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Professor aus Krefeld erstellt Gutachten zum Wirecard-Skandal

Im Auftrag der Bafin : Krefelder Professor erstellt Gutachten zum Wirecard-Skandal

Im Wirecard-Skandal geht es um Bandenbetrug, Untreue und Marktmanipulation. Der Krefelder Experte Marius Gros und sein Frankfurter Kollege gingen der Frage nach, ob das bisherige Bilanzprüfverfahren den Aufgaben gewachsen ist.

Der Wirecard-Skandal hat die Frage nach der Effizienz der bundesdeutschen Finanzaufsicht erneut in den Fokus gerückt. Der an der Hochschule Niederrhein in Krefeld lehrende Wirtschaftswissenschaftler Marius Gros hat zusammen mit seinem Kollegen Hans-Joachim Böcking von der Goethe-Universität Frankfurt am Main im Auftrag der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Gutachten erstellt. Damit wollen sie zur Versachlichung der Debatte infolge des Wirecard-Skandals beitragen, erklärte ein Hochschulsprecher am Donnerstag.

Mehrere Spitzen-Manager von Wirecard sitzen in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Wirecard-Mitarbeiter Umsätze in den Bilanzen erfunden haben, um so an Kredite von Banken und anderen Investoren zu kommen. Den Beschuldigten wird gewerbsmäßiger Bandenbetrug, Untreue, unrichtige Darstellung und Marktmanipulation in mehreren Fällen vorgeworfen.

Der Krefelder Experte und sein Kollege gingen der Frage nach, ob das bisherige Bilanzprüfverfahren den Aufgaben gewachsen ist. Das zweistufige Enforcementsystem („Bilanzkontrolle“) sei 2005 installiert worden, vorausgegangen waren mehrere Bilanzskandale: Die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), ein privatrechtlicher Verein, prüfe die vorgelegten Konzernbilanzen als erstes. Die BaFin trete regelmäßig nur dann als zweite Instanz auf, wenn das Unternehmen nicht kooperationsbereit sei oder die von der DPR beanstandeten Fehler abstreite, teilte ein Sprecher mit.

Dieses System könne durchaus auch im Falle eines Betrugsverdachts funktionieren, dies entspräche der vom Gesetzgeber intendierten Aufgabenverteilung zwischen privater und staatlicher Stelle. Denn die eigenständig und unabhängig von der BaFin agierende Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) sei mit ausreichenden Kompetenzen ausgestattet, auch vertrauliche Informationen anzufordern sowie gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft einzuschalten, meinen Böcking und Gros.

Auch die finanzielle Ausstattung der DPR sei genügend, um bei Bedarf zusätzliche externe Prüfer hinzuziehen. Daher seien die derzeitigen Möglichkeiten der BaFin begrenzt, ein Verfahren an sich zu ziehen. Verbesserungswürdig sei das Verfahren hinsichtlich seiner Transparenz auf der ersten Stufe.

Marius Gros lehrt Rechnungswesen und Controlling im Gesundheitswesen am Fachbereich Gesundheitswesen der Hochschule Niederrhein. Beauftragt wurden er und sein Frankfurter Kollege von der BaFin. Hintergrund waren die Vorwürfe gegen die Behörde, sie hätte die Bilanzprüfung bei Wirecard in Anbetracht der Betrugsvorwürfe gegen den Zahlungsdienstleister früher übernehmen müssen, um Schaden abzuwenden. Um die Diskussion zur Reform der Bilanzkontrolle und die Rolle von BaFin und DPR im Rahmen des „Fall Wirecard“ zu versachlichen, haben Böcking und Gros die BaFin gebeten, das Gutachten veröffentlichen zu dürfen.

Das Gutachten gibt es hier komplett zum Herunterladen.