reinwachsen müssen. Am Tag der Eröffnung der Werkstatt hatte Tölke sofort seinen ersten Auftrag. "Ich merkte schnell, dass selbstständig sein heißt: Man arbeitet selbst und ständig", sagt er und lacht.

(atrie)
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