1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Projekt Rheinblick in Krefeld-Uerdingen — keine Einigung in Sicht

Bebauungsplan aufstellen : Projekt Rheinblick — keine Einigung in Sicht

Der Rheinblick ist das Prestige-Projekt in Krefeld: Die Stadt will sich zum Rhein hin öffnen und hat dabei große Vorbilder. Stararchitekt Hadi Teherani soll seine internationale Visitenkarte abgeben. Doch der Planungsprozess stockt. Von einer Annäherung zwischen benachbarter Industrie und Kommune ist nichts zu spüren.

Vor drei Jahren im August schockten die Verantwortlichen des Chemparks in Uerdingen Politik und Verwaltung durch die Heftigkeit ihres Protests gegen das Projekt Rheinblick. Industrie und Wohnen vertrage sich nicht. Der traditionsreiche Chemiestandort nördlich des Plangebiets (zwischen Hohenbudberger Straße und Rhein) geriete mit seinen 7700 Beschäftigten als Standort in Gefahr.

An dieser Haltung hat sich trotz vieler Gespräche zwischen Planern der Kommune und Vertretern des Chemparks bis heute im Grunde nichts geändert. Diesen Eindruck bestätigten beide Seiten am Montag in einer gemeinsamen Erklärung erneut. „Der Chempark und die Stadt Krefeld sind in aktuellen Gesprächen zum Thema Rheinblick und haben sich jetzt ausführlich über den Entwurf des neuen Bebauungsplans ausgetauscht. Nach wie vor sieht der Chempark mit der Realisierung der konkreten Projektpläne Rheinblick die Genehmigungsfähigkeit neuer und die Erweiterungsfähigkeit bestehender Anlagen im Chemiepark aus unterschiedlichen Gründen gefährdet. Insbesondere geht es hier um die einzuhaltenden Lärmwerte in der Nachtzeit angesichts der geplanten Wohnnutzung“, heißt es schriftlich.

  • Krefeld : Rheinblick: Chempark und Stadt ringen um Annäherung
  • Krefeld : Hochwasserschutz für Rheinblick: Stadt wartet auf Machbarkeitsstudie
  • Krefeld : Chempark drängt: Stadt soll sich zu Rheinblick äußern

Die Gespräche treten offenbar auf der Stelle, sollen aber nach der Sommerpause fortgesetzt werden. Eine Beteiligung der Bürgerschaft in einer dritten Offenlage des Entwurfs für den Bebauungsplan rückt damit weiter in die Ferne. Die Großinvestoren Lutz Remmert und Ulrich Schmitter halten seit Jahren die Füße still. Sie wollen 85 Millionen Euro für den Bau von Wohnungen, Büros und Praxen ausgeben. Zuletzt hatte Remmert noch das benachbarte Grundstück des Österreichers Hans Pall hinzugekauft und sich optimistisch gezeigt, dass im April der Bebauungsplan präsentiert und im Herbst rechtssicher verabschiedet werden kann. Dieser Zeitplan ist nun Makulatur.

Bislang halten Stadt und Chempark Stillschweigen über Details. Vorstellungen der Industrie, auf Wohnen zu verzichten und stattdessen einen Ersatz für den BayTreff in Form einer Veranstaltungshalle zu schaffen, dürften ebenso wenig auf Gegenliebe stoßen, wie das privilegierte Areal am Rhein in eine Grünflächenanlage samt Spielplatz umzuwandeln. Remmert und Schmitter sind mit Grundstückserwerb und Entwurfsplanungen erheblich in Vorleistung gegangen. Unter anderem hat Stararchitekt Hadi Teherani (Kölner Kranhäuser) viel beachtete Vorschläge gemacht. Wohnen verspricht die beste Rendite.

Stadt und Chempark suchten weiterhin gemeinsam nach einer Lösung des Konflikts. Der offene Austausch unterstütze das gegenseitige Problemverständnis, teilten beide Seiten gestern mit. Dabei sind neue Hürden aufgetaucht: Zwischenzeitliche fachrechtliche Entwicklungen machten es zudem erforderlich, dass die gutachterliche Betrachtung angemessener Abstände von Wohnbebauung zu Industrie aktualisiert werde (Seveso III-Richtlinie), heißt es. Beide Seiten blieben im konstruktiven Austausch und prüften ergebnisoffen Lösungen für das Gebiet am Rhein, das bereits sehr mit Lärm durch Güterzüge und Binnenschifffahrt belastet sei, ergänzte Chempark-Sprecherin Karoline Gellrich. Unabhängig davon werde die Umsetzung des Hochwasserschutzes für den Rheinblick final mit der Bezirksregierung abgestimmt.

Für das von Lutz Remmert hinzugekaufte Grundstück hat er bei der Stadtverwaltung bislang noch keine Nutzungs- oder Bauvoranfragen gestellt. Ein Betretungsverbot für das Areal existiert nicht mehr. „Das Gelände wurde versiegelt, nachdem wiederholt ungenehmigte Baumaßnahmen stattfanden und erforderliche Sicherungsmaßnahmen nicht durchgeführt worden sind“, stellte Stadtsprecher Dirk Senger klar. Die ordnungsbehördlichen Maßnahmen seien gegen die P. International S.R.O. als damaligem Grundstückseigentümer ausgesprochen worden. Weder Herr Remmert noch die als neuer Grundstückseigentümer eingetragene Firma haben ungenehmigte Baumaßnahmen durchgeführt. Gegen die Firma waren auch keine ordnungsbehördlichen Maßnahmen erlassen worden. Daher steht es dem Eigentümer frei, über seine Liegenschaft zu verfügen und sie zu betreten, teilte der Stadtsprecher weiter mit. Die Aufhebung der Versiegelung sei nicht mit Auflagen verbunden gewesen. Das Objekt war im Wege der Ersatzvornahme zu Zeiten des vorherigen Eigentümers gesichert worden. Das heißt: Die Stadt hat alle Schritte zur Sicherung des Grundstücks und der Bauten ergriffen und die Kosten eingefordert.