Krefeld: Re-Salt: Covestro plant Bau einer Demonstrationsanlage in Uerdingen

Krefeld : Re-Salt: Covestro plant Bau einer Demonstrationsanlage in Uerdingen

Im Chempark will Covestro - ehemals Bayer Material Science - mit Partnern eine Anlage bauen, um Salze aus Industrieabwässern zu gewinnen.

Im Januar des vergangenen Jahres hat die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks symbolisch eine Pilotanlage der Covestro AG im Uerdinger Chempark in Betrieb genommen. Gestern kündigte der Chemiekonzern den nächsten Schritt an: Covestro sucht zusammen mit Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft nach neuen Wegen zur möglichst umweltfreundlichen Rückgewinnung von Salz und Wasser aus Industrieabwasser. Das aufbereitete Salz sowie das gereinigte Abwasser sollen in Elektrolyseverfahren zur Chlorgewinnung genutzt werden.

Der Hintergrund: In vielen industriellen Prozessen fallen beträchtliche Mengen an Abwasser mit sehr hohen Salzkonzentrationen an. Gelangen sie in Gewässer, stellt dies eine Umweltbelastung dar - besonders für Flüsse und Seen, die für die Trinkwasseraufbereitung genutzt werden. Daher besteht Handlungsbedarf, um neue umweltfreundliche und ökonomisch tragfähige Verfahren zur Aufbereitung und Nutzung von solchem Abwasser zu entwickeln.

"Ein wichtiges Ziel des Vorhabens ist es, im Zuge der Aufbereitung der Salzlösungen den Salzgehalt so umweltfreundlich wie möglich zu erhöhen", sagt Projektkoordinatorin Yuliya Schiesser aus der Prozessforschung von Covestro. Dazu soll unter anderem Abwärme aus den benachbarten Produktionsanlagen genutzt werden. "Unser Ziel ist es, dass am Ende nicht nur die Kunststoffbranche, sondern auch andere Industriezweige ihren Nutzen davon haben", erklärt Schiesser.

Zur Erprobung ist eine Demonstrationsanlage bei Covestro am Standort Krefeld-Uerdingen geplant. Das neue Verbundprojekt namens "Re-Salt" (Recycling von industriellen salzhaltigen Prozesswässern) baut auf die seit einem Jahr erprobte Technologie auf. Beteiligt sind das DVGW-Technologiezentrum Wasser, die Donau Carbon GmbH, die Universität Duisburg-Essen, das Dechema-Forschungsinstitut, die Envirochemie GmbH und die Technische Hochschule Köln. "Re-Salt" läuft über drei Jahre und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Das 3,7 Millionen teure Pilotprojekt wurde bereits mit 740.000 Euro aus Berlin unterstützt.

"Die eigenen Abfälle als Rohstoffe zu nutzen, steht ganz in der Tradition der chemischen Industrie", sagte Hendricks seinerzeit. Die Investition sei zugleich ein starkes Signal für die Standortsicherheit des Uerdinger Chemparks.

(sti)
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