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Krefeld: Raucherpausen sorgen in vielen Betrieben für Streit

Krefeld : Raucherpausen sorgen in vielen Betrieben für Streit

Nach den Beobachtungen des Krefelder Arbeitsgerichts sind Raucherpausen seit den Rauchverboten in Gebäuden ein großes Problem. Da Raucher nicht mehr am Arbeitsplatz rauchen können, sondern das Gebäude verlassen oder spezielle Raucherzonen aufsuchen müssen, fällt jede Pause auf. Olaf Klein, seit Juli 2009 Direktor des Krefelder Arbeitsgerichts, auf Anfrage: "Das ist in der Tat in vielen Betrieben ein Dauerproblem. Unruhe kann in der Belegschaft aufkommen, wenn der Eindruck entsteht, dass Nichtraucher mehr arbeiten müssen als Raucher, weil sie weniger Pausen machen."

Solche Fälle landeten allerdings nur selten beim Arbeitsgericht, erläuterte Klein weiter. "In der Regel gibt es betriebliche Vereinbarungen. Innerbetriebliche Konflikte werden meist zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat geregelt. Vom Grundsatz gilt: Gibt es keine anderslautende betriebliche Regelung, müssen Raucherpausen nachgearbeitet werden, andernfalls begeht man einen Arbeitszeitbetrug. Auf den Monat gesehen kann mit Raucherpausen schließlich einiges zusammenkommen."

Klein berichtet von einem spektakulären Fall um einen Fahrer von Flüssigsauerstoff: "Der Mann wurde von seinem Vorgesetzten gesehen, wie er im Lkw trotz strikten Rauchverbots geraucht hat", berichtet Klein. Der Mann habe zwar geltend gemacht, dass der Lkw leer gewesen sei. "Das spielte am Ende aber keine Rolle. Es galt das absolute Rauchverbot. Der Mann hat verloren. Man muss sich nur vorstellen, was hätte passieren können, wenn auch nur ein kleiner Rest des hochexplosiven Gases noch vorhanden gewesen wäre."

Klein wies im RP-Gespräch den Eindruck zurück, dass deutsche Arbeitsgerichte per se arbeitnehmerfreundlich seien. "Das ist ein weit verbreitetes Vorurteil", sagte der Jurist. Arbeitsrichter folgten nicht irgendwelchen Sympathien, sondern dem Gesetz. "Das Arbeitsrecht ist ein Arbeitnehmerschutzrecht", sagte Klein, "das heißt etwa, dass im Falle einer Kündigung die volle Beweislast beim Arbeitgeber liegt. Ist ein Vorgang unklar, kann er nicht kündigen."

Insofern rät Klein Arbeitgebern, sich sorgfältig zu informieren, bevor sie Kündigungen aussprechen: "Gerade bei kleinen und mittleren Betrieben ohne ausgefeilte Rechtsabteilungen kann es da sonst schon mal zu Problemen kommen."

(RP)