Krefeld: Queen lobt Betonkünstler aus Oppum

Krefeld : Queen lobt Betonkünstler aus Oppum

Peter Pesch verdient seit 23 Jahren sein Geld mit dem Gestalten von Betonfiguren. Eins seiner letzten Werke: Die Queen.

Einen ganz besonderen Brief hat der Oppumer Künstler Peter Pesch jetzt in seinem Briefkasten gefunden: Absenderin: Die Königin von England. Zum Straßenfest am Elmendonk im August hatte Pesch ein Abbild der Queen mit ihren Hunden gestaltet. "Fotos von der Entstehung und von der fertigen Skulptur habe ich nach London geschickt und vorgeschlagen, dass man sie zum Beispiel im Schloss Balmoral aufstellen könnte", erzählt er. Darauf gab es jetzt eine offizielle Antwort aus dem Palast. "Es hieß, die Queen habe sei über die Skulptur sehr amüsiert gewesen und besonders die Corgi-Hunde hätten ihr gut gefallen". Jedoch gebe es im Palast keinen geeigneten Platz, um das Werk aufzustellen.

Beim Gestalten der Figuren können individuelle Kundenwünsche erfüllt werden. Oft bringen Großeltern Kleidungsstücke der Enkel als Muster fürs Bemalen mit. Foto: Strücken,Lothar

Das Berufsleben von Peter Pesch wäre wahrscheinlich völlig anders verlaufen, wenn seine Frau Ingrid sich nicht eines Tages in eine Gans, gestaltet aus Beton, verguckt hätte. Obwohl Peter Pesch nie zuvor mit Beton gearbeitet hatte, versuchte er, seiner Frau den außergewöhnlichen Wunsch zu erfüllen, entwarf eine Gans, formte sie aus Draht und Beton und bemalte sie schließlich.

Nachdem die Gans geglückt war und den Vorgarten schmückte, arbeitete Pesch spaßeshalber an weiteren Skulpturen. Schon bald interessierten sich nicht nur Nachbarn und Freunde für die Figuren, sondern Liebhaber aus ganz Deutschland. Auf großen Ausstellungsmessen in Düsseldorf und Duisburg präsentierten die Peschs ihre Werke – und sahen manche später durch Zufall bei Reisen nach Sylt oder Mallorca wieder.

Wegen der steigenden Zahl der Aufträge musste der Beton-Künstler sich bald zwischen Job und Leidenschaft entscheiden. Denn obwohl sein Arbeitgeber ihn zwischendurch immer wieder freistellte, reichte die Zeit nicht aus, um allen Kundenwünschen gerecht zu werden. Und so beschloss Peter Pesch seinen Job mit gesichertem Einkommen aufzugeben und das Hobby zum Beruf zu machen. Heute, 23 Jahre später sagt er: "Ich finde es toll, dass so viele Menschen meine Arbeit zu schätzen wissen. Durch all die positive Resonanz habe ich meine Entscheidung keinen einzigen Tag bereut."

In zwei Holzhäusern im Garten seines Eigenheims am Oppumer Elmendonk befinden sich heute die Ateliers. Dort entwickelt er seine Figuren – Menschen, Tiere und Pflanzgefäße – stellt das Grundgerüst aus Maschendraht her, modelliert die Betonmasse und bemalt schließlich die Arbeiten. Letzter Schritt ist ein wetterfester Lack, der die Figuren für lange Jahre vor Witterungseinflüssen schützen soll.

Wie jeder Künstler hat auch der Oppumer seinen ganz eigenen Stil. "Mir ist es wichtig, dass meine Figuren einen gewissen Stolz haben. Sie sollen gerade stehen und freundlich auf den Betrachter wirken."

Die größte Schwierigkeit stellten Details, wie Gesichtszüge oder Haare dar. Doch genau diese Einzelheiten machten die Betonmenschen, meint Pesch, heute zu etwas ganz besonderem. Am gefragtesten seien die Betonkinder "Phillip" und "Sabine", die in Lebensgröße erhältlich sind. Rund 1000 Euro kosten diese Figuren, manchmal auch mehr, wenn Sonderwünsche erfüllt werden sollen. Pesch: "Vielen Käufern ist es wichtig, dass die Kinder individuell bemalt werden. Daher kommt es oft vor, dass jemand mit einem Pullover des eigenen Enkelkindes ins Atelier kommt und bittet, das Kleidungsstück als Vorlage zu benutzen."

(RP)
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