Krefeld: Reiter wollen Schleppjagd mit Meute retten

Krefeld : Reiter wollen Schleppjagd mit Meute retten

Eine Tradition im Hülser Bruch steht vor dem Aus: In einer E-Mail an den Reit- und Fahrverein Krefeld fordert die Stadt, die Schleppjagd künftig ohne Hunde zu planen. Die wäre aber für die Reiter nur noch ein kostümierter Ausritt.

Stephanie Weller war sprachlos, als sie die E-Mail von der Stadt an den Krefelder Reit- und Fahrverein gelesen hatte. Darin fordert das Grünflächenamt, die jährlich stattfindende Herbstjagd künftig ohne Hunde zu planen, weil sie durch ein Naturschutzgebiet führe, in dem es eine ganzjährige Leinenpflicht für Hunde gibt. "Frei laufende Hunde bedeuten eine Gefahr, gerade für den Nachwuchs von Wildtieren. ,Streuner' bringen zum Beispiel Hasen und Kaninchen, die ihre Jungen zur Welt gebracht haben, sowie Enten, Fasane und andere Bodenbrüter in Panik", hieß es bei der Stadt.

Im Hülser Bruch sei die Jagd aber grundsätzlich erlaubt, seit dem 1. September dürften dort zum Beispiel wieder weibliche und junge Rehe erlegt werden, sagt Carl Wiegand, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Krefeld. Und Bodenbrüter seien um diese Jahreszeit schon gar nicht mehr aktiv. Damit sei die Begründung der Stadt für das Verbot also wenig einleuchtend. Und die Schleppjagd habe mit einer Jagd in dem Sinne eigentlich nichts zu tun, Tiere kämen nicht zu Schaden. "Es ist ein großer Reitspaß, wir genießen zusammen die Natur mit Hund und Pferd", sagt Stephanie Weller, Vorsitzende des Reit- und Fahrvereins Krefeld.

"Eine Schleppjagd ohne Hunde ist für uns nur noch ein kostümierter Ausritt", findet Weller, bei der sich nach dem anfänglichen Schock über das Schreiben inzwischen Wut und Frustration abwechseln. Die Konsequenz: "Wir müssten uns überlegen, ob wir ohne Hunde überhaupt noch eine Herbstjagd organisieren wollen", sagt sie. Dabei hat die Herbstjagd in Krefeld eine lange Tradition - mindestens ein halbes Jahrhundert, wenn nicht länger. "Ich bin schon als Kind mitgeritten", sagt Stephanie Weller.

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Die Jagd wird von jeher im Verbund mit dem Reitverein Bayer und den Reitfreunden Luisenhof organisiert, bei der Ausrichtung wechseln sich die drei Vereine immer ab. In diesem Jahr - das letzte Mal mit Hunden, wenn es nach der Stadt geht - war der Krefelder Reit- und Fahrverein an der Reihe. Sogar eine Hubertusmesse hat es gegeben, in der Hunde und Pferde gesegnet wurden. "Und wir hatten noch nie so viele Zuschauer, manche sind mit dem Fahrrad neben uns hergefahren", sagt Weller. Noch ein Grund, warum die Vorsitzende nicht verstehen kann, dass die Stadt die Hunde bei der Schleppjagd verbieten will, das Interesse sei da. Außerdem würden keine Tiere gejagt; die ausgebildeten Hunde, die samt Equipage vom Cappenberger Schleppjagdverein gestellt werden, folgen einer Fährte, die wildfern ist: "Anis oder wie in diesem Fall Heringslake", sagt Weller.

Sie vermutet, dass sich Gegner der Schleppjagd an die Stadt wendeten, weil sie sich von dem Ereignis gestört fühlen. Dabei findet die sogenannte rote Jagd nur einmal im Jahr für ein paar Stunden im Hülser Bruch statt. Und mit wildernden Hunden habe das Ganze überhaupt nichts zu tun, so Weller. Ganz im Gegenteil: Die Hunde seien an einer unsichtbaren Leine, eingekesselt von der Equipage - den Reitern, die die Meute bei ihrer Fährtensuche begleiten.

Sogar die Bauern in der Umgebung hätten kein Problem mit der Herbstjagd. Sie stellen ihre Felder zur Verfügung, öffnen Zäune und Tore, damit Reiter, Pferde und Hunde zum Hülser Bruch kommen. Bisher zahlte jeder Teilnehmer einen Jagdbeitrag in Höhe von 30 Euro, um unter anderem Unkosten für die Bauern zu decken. "Wenn wir nur noch einen kostümierten Ausritt ausrichten, zahlt das doch keiner mehr", fürchtet Stephanie Weller. Sie will sich jetzt mit dem Vorstand des Krefelder Reit- und Fahrvereins zusammensetzen und eine E-Mail an die Stadt verfassen, mit der Bitte, das Verbot zu überdenken. "Wir fühlen uns ein bisschen machtlos, weil wir abhängig vom Grünflächenamt sind", sagt sie. Einen Versuch will sie trotzdem wagen, schließlich soll die Tradition vor allem auch für die Nachwuchsreiter erhalten bleiben. "Eine Schleppjagd ist einfach etwas ganz anderes als der ganz normale Turniersport. Es gibt keine Sieger oder Verlierer."

(RP)
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