Kr Wie Krefeld: Respekt für Muslime

Kr Wie Krefeld : Respekt für Muslime

Zu den Seltsamkeiten dieser Woche gehört der durchaus gut gemeinte Vorschlag der UWG, für Muslime einen eigenen Friedhof anzulegen – was die gar nicht wollen. Betrachtet man die Gemengelage insgesamt, hat sich die Stadt bei diesem Thema nicht mit Ruhm bekleckert – eine Stadt, die im Namen besserer Integration Monate über die ungemein weltbewegende Frage streitet, ob man die "Regionalstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte" (RAA) in ein "Kommunales Integrationszentrum (KIZ)" umwandeln soll. Bei der einfachen Frage hingegen, wie Muslime ihre Toten beerdigen können, herrscht Stillosigkeit. Integration kann so einfach sein – manchmal reicht es, höflich zu bleiben. Zurzeit haben Muslime zwar ein Begräbnisfeld auf dem Elfrather Friedhof, aber keinen befestigten Versammlungsplatz, ja nicht einmal einen Tisch, auf dem sie ihre Toten ablegen können. So kann es sein, dass Trauergesellschaften mitten in der Begräbniszeremonie ihre Toten auf dem Boden zwischenlagern müssen. Ein beschämendes Detail.

Warum eigentlich ist es so schwierig, bei einem so heiklen Thema wie Beerdigungsfeiern nicht still das Gespräch mit der muslimischen Union zu suchen und eine einvernehmliche Lösung zu finden? Die Muslime drängen wohlgemerkt nicht; es gab auch keine Proteste, als die Investition zur Herrichtung des Begräbnisplatzes (50 000 Euro) auf dem Elfrather Friedhof wegen der Haushaltssanierung verschoben wurde – es gab nur Lob für die Behutsamkeit der Stadtverwaltung und das Angebot, sich an den Kosten zu beteiligen. Kurz: Die muslimische Gemeinde blieb zurückhaltend und still, man könnte sagen: dem Thema angemessen. Nun aber zerren Ratspolitiker ohne nennenswerten Protest ihrer Kollegen dieses Thema an die Öffentlichkeit und lassen es an Takt und Mitgefühl mangeln. Respektvoller Umgang sieht anders aus. Jens Voss

(RP)
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