Streit im Krefelder Karneval Prinz kritisiert Karnevalsfunktionäre
Krefeld · Zwischen dem Karnevalsprinzen Toni Peeters und den Offiziellen der Westgarde gibt es massive atmosphärische Verstimmungen. Der Prinz will an Altweiber nicht getrennt von der Prinzessin auftreten – ein Streit mit Vorgeschichte.
Zwischen dem Karnevalsprinzen Toni Peeters und den Offiziellen der Westgarde gibt es massive atmosphärische Verstimmungen. Der Prinz will an Altweiber nicht getrennt von der Prinzessin auftreten — ein Streit mit Vorgeschichte.
Wer die Bedeutung von Ritualen im Karneval kennt, der weiß, dass dieses öffentliche Düpieren des Prinzen auf tiefsitzende Unstimmigkeiten hinweist: Bei Aufzügen von Toni II. und Ehefrau Verena I. haben am Freitag die Leibgarde der Prinzessin (Westgarde) sowie Teile der Prinzengarde die Begleitung des Prinzen-Paares auf die Bühne verweigert; stattdessen blieben die Vertreter der Westgarde unter anderem beim Besuch der Uzvögel hinten im Saal stehen, mit ihnen auch viele ehemalige Krefelder Prinzessinnen.
Hintergrund: Prinz Toni II. hatte Stil und Gebaren mancher Funktionäre in Mails an mehrere Funktionsträger scharf kritisiert. Das Fass zum Überlaufen brachte für den Prinzen offenbar der Eindruck des respektlosen Umgangs mit seiner Frau, Prinzessin Verena I.. Beide Parteien haben vereinbart, den Streit vorerst beilegen zu wollen (am Samstag zog man wieder gemeinsam los).
Es ist ein Eklat mit Vorgeschichte — auf der einen Seite der Prinz, auf der anderen Seite die Westgarde als ständige Begleiterin der Prinzessin. Unsere Zeitung sprach gestern mit beiden Parteien, mit Manuel Blomen als Vorsitzender der Westgarde und mit dem Prinzen Toni Peeters, der mit seiner Frau zusammen eingesprungen war, nachdem das vorherige Prinzenpaar aus persönlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt hatte.
Anlass für den Streit war laut Prinz Toni die Feier der Westgarde für Prinzessin Verena. Er sei sich dort als Prinz vorgekommen wie das fünfte Rad am Wagen. "Wenn die eigene Frau in den Himmel gehoben wird, und man selbst wird beiseitegeschoben, dann ist das nicht schön." Er habe sich respektlos behandelt gefühlt, sagt der Prinz.
Am 17. Januar schrieb er einen Brief an mehrere Offizielle im Karnevalskomitee und der Westgarde. Darin wirft er den Offiziellen mangelhafte Unterstützung vor. Sämtliche Sponsoren seien schon vorher "abgegrast" worden. Er kritisiert in dieser Mail auch, dass die Eintrittspreise teilweise so hoch seien, dass der Saal nur halb ausverkauft ist.
Weiter kritisiert er die Terminplanung: So habe er an einem Tag zwischen 15 Uhr und 17.30 Uhr acht Alten- und Kinderheime "abzuklappern" gehabt — man habe kaum mit den Bewohnern und Kindern reden können. Bei der Proklamation sei der vorbereitete Auftritt frühzeitig abgebrochen worden, bei der Kajuja-Sitzung der Auftritt von 30 Minuten auf neun Minuten begrenzt. Als "Lückenbüßer" habe er sich gefühlt.
Insbesondere ein Auftritt im Seidenweberhaus erzürnt ihn: Neun Minuten habe er gefordert, um seine Hymne "Wir send Krieewel" zu singen und die Minister und Adjutanten vorzustellen. Diese Zeit habe man ihm nicht zubilligen wollen. Ihm sei auch vorgeworfen worden, dass die Stimme im Playback zu hören war. Er begründet dies mit der Tontechnik im Seidenweberhaus.
In einer zweiten Mail machte Prinz Toni außerdem deutlich, dass er getrennte Veranstaltungen von Prinz und Prinzessin am Altweibertag nicht dulden wolle — er habe von niveaulosen Vorfällen bei früheren Veranstaltungen erfahren, bei denen die Prinzessin betrunken gemacht worden sei.
Genau dieser Vorwurf ist es, der die Westgarde und frühere Prinzessinnen aufbrachte; auch mit juristischen Schritten wurde Peeters gedroht. "Aufgabe der Westgarde ist es, die Prinzessin bei öffentlichen Auftritten zu begleiten", betonte deren Chef Manuel Blomen. "Das sind alles erfahrene Gardisten, die dem Prinzenpaar Tipps geben."
Prinz Toni hat jetzt bei den Offiziellen um Entschuldigung gebeten: Er habe sich im Ton vergriffen. Er betonte außerdem, dass er keine Namen genannt habe, sondern nur eine sachliche Kritik formulieren wollte. Der bisherige Westgarde-Adjutant der Prinzessin solle sein Amt weiter ausüben, betonte Peeters.
Er blieb aber am Montag im Gespräch mit unserer Zeitung inhaltlich bei seiner Kritik am Karneval, will es allerdings nicht zu einem Bruch kommen lassen: "Wir sind unseren Pflichten bisher voll und ganz nachgekommen." Er wisse, dass er in ein Haifischbecken gesprungen sei, sagte Peeters. "Aber mir war auch klar, dass ich das Wasser rauslasse, wenn ich gehe."
Wichtig sei ihm, dass seine Familie geschützt werde, teilte der Vater von vier Kindern mit. Peeters hat es wohl als besonders geschmacklos empfunden, dass er und seine Frau in mehreren Kommentaren am Rande von Sitzungen darauf hingewiesen wurden, dass sich viele der Prinzenpaare nach der Session getrennt hätten.
Offen bleiben vorerst zwei Punkte: Der Prinz fordert, dass er und seine Frau mit den Ministern den Altweiberdonnerstag gemeinsam verbringen. Die Regeln der Westgarde sehen jedoch vor, dass die Prinzessin mit der Garde durch Krefeld zieht. Außerdem fordert Peeters, dass der Prinzenwagen und der Ministerwagen in unmittelbarer Nähe ziehen, höchstens durch den Bagagewagen getrennt.
Das Festkomitee Krefelder Karneval (FK) wollte sich gestern weder zu diesen Forderungen noch zum aktuellen Streit äußern. "Wir setzen jetzt alle an einen Tisch", sagte gestern FK-Vorsitzender Albert Höntges, der aus gesundheitlichen Gründen erst vor wenigen Tagen von den Vorfällen erfuhr. Auch die Westgarde wollte sich inhaltlich detailliert nicht äußern.