Lothar Zimmermann Und Johannes Quadflieg: Regionaldekan: Zu viel Contra lähmt uns

Lothar Zimmermann Und Johannes Quadflieg : Regionaldekan: Zu viel Contra lähmt uns

Warum ist es so schwer, für Krefeld einen Regionaldekan zu finden? Wir sprachen mit Lothar Zimmermann vom Katholikenrat und dem Regionaldekan von Kempen-Viersen über das Amt des Dekans und über den Streit mit Aachen.

Der letzte Regionaldekan Johannes Sczyrba ist im Streit mit dem Aachener Bischof aus dem Amt geschieden und hat Krefeld sogar verlassen. Wirkt das nach? Ist das der Grund, warum sich in der Region Krefeld-Meerbusch niemand freiwillig für dieses Amt meldet?

Zimmermann Das sehe ich nicht. Das Tischtuch zum Bischof ist manchmal gespannt, aber nicht zerrissen oder zerschnitten. Die Ursache sehe ich schlicht im Übermaß an Arbeit. Einer wie Pfarrer Mertens im Krefelder Süden verantwortet das Gemeindeleben von 30 000 Katholiken. Da bleibt wenig Zeit für ein weiteres Amt. Quadflieg Das sehe ich ähnlich. Es gibt keinen Grundsatzkonflikt mit dem Bischof. Er ist akzeptiert, und wir sind froh, dass wir ihn haben.

Ist der Konflikt um die Gemeindezusammenlegungen also vergessen?

Zimmermann Nein, das nicht. Es gibt sicherlich noch Verletzungen; manche haben resigniert, manche sind noch wütend, aber ich glaube nicht, dass das der breiten Stimmung an der Basis entspricht.

Nun kommt die Region seit vier Jahren ohne Dekan aus. Wird das Amt überhaupt gebraucht?

Zimmermann So ist das nicht richtig. Wir haben drei Priester, die die Aufgabe als Gremium provisorisch wahrnehmen, so gut es eben geht. Und wir haben einige Aufgaben, die auch von Nicht-Geistlichen wahrgenommen werden könnten, quasi ausgegliedert. Sie habe ich als Vorsitzender des Pastoralrates übernommen. Die Aufgabenanalyse haben wir mit dem Generalvikar zusammen angestellt.

Welche Eigenschaften muss ein Regionaldekan mitbringen?

Quadflieg Er muss gut hinhören können, um zu sehen, was die Leute umtreibt. Und er muss Ausgleich schaffen können. Es gibt schon einen gewissen Trend, alles, was aus Aachen kommt, erst mal schlecht zu finden und in dunklen Farben zu malen. Ich sehe das nicht so; wenn man sich eine Sache genauer anschaut und konstruktiv mitarbeitet, dann kommt auch etwas auf den Weg. Auch in der Politik gibt es eine Art destruktives Denken, das nur Kritik äußert. So kommen keine neuen Ideen auf. Das ist ein Zug in unserer Gesellschaft: Es gibt immer nur Contra — und das lähmt uns auch und bringt uns nicht nach vorn. Ich habe für mich entscheiden: Ich mache die Reformen mit und kann deshalb auch nach vorn schauen. So kommt Arbeit in viel ruhigeres Fahrwasser, als wenn ich meine Energie nur in Kritik stecke.

Wenn sich niemand freiwillig meldet: Könnte der Bischof kurzerhand jemanden ernennen?

Quadflieg Theoretisch ja, aber das wäre nicht sinnvoll. Dieses Amt muss man schon wollen, um es gut auszuüben. Zwang hat keinen Sinn. Es muss aus beidseitigem Willen geschehen.

Ist ein Regionaldekan weisungsbefugt gegenüber den Pfarrern?

Quadflieg Nein, und das spielt auch meist keine Rolle. Der Dekan ist Bindeglied zum Bischof und in der Region Sprachrohr der Katholiken gegenüber anderen Institutionen wie Stadt, Politik, Verbänden oder der evangelischen Kirche. Der Dekan ist vergleichbar mit dem Oberbürgermeister einer Stadt. Die Politik hat zurzeit keine entsprechenden Ansprechpartner in der Kirche von Krefeld. Von daher ist es schon eine Lücke, die wir spüren. Es geht darum, einen Adressaten für die Katholiken in Krefeld und Meerbusch zu haben.

Herr Zimmermann, welche Aufgaben Sie konkret übernommen?

Zimmermann Es geht um Repräsentationsaufgaben in Verbindung mit den Parteien und anderen gesellschaftlichen Gruppen. Auch die Pflege der Ökumene und der Kontakt zu den evangelischen Gemeinden und Gremien spielt eine Rolle. So werde ich als Repräsentant der katholischen Kirche zur Kreissynode der Evangelischen eingeladen. Auch bei gesellschaftspolitischen Fragen wollen wir auch als ökumenisches Team erkennbar sein, so bei sozialethischen Themen wie Arbeitslosigkeit, Fremdenfeindlichkeit oder Zwangsprostitution.

Sie wären also schon froh, wenn Sie einen Dekan hätten?

Zimmermann Eindeutig ja, wenngleich mir eine Diskussion mit den Geistlichen auf Augenhöhe sehr sinnvoll erscheint.

Ist die Strukturreform denn nun beendet?

Quadflieg Was heißt beendet. Der Bischof hat erklärt, dass er nun in seiner Amtszeit keine Änderungen mehr vornehmen wird. Allerdings sind noch nicht alle strukturellen Änderungen de facto umgesetzt. Zimmermann Die Gemeinden müssen noch den KIM-Prozess umsetzen, also 30 Prozent an Mitteln bei ihren Immobilien einsparen. Das kann noch zu Unruhe führen, erst recht bei jenen, die nicht ihren Frieden mit den Gemeinde-Zusammenlegungen gemacht haben. Immerhin müssen wir uns am Ende auch von einigen Kirchen trennen. Das ist immer bitter.

JENS VOSS FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)